MFG - Das Magazin
St. Pöltens gute Seite

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Guter Rat

Text Tina Reichl Ausgabe 12/2008

Irgendwann zwischen dem ersten „Last Christmas“ und einem Bummel am Wiener Graben muss es passiert sein: Das jährliche Adventfieber hat mich voll erwischt. Ich finde mich an einem Samstagabend in der Küche (!) wieder, steche Lebkuchensterne aus und rieche zum Anbeißen!
Nur - womit streicht man den Teig ein, damit er schön glänzt? Ich starte einen Rundruf. Da wär mal Babsi, die ich kontaktiere, wenn ich moralischen Rückhalt brauche! „Keine Ahnung, aber du schaffst das ganz sicher!“, kommt prompt die Antwort. Ich probiers bei Fiona, die ich anrufe, wenn ich garantiert keine Moral brauche! „Baby, bist du verrückt, es ist Samstag, lass uns fortgehn. Ach übrigens, mach ein paar Kekse in Penisform für mich mit!“ „Na klar, Fiona!“, verdrehe ich die Augen wie eine Stummfilmschauspielerin theatralisch nach oben. Jetzt hilft alles nichts! Meine Mutter muss her: „Du, du backst? So richtig mit selbstgemachtem Teig?“, gluckst sie lachend ins Telefon. „Mama! Den gibt’s doch schon fertig zu kaufen!“ „Ach so, also streich ihn mit Milch ein, dann bekommt er diese schöne, glänzende Haut!“ „Danke! Geht das auch fürs Gesicht?“ Inzwischen summt mir ein sms aufs Display: „Muss an dich denken! Treffen wir uns mal?“
Verdammt! Das sms ist nicht von meinem aktuellen Freund! Was mach ich nun? Ich würd gern, und auch nicht! Jetzt ist guter Rat teuer, mein Bauch kribbelt, mein Herz pocht, alle Sterne tanzen um meinen Kopf herum, bis mir schwindelt! Von alleine suchen meine Finger die Kurzwahltaste von… natürlich Fiona! Denn für den passenden Rat braucht man die richtige Person!