MFG – Das Magazin – Der Clou


MFG - Das Magazin
St. Pöltens gute Seite

Der Clou

Text Johannes Reichl
Ausgabe 03/2013

Manchmal trägt dich das Leben in die weite Welt hinaus, um dich – wenn du schon glaubst anderswo für den Rest deines Lebens angekommen zu sein – unerwartet zurück in die Heimat zu führen. Johannes Neulinger und seiner Gattin ist es so ergangen – mit der Eröffnung des „Kultig“ schlagen sie zuhause wieder Wurzeln.

Als wir uns Richtung „Neulingers Kultig“, formerly known as „Koll“ und zuletzt als „Akiwi“ geführt, aufmachen, ist eine gewisse (hohe) Erwartungshaltung nicht zu verleugnen. Immerhin hat Johannes Neulinger ja angekündigt „den Charakter des Lokals erhalten zu wollen“. Und auch wenn dieser zuletzt – elegant formuliert – „urig-morbid“ daherkam, so war er eben doch das, was der Neowirt auch gleich im Namen festgeschrieben hat: Kult! Während vorne die neue Fassade aufgeputzt in die Nacht hinausglänzt und Zeugnis großer Renovierungsarbeiten ablegt, nehmen wir – Tradition ist nun mal Tradition – den Hintereingang und parken im Bereich meines Lieblings-Parkverbotsschildes ein. Das gilt nämlich skurrilerweise exakt nur für den Standort des Schildes selbst, einen Anfang oder Ende-Zusatz sucht man vergeblich. Wir gehen durch den kleinen Hof zwischen kleinem und großem Garten (wobei es der große mit den herrlichen Apfel- und Nussbäumen sein wird, der im Sommer eine Wiederauferstehung als Gastgarten erfahren soll) die paar Stufen ins Lokal, dessen Holztür uns im gewohnten Dunkelgrün begrüßt. Weil es sozusagen am Weg liegt, machen wir auch gleich den ersten wirklichen Stresstest und werfen einen Blick ins Pissoir ...Tatsächlich haben sich schon die ersten Klopoeten mit gewohnt deftigen Sprüchen an der Wand „verewigt“, die etwa den ehemaligen Bundespräsidenten Rudolf Kirchschläger zu zweifelhaften Ehren kommen lassen. Ob sich der Neowirt darüber freut, mag dahingestellt sein, aber, um es frei nach Erich Fried zu formulieren: „Es ist was es ist!“ – und auch in diesem Fall tatsächlich so etwas wie eine Liebeserklärung der vermeintlichen „Vandalen“. Beim Weitergehen werfen wir einen verstohlenen Blick in die komplett neue Küche – die strahlt im neuen Nierostglanz, schließlich – „Augen zu und durch (die Schwingtür)“ – wagen wir den Schritt in den Schankraum. Augen wieder auf und ... Überraschung: Wir sind wieder „zuhause“! Auch hier begrüßt den Gast die altehrwürdige dunkelgrüne Holzverkleidung, die legendären Schilder hängen wieder an ihrem Platz, und dass etwa die Puppe fehlt, ist bestenfalls eine Angelegenheit für „religiöse“ Eiferer. Die Bar ist neu, kleiner, und alles wirkt noch recht aufgeräumt. Das Licht ist einen Tick zu hell, aber das ist schon unangebrachte i-Tüpferlreiterei! Immerhin geht’s ja nicht um eine Kopie ... andererseits doch um einen gelungene „Wiederbelebung“! Selbst der wuchtige eckige Stammtisch steht am Stammplatz und beherbergt an diesem Abend einen bemerkenswerten Gast, als stünde der ad personam für eine Art Gütesiegel nach dem Reinheitsgebot: Leo Koll sitzt dort im Kreise der Familie. Wir machen es uns nach einem kleinen Rundgang im mittleren Raum gemütlich, wo als Novum sofort das Pianino ins Auge sticht. Kein Dekostück, sondern fortan allwöchentlicher „Arbeitsplatz“ von Harry Gansberger, der sich auch an diesem Donnerstag ans Instrument setzt und bezeichnenderweise mit „The Clou“ eröffnet.