MFG – Das Magazin – Sinikka Monte - Am Weg „was zu werden“


MFG - Das Magazin
St. Pöltens gute Seite

Sinikka Monte - Am Weg „was zu werden“

Text Thomas Winkelmüller
Ausgabe 09/2020

Sinikka Monte träumt vom Leben als Popstar. Ob ihr das gelingt, steht noch in den Sternen – versuchen möchte sie ihr Glück auf jeden Fall.

Sinikka Monte ist keine gewöhnliche 18-Jährige. Wenn die St. Pöltnerin morgens aus dem Bett steigt, dann nicht um in die Schule zu gehen. Entweder sie macht sich auf den Weg zu ihrem Job im Fitnessstudio, lernt von zuhause aus für die Prüfungsschule – ihre Mitschüler hätten sie gemobbt oder „zumindest gehänselt“, weswegen sie ihre alte Schule verlassen habe, um in der neuen vor Ort nur noch Schularbeiten und Tests schreiben zu müssen – oder sie fährt wie heute ins Studio nach Wien und nimmt ihre eigene Musik auf.
Monte hat Ende letzten Jahres die Debut-Single „It Ain’t You“ veröffentlicht und ist mit geschickten Marketing-Methoden so für St. Pöltner Verhältnisse zu einer echten Newcomerin im Pop-Underground aufgestiegen. Im Juli 2020 folgte während der Corona-bedingten Auftrittspause die nächste Single „Play Pretend“. Gemeinsam mit zwei Produzenten und ihrer Mutter als Managerin, die sie auch Momager nennt, arbeitet Monte aktuell an ihrer ersten EP. Sechs bis sieben Lieder sollen rauf, das Ganze mit Radioanspruch oder der mehr zeitgemäßen Bemühung damit auf so viele Streaming-Plattformen-Playlists wie möglich zu kommen.

Montes Musik
Um Montes Hals hängen ein Kreuz und eine Wolke. Wer dahinter eine spirituelle Message vermutet, der irrt. Wolken würden fluffig aussehen und das Kreuz finde sie trendy. „Ich habe eigentlich noch nie wirklich darüber nachgedacht, woran ich glaube“, sagt Monte und lacht. An Liebe und Menschen zumindest, darauf kann sie sich spontan festlegen. Tiefgang in existenzielle Fragen bietet Monte auch mit ihrer Musik nicht, aber eingängigen Pop mit nachvollziehbaren Texten über Liebe und Hass. Sie verarbeitet mal eine toxische Beziehung, dann imaginäre Romanzen. Musik, die eine Teenagerin, inspiriert von Justin Bieber, Selena Gomez oder Ariane Grande, naturgemäß machen würde.
Ihr erstes Lied „Paper Hearts“ hat sie mit zwölf Jahren geschrieben und den Text dabei mit verschiedenen Sprüchen aus dem Internet gebastelt. „Darum waren die Lyrics auch ziemlich depressiv für mein Alter“, sagt Monte, „alle haben sich gefragt, warum eine mit zwölf, die nix in ihrem Leben kennt, so etwas schreiben würde.“ Heute noch leiht sie immer wieder Textzeilen von Songs, die sie hört, und ändert die Reime oder tauscht Wörter aus. Ihre Mutter hilft ihr dann beim fehlerfreien Englisch, wobei ihr das alleinige Schreiben mittlerweile schon leichter fallen würde. Gegen Samples, also die Wiederverwendung von Instrumentals aus anderen Musikstücken in ihren Liedern, wehrt sich Monte allerdings. Das bestätigt sie mit dem Hashtag „nosample“ in ihrer Twitter-Bio.
Die eigenen musikalischen Arrangements entstehen deutlich langsamer als ihre Texte. Zuerst schreibt Monte die Akkorde für das Klavier und sucht die passenden Textzeilen heraus. Dann nimmt sie alles nochmal im Studio mit ihren Produzenten Robert und Flo auf. Die beiden kümmern sich mit Montes Anregungen und Vorschlägen weiter um die zeitgemäße, musikalische Untermalung. Kurz gesagt machen sie aus Montes Idee mit dem gemeinsam technischen Know-how das Lied, wie es später auf YouTube oder Spotify landet. „Ich bin Perfektionistin und deswegen brauchen die beiden mit mir da starke Nerven“, sagt Monte. Sie möchte viele Harmonien und Adlibs, also alles, was mit der Stimme gemacht wird, aber nicht direkt zum Text gehört. Beim Mastering und Mixing achtet sie bei den einzelnen Musikspuren penibel auf ihre klanglichen Vorlieben.

Karriere-Stopps
Bevor sie zu ihren heutigen Produzenten wechselte, hat sie die erste Single mit Ex-Alice-Cooper-Schlagzeuger David Piribauer produziert. Er habe Monte entdeckt, nachdem sie bei der zweiten Runde von der österreichischen Talentshow „The Voice“ ausgeschieden war. Weil sie mit 16 für die Jury damals zu jung gewesen sei, sagt Monte. Piribauer habe in ihr aber mehr gesehen und sie zu sich in sein Studio nach Pinkafeld eingeladen, um „It Ain’t You“ aufzunehmen. „Musikalisch hat es nach der Single aber einfach nicht mehr so gut gepasst“, sagt Monte, „und mein Budget war auf Dauer deutlich zu klein für ihn.“
Außerdem hat Monte den „Joe Zawinul Award“ – benannt nach dem verstorbenen Jazz-Musiker Joe Zawinul – gewonnen. Ein Preis, den die „Joe Zawinul Foundation for Achievement“, die Musikschule in Gumpoldskirchen und das Musikschulmanagement Niederösterreich jährlich an Musikschülerinnen und Musikschüler im Land gemeinsam vergeben. Monte konnte so für zwei Wochen nach Los Angeles reisen, die Hälfte der Zeit im Los Angeles College of Music (LACM) verbringen und die andere bei einer Gesangslehrerin und Tony Zawinul, dem ältesten Sohn von Joe Zawinul. „Ich habe dort zum Beispiel meine Songs dem Manager von Katy Perry und einer Songwriterin vorgespielt und sie haben die dann bewertet“, sagt Monte. Man höre, dass ihre Muttersprache nicht Englisch sei, aber ihr würde eine erfolgreiche Zukunft bevorstehen. „Aus dir wird mal was, haben sie gesagt, aber das sagen viele, ganz so einfach ist es dann irgendwie doch nicht.“
Kommenden Herbst geht Sinikka den nächsten Schritt auf dem langen Weg „was zu werden“. „Deadlocked“ soll ihre dritte Single heißen und gemeinsam mit einem außergewöhnlichen Video kommen. Mehr verraten möchte sie einstweilen aber noch nicht. Das Lied ist eines von einem halben Dutzend auf ihrer Debut-EP, die sie voraussichtlich im Oktober veröffentlichen möchte. Ob sie mit ihrem neuen Projekt über sich hinauswachsen wird, bleibt noch offen – die nächsten Monate werden es zeigen!