MFG – Das Magazin – Behind the scenes beim Beatpatrol: Improvisation ist alles!


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St. Pöltens gute Seite

Behind the scenes beim Beatpatrol: Improvisation ist alles!

Text Petra Wochner
Ausgabe 03/2013

Ein Festival zu organisieren ist eine Riesensache. Aber wie sieht es hinter den Kulissen aus? Wie schafft man es, alle Künstler ausreichend zu versorgen? MFG fragte bei den Machern des Beatpatrol nach: Wie kommt der Künstler überhaupt auf ein Festival?

Von B wie Buchung bis W wie Wartezeit
Danach beginnt ein langwieriger Prozess. Denn praktisch alles muss schon vor dem Festival verhandelt werden, allem voran die Gage des Künstlers. Der Preis für einen Künstler ist dabei je nach Bekanntheitsgrad variabel. „Einen fixen Betrag gibt es da nicht, es muss stets eigens verhandelt werden, die Gage ist von Künstler zu Künstler verschieden", weiß Michael Kietreiber. Kurzum, es bedarf verhandlungstechnisch guter Argumente für die Künstlerpräsenz gerade auf diesem Festival sowie bisweilen eines langen Atems. „Oft geht es ganz schnell, dass man innerhalb einer Woche Bescheid bekommt und manchmal kann es auch passieren, dass man bis zu zwei oder drei Monate wartet", erklärt Kietreiber. Damit ein Künstler überhaupt zum Beatpatrol kommt, muss man ihn zuerst buchen. „Sobald das Festival vorbei ist, denkst du eigentlich schon ans nächste Jahr und überlegst, wen du buchen kannst oder wer im nächsten Jahr bekannt werden könnte", gibt Michael Kietreiber vom Booking Auskunft.

Wettbewerb der Festivals
„Natürlich stimmt das Management oder die Agentur auch ab, ob das Beatpatrol in den Terminkalender passt, wo der Künstler im Zeitraum des Beatpatrols sonst noch spielt und welches Festival ins Konzept passt. Der Konkurrenzdruck ist daher groß, weil, vor allem im Sommer, unzählige Festivals auf der ganzen Welt stattfinden. In Wahrheit hat der Künstler insgesamt nur zwei bis drei Monate beziehungsweise acht bis zwölf Wochenenden Zeit, dann ist die Festivalsaison schon wieder vorbei", schildert Kietreiber das Griss um die besten Acts. In Österreich sind die stärksten Konkurrenten des Beatpatrol zurzeit das Frequency Festival, das Urban Art Forms Festival und das Electronic Love Festival in Salzburg, die die gleichen Musikrichtungen abdecken. Stellt sich weiters die Frage, auf welcher Bühne welcher Künstler spielt. Auch darauf weiß Kietreiber die Antwort: „Das ist verschieden, aber im Großen und Ganzen bestimmen wir das. Es gibt von uns einen Grundplan, je nach Bekanntheit und Musikstil werden dann die Künstler zugeteilt. Große Künstler wie Justice oder Boys Noize stellt man eher auf die ‚Mainstage‘. Manchmal fordert das Management aber explizit, dass der Künstler nur kommt, wenn er auf der Hauptbühne spielen kann." Oft suchen sich die Headliner aber auch die Bühne aus, auf der sie spielen möchten. Problematisch wird es, wenn eine Bühne bereits voll ist, „aber man kann in der Regel dann schon mit den Künstlern verhandeln." Aber selbst das ist verschieden. Manche lassen mit sich verhandeln, manche nicht.

Der Künstler ist gebucht – was nun?
Wenn der Künstler zusagt, kann es losgehen. Trifft der Künstler in Österreich ein, kommt Julita Fryn vom ,Artist Care‘ ins Spiel. „Der Flug wird im Vorfeld gebucht. Im besten Fall erfahren wir die Ankunft des Künstlers früh genug, im schlechtesten erst einen Tag vor dem Festival. Bei Künstlern, die mit Privatjets anreisen, erhält man die Information zumeist überhaupt erst am selben Tag." Im Anschluss wird der Künstler vom Flughafen abgeholt. „Meistens ist es so, dass sich die großen Künstler die Automarke aussuchen, mit denen sie abgeholt werden möchten. Danach bringt man sie ins Hotel, entweder direkt nach St. Pölten oder auch nach Wien, je nachdem, wie es vorher vereinbart wurde." Hotel ist natürlich nicht Hotel, auch diesbezüglich gibt es oft ganz genaue Vorstellungen! „Wir haben Leute, die sich nur darum kümmern, die Fahrer untereinander zu koordinieren, die die Transfers vom Flughafen zum Hotel durchführen", fügt Kietreiber hinzu. „Wir versuchen jedoch die Künstler davon zu überzeugen, dass es einfacher zu handhaben ist, wenn sie direkt in einem Hotel in St. Pölten logieren. Abschließend bringt ein Shuttle den Künstler direkt aufs Festival-Gelände und auch wieder retour. Wir haben auch zwei ,Gelände-Fahrer‘, die nur zwischen dem Hotel und dem Festival-Gelände unterwegs sind, weil man nicht genau vorher sagen kann, wann die Künstler zurück ins Hotel gebracht werden wollen", veranschaulicht Fryn die Schwierigkeit, im Vorfeld bereits alles richtig zu timen. Manche Künstler suchen nach dem Gig Ruhe, andere feiern noch weiter auf dem Gelände mit, tauchen ab und an auch bei Gigs befreundeter DJ’s wieder auf der Bühne auf. Der Transport ist jedenfalls eine große logistische Herausforderung.

Eine Liste an Sonderwünschen
Die Anforderungen und Wünsche der Künstler sind im sogenannten ‚rider‘ festgehalten. So findet man im ‚technical rider‘ alles rund um die technische Ausstattung, wie z. B. das benötigte Equipement, Bühnengröße, LED-Wall etc. Im ‚catering rider‘ wiederum steht genau, was welcher Künstler trinken und essen will, ob er beispielsweise Vegetarier ist, ob das Essen ins Hotelzimmer gebracht werden soll und ähnliches. Der Meister der Sonderwünsche ist laut Julita Fryn übrigens Steve Aoki: „Meistens braucht er eine Torte, die er jemandem ins Gesicht schmeißen kann. Einmal musste ,Autoerotique – turn up the volume‘ darauf stehen. Neben Socken und Unterhosen will er außerdem eine Konfetti-Kanone, die er sich umhängen will, sowie ein Schlauchboot, um durch das Publikum zu ,surfen‘! Die Shows entschädigen dafür aber super, denn all diese Dinge verwendet er zur Belustigung des Publikums! Ein anderer Künstler wollte zur Fussball WM 2010 in Österreich ein österreichisches Nationalteamtrikot." Der Anforderungskatalog sagt aber noch lange nicht aus, dass der Künstler dann auch alle Dinge wirklich verwendet: „Oft ist es so", lacht Kietreiber, „dass der Künstler vor Ort gar nicht mehr weiß, was alles in seinem ‚rider‘ steht." Wichtig sei daher, dass man improvisiert, oft tauchen Wünsche erst vor Ort auf. „Wir hatten einmal einen Künstler, der unbedingt ein bestimmtes Bier wollte. Als er angekommen ist, haben wir ihm stolz gesagt, sein Bier sei schon gekühlt. Daraufhin meinte er nur, dass er Bier hasst und noch nie welches getrunken hat", schmunzelt Fryn.

Schleichwege inklusive
Wer hofft, auf einen Künstler zu treffen, der gerade auf dem Weg zur Bühne ist, muss enttäuscht werden. Bereits vor Beginn des Festivals werden die Schleichwege für die Artists akribisch geplant. Auf die Mainstage werden die Künstler sogar per Auto direkt hinter die Bühne gebracht. „Das ‚Artist Care Team‘ kümmert sich ausschließlich um die Künstler. Im besten Fall ist es so, dass jedem Künstler zwei Personen zugewiesen werden, die ihn vor Ort betreuen. Diese sind dann für den Künstler verantwortlich und führen ihn auch zur Bühne", erklärt Kietreiber. Letztendlich müsse man sich beim Artist Care aber ohnedies bewusst sein, „dass immer irgendetwas Unerwartetes geschehen kann", wie Fryn betont. Was auch immer passiert, das Motto lautet stets: Cool bleiben und The Beat Goes On!