MFG – Das Magazin – ST. PÖLTNER LOKALE RELOADED


MFG - Das Magazin
St. Pöltens gute Seite

ST. PÖLTNER LOKALE RELOADED

Text Anne-Sophie Müllner
Ausgabe 09/2015

Zahlreiche neue Cafés und Bars bereichern aktuell die St. Pöltner Lokalszene und laden zum Speisen, Trinken, Tanzen und Verweilen ein. MFG begab sich auf Lokalaugenschein ins Wellenstein, Monrose, Vinzenz Pauli und MacLaren‘s.

Wellenstein – Mehr als nur ein Kaffeehaus
Als Gräfin Sybilla Franziska von Wellenstein 1761 im von ihr 40 Jahre zuvor erbauten Barockpalais in der St. Pöltner Wienerstraße starb, führte Österreichs Erzherzogin Maria Theresia gerade den Siebenjährigen Krieg. Die wechselvolle Geschichte dieses frisch renovierten Innenstadt-Palais spürt man, wenn man im „Wellenstein“ sitzt und die Atmosphäre des Lokals auf sich wirken lässt. „Nach erfolgreichen Jahren im Kulturbeisl Egon suchte ich eine neue Herausforderung. Ich wollte weg vom Nachtgeschäft und mit fast 50 Jahren war mir klar, dass ich wohl nicht mehr die Branche wechseln und somit der Gastronomie treu bleiben würde“, schildert Wellenstein-Chef Tezcan Soylu seinen räumlich gesehen relativ kurzen Weg von der Fuhrmannsgasse (wo er das Egon betrieben hatte) in die Wienerstraße. „Anfangs gab es kein fertiges Konzept. Ich kam in das Gebäude und nach und nach ist mir eingefallen, was hier reinpasst: ein Kaffeehaus. Die unterschiedlichen Erfahrungen von anderen Lokalen und natürlich auch die Vorstellung davon, was in St. Pölten noch fehlen könnte, haben dann zum Gesamtkonzept für das Wellenstein geführt“, erzählt Soylu.
Ein klassisches Kaffeehaus war nie sein Ziel, wer Würstel und Toast bestellt, lässt sich hier das Besondere entgehen. Der gelungene Spagat zwischen Tages- und Abendbetrieb, als Lokal mit Kaffeehausatmosphäre, dazu eine durchgehend geöffnete Küche, die sich einer jungen und trendigen Linie verpflichtet fühlt: türkisch-orientalisch angehaucht (auch der Chef inspiriert sich gern am Naschmarkt), ganz bewusst gesund. „Wir werden in Zukunft das Angebot erweitern: vegetarisch und vegan, aber auch unter Rücksichtnahme auf die Tatsache, dass immer mehr Menschen beim Gastronomiebesuch auf Unverträglichkeiten Rücksicht nehmen“, so Soylu.
Räumlich erweitert sich der in den letzten Jahren erblühte Herrenplatz gen Osten. Schließt das Wellenstein um Mitternacht, wandern Nachtschwärmer weiter ins vis-à-vis gelegene Vino oder ein paar Schritte die Wienerstraße entlang in Otto Schwarz’ Narrnkastl oder die Tennessee-Bar von Valentin Kopatz. Neuvermietungen, frische Auslagen – die Wiener Straße entwickelt sich. Und auch im Palais Wellenstein geht noch was. Ein Gastronomiebetrieb an der Nordseite, direkt am Domplatz gelegen, soll Ende 2015 folgen, ein Betreiber wird noch gesucht. Einen Betreiber-Doppelpack schließt Soylu aber lächelnd aus: „Ein Lokal ist mir Arbeit genug. Und ich hoffe, dass das Wellenstein mein letztes Lokal ist, bevor ich irgendwann in Pension gehe.“ Auch die zahlreichen Live-Events, die er früher veranstaltet hatte, stehen im Wellenstein nicht am Plan: „Hart gesagt habe ich die Schnauze voll vom ewigen Streit um gerechte Fördermittel, das geht mir also nicht ab. Und es gibt so viele Angebote, die Leute sind mittlerweile absolut gesättigt.“