MFG – Das Magazin –


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St. Pöltens gute Seite

"Das ist mein Klub! Ich mache alles."

Text Thomas Schöpf
Ausgabe 10/2006

Captain Neno ist zurück. Die Galionsfigur aus den erfolgreichen 90er-Jahren, Neno Asceric, ist bei der UKJ St. Pölten nicht nur wieder an Bord, sondern direkt am Steuer. Offiziell ist der 41-Jährige Assistant-Coach, aber in Wahrheit Mädchen für alles. Österreichs erfolgreichster Basketballer der jüngeren Vergangenheit (Asceric war Stütze bei Top-Klubs wie Paris SG und Le Mans sowie bei Roter Stern Belgrad) holt vielleicht auch noch „effant terrible“ Stjepan Stazic (28) ins UKJ-Boot zurück.

Als Sie 1998 aus St. Pölten weg sind, haben Sie sich da gedacht, dass Sie je wieder zurückkehren werden?
Nein, überhaupt nicht. Ich habe mir allerdings auch nicht gedacht, dass ich noch so lange im Ausland spielen kann.

Ausland – das heißt also, Sie fühlen sich hier daheim?
Absolut. Ich habe ja neun Jahre hier gelebt, fünf Meistertitel und drei Cupsiege gefeiert. Ich habe hier viele Freunde. Hier ist meine Heimat. Ich wohne in St. Pölten, meine Familie in Wien, damit die Kinder weiter in eine französische Schule gehen können.

Was war in Frankreich anders?
Das ist ein sportliches Land. Dort gibt es viel mehr Patrioten. Bei jedem Spiel sind weit mehr Zuschauer. Die Klubs haben alle viel bessere Strukturen. Und vor allem gibt es dort unfassbar viele freiwillige Helfer, die gerne was für ihre Vereine machen. Das ist hier anders. Auch das Geld fehlt hier.

Dennoch sind Sie trotz anderer Angebote hierher zurück.
Das ist mein Klub. Ich identifiziere mich mit dem Verein und will helfen, dass er schnell wieder da unten raus kommt. Das ist meine Motivation.

Sie haben angeblich gar keinen Vertrag?
So was brauche ich nicht.

Und was sind Ihre Aufgaben? Offiziell sind Sie ja Assistant-Coach.
Das ist nur ein Begriff. Ich mache alles! Ich habe den Sportprofessor in Serbien gemacht und das Trainerdiplom in Frankreich, was überall in Europa sehr anerkannt ist. Hier leite ich das Training und habe auch die Spieler geholt. Allerdings hätte ich gerne mehr Geld zur Verfügung gehabt.

Dann wäre wohl auch Stazic gekommen?
Ich habe schon im Juni mit ihm darüber gesprochen. Was er verlangt hat, können wir nicht bezahlen. Wie das in Traiskirchen geht, weiß ich nicht. Er war ein riesiges Talent (Anm.: Stazic war schon mit 20 Jahren mit Benetton Treviso Europacupsieger, davor in St. Pölten). Schade, dass er dann nicht mehr aus sich gemacht hat. Ich hatte immer einen guten Draht zu ihm, kann mit ihm umgehen. Aber ich vertraue auch den Spielern, die ich geholt habe - obwohl viele wenig Matchpraxis haben. Deshalb brauchen wir noch etwas Zeit, um vorwärts zu kommen.

Und was ist diese Saison Euer Ziel?
Wir wollen unter die ersten acht. Das wird schwierig. Aber als Spieler habe ich damals in St. Pölten auch bei Null angefangen. Jetzt geht es eben wieder bei Null los, oder eher bei Minus Fünf.

Und wirst Du selbst auch mal einlaufen?
Nur, wenn wir eine große Personal-Not haben. Was ist das für ein Signal an meine jungen Spieler, wenn ich mich selbst aufs Feld schicke …