MFG – Das Magazin – Soundtrack des Lebens


MFG - Das Magazin
St. Pöltens gute Seite

Soundtrack des Lebens

Text Thomas Fröhlich
Ausgabe 03/2021

Kennen Sie John Barry? Nun ja, wahrscheinlich nicht persönlich – aber wenn Sie auch nur einen Hauch an Interesse für Kino und Film hegen, ist Ihnen dieser Mann zumindest von seinen Klängen her bekannt. Er stattete nicht nur die Bond-Klassiker mit Sean Connery aus, sondern versorgte die komplette britische Film- und auch Serienindustrie der 1960ies von Underground bis Kommerz mit seinen musikalisch swingenden Einfällen. Er lieferte auch in den folgenden Jahren ins Ohr gehende, angenehm unprätentiöse Filmmusik ab. Der Schreiber dieser Zeilen entdeckte Barrys musikalischen Schatz in seiner Teenagerzeit; und bis heute gilt ihm dessen Schaffen gleichsam als Soundtrack seines Lebens: Da waren Verheißungen von Glamour, Abenteuer und weltoffener Weitgereistheit ebenso drin wie ein gerüttelt Maß an Melancholie (die auch jenen Filmen eine Tiefe verlieh, die diese vom Script her ursprünglich gar nicht aufzuweisen hatten). Nun ist das mit den Verheißungen so eine Sache. Auch Ihr Schreiber musste letztendlich eins akzeptieren: Nicht alles geht in Erfüllung – ein paar gute Konzerte, das eine oder andere klasse Filmfestival, mit Freunden heldenhaft durchzechte Nächte und einige Monate auf dem nepalesischen Hippietrail (und das um Jahre zu spät) müssen’s auch tun. Und irgendwann, nach ein paar Jahrzehnten Leben, erkennt man, dass besagte Melancholie nicht die Würze, sondern die eigentliche Verheißung war. Denn auch das von Louis Armstrong interpretierte „We have all the time in the world“ ist letztendlich ein Abschiedslied. Nur eben eins der schönsten.