MFG – Das Magazin – Kultur


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St. Pöltens gute Seite

Kultur & Krise

Text Dietmar "Hasi" Haslinger
Ausgabe 12/2008

Die sogenannte „Wirtschaftskrise”, die man ja durchaus auch als „Reinigung” bezeichnen könnte, beginnt uns gerade voll zu erreichen. Was bedeutet das für die Kultur? In etwa das, was Jens Jessen dazu zu sagen hat. „Mag sein, dass die Krise dem einen oder anderen Kulturprojekt den Garaus machen wird. Mag sein, dass namentlich den sogenannten Events, die dazu dienten, das Markenemblem eines Sponsors zu illuminieren, der finanzielle Zustrom ausgeht. Werbegelder, die den Umweg über die Kultur suchten, könnten knapp werden.
Aber die Kultur selbst, die Künste und Wissenschaften im engeren Sinne werden von der Krise profitieren. Sie stehen auf einmal, von den Zudringlichkeiten der Ökonomie befreit, in ihrer ursprünglichen Hoheit da und müssen es nicht mehr leiden, dass die häppchenverschmierten Finger der Partygäste aus der Wirtschaft ihren nackten Leib beflecken. Erkenntnis und Schönheit unterliegen nicht dem Gesetz von Angebot und Nachfrage. Eine Wahrheit bleibt wahr, auch wenn sie zur Handelsware nicht taugt oder sogar außer Verkehr gerät. So hat sich das Blatt gewendet: Nicht die Kunst muss von der Wirtschaft, sondern die Wirtschaft von der Kunst lernen.”
Der ZEIT-Feuilleton-Chef spricht mir voll aus der Seele! Ich bin zuversichtlich, dass die Menschen sich wieder auf die wesentlichen Dinge im Leben besinnen werden, unleistbare Autos, Club-„Urlaube”, Plasmabildschirme und anderen elektronischen Müll als Verführer der Belanglosigkeit enttarnen und Literatur, Kleinkunst und den Kaffeehausbesuch wiederentdecken.