MFG – Das Magazin – Stefan Maierhofer: Bei den Wolves statt den SKN-Wölfen


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St. Pöltens gute Seite

Stefan Maierhofer: Bei den Wolves statt den SKN-Wölfen

Text Thomas Schöpf
Ausgabe 10/2009

Stefan Maierhofer hat es geschafft. Er darf den Traum vieler Fußballfans ausleben und in der besten Liga der Welt gegen Manchester United, Chelsea und Co. kicken. Dabei wäre der 27-Jährige einst fast vom SV Langenrohr zum SKN St. Pölten abgebogen. Doch kurz danach kamen die Bayern…

Englische Midlands. Molineux-Stadion inmitten der 230.000-Einwohner Stadt Wolverhampton. Erster Samstag im Oktober. 29.023 Zuschauer (darunter ein „MfGler“) erleben im 1889 erbauten, rappelvollen Stadion den Premier-League-Abstiegskracher Wolverhampton gegen Portsmouth.
Mittendrin im Geschehen, zunächst aber nur auf der Bank, ein 27-jähriger Niederösterreicher: Stefan Maierhofer. Als sich der 2,02m-Hühne bald nach dem Anpfiff erhebt, um sein Aufwärmprogramm zu beginnen, donnert es sofort „The Hoff!“, „The Hoff!“ von den Rängen. Was nicht heißen soll, dass er der alleinige Hoffnungsträger der Wolves ist. „Sie haben mich nach David Hasselhoff benannt. Den lieben sie hier, keine Ahnung warum. Maierhofer ist ihnen zu lang, das können sie nicht aussprechen.“
Mitte der zweiten Hälfte (Portsmouth führt 1:0) rückt „The Hoff“ ein weiteres Mal zum Aufwärmen raus, mittlerweile im strömenden Regen. „Den ganzen Tag hat die Sonne gescheint. Plötzlich gießt es in Kübeln, kurz bevor ich drankomme. Und ich die ‚Gummler’ an!“ Trotz des weichen Schuhwerks liefert er bei seinem Kurzauftritt (ab der 80. Minute) eine starke Leistung ab. Eine Torchance für ihn, geschweige denn der Ausgleich für die Wolves, ist nicht mehr drin. Portsmouth gewinnt. Maierhofer sucht nach dem Match relativ rasch das Weite.
Doch tags darauf passiert das, was man Reporter-Glück nennt. Maierhofer sitzt – weil er vor dem Länderspiel gegen Litauen noch seine Eltern in Gablitz besucht – im gleichen Flieger von Birmingham via München nach Wien. Wie es sich für einen internationalen Fußballer offenbar gehört, in Designer-Klamotten gekleidet und mit einer Brille, deren getönte Scheiben an Puk die Stubenfliege erinnern lassen. Dazu noch die obligaten Kopfhörer beim Reisen. Am Airport München dann die Bitte, ob er denn für ein paar Fragen Zeit hätte. Lässige Antwort: „Na sicher. Setzen wir uns wohin und trinken was miteinander.“ Der stylische Maierhofer entpuppt sich sofort als bodenständig und lässt seinen Aufstieg von der vierten österreichischen Liga in die Premier League, die als beste der Welt gilt, Revue passieren. Einmal hätte sich beinahe die Option ergeben, zum SKN St. Pölten zu wechseln. „Erich Hausmann, mein Trainer im Nachwuchs vom FC Tulln, dem ich unglaublich viel zu verdanken habe, hatte das mal angedacht“. Das ehemalige SKN-Vorstandsmitglied Raphael Landthaler erinnert sich: „Wir wollten eine lange Speerspitze als Ersatz für Christoph Knaller, sind aber gewarnt worden, dass Maierhofer sicher durchdrehen wird, wenn er nur auf der Bank sitzt.“ Deshalb nahm man vom Transfer Abstand. Maierhofer blieb in Langenrohr und wechselte später zu den Amateuren des FC Bayern München. „Hier sind wir gesessen und haben das erste Mal verhandelt“, deutet er am Flughafen auf ein Kaffeehaus. „Eine unglaubliche Geschichte“, staunt er heute noch selbst, „eigentlich hätte ich zum Karlsruher SC zum Probetraining sollen und plötzlich wollten mich die Bayern.“ Mit 37 Einsätzen und 18 Toren für deren Amateure in der Regionalliga Süd (zeitweilig sogar als Kapitän) schnellte die Maierhofer-Aktie in die Höhe. Felix Magath warf den Langen bei den Bayern Profis rein und über die Umwege Greuther Fürth und Koblenz (beides Zweitligisten) landete er bei Rapid. Unfassbare 38 Tore gelangen dem gelernten Koch und Kellner - der bis er 22 Jahre alt war im elterlichen Betrieb in Gablitz gearbeitet hat - in 60 Pflichtspielen für den österreichischen Rekordmeister. „Mir hat keiner was geschenkt“, hält Maierhofer zu Recht mit Stolz fest.
Während der ehemalige SKN-Bomber Knaller (28) nun also für Sollenau in der NÖ-Landesliga stürmt, versucht Maierhofer ein Stammleiberl bei den Wolves zu ergattern. Er ist zuversichtlich: „Mit Trainer Mick McCarthy hatte ich zuletzt ein gutes Gespräch. Er steht auf mich. Ihm gefällt meine Einstellung.“ Die Fußballwelt dort sei eine gänzlich andere. „Das Training ist intensiver und viel abwechslungsreicher als bei Rapid. Wir sind meist den halben Tag beisammen am Trainingsgelände und unternehmen auch sonst viel miteinander. Einmal waren wir Paintball spielen, zuletzt Golfen.“ Mindestens einmal im Monat muss jeder Spieler zum Psychologen. „Mir hat er zuletzt ein Buch über Motivation mitgegeben, das verschlinge ich gerade.“, sagt Maierhofer. Am meisten schwärmt „The Hoff“ aber über die Fans. „In unserem Stadion haben wir immer eine geile Stimmung. Die Anhänger in England sind aber überall fantastisch. In Sunderland haben mich nach dem Spiel sogar Fans vom Gegner um Autogramme gebeten. Und als wir in Manchester gespielt haben und der 19-jährige Fabio da Silva in der 30. Minute Rot gekriegt hat, haben ihm beim Abgang die eigenen Anhänger applaudiert. In Österreich wäre er wohl ausgepfiffen worden. Wien ist halt anders. Da wäre er vielleicht sogar mit Bierbechern beworfen worden.“ Letzteres geht in England prinzipiell nicht, weil auf den Tribünen nichts konsumiert wird. Bei Aufsteiger Wolverhampton werden sogar die Vorhänge der VIP-Logen zugezogen, sobald die Partie angepfiffen wird. Die honorigen Herrschaften können entweder in ihren Boxen sitzen bleiben und via Flatscreen zuschauen, oder auf der Tribüne Platz nehmen.
Dass es für die Wolves um den Klassenerhalt geht, ist für Maierhofer ebenso klar wie dass er das regeln wird. „An den Abstieg denke ich gar nicht. Ich will Wolverhampton zum Klassenerhalt schießen und dann schauen wir, ob nicht vielleicht ein anderer Premier-League-Klub anklopft.“ Und worauf hat er sich nach seinen ersten Wochen in den Midlands am meisten gefreut. „Auf meine Eltern und Freunde und das Schnitzel, das ich bei der Mama bestellt habe.“