MFG - Das Magazin
St. Pöltens gute Seite

Zankapfel Kopalkaserne - Eine unendliche Geschichte?

Text Eva Seidl
Ausgabe 09/2007

Das Gelände der Kopalkaserne in St. Pölten-Spratzern (Mariazeller Straße 180) soll an den Mann gebracht werden und das natürlich möglichst lukrativ. Die Ausschreibung läuft bereits seit Monaten, Interessenten soll es geben. Jedoch wird das Objekt immer mehr zum Streitfall der Kommunalpolitik, die Meinungsverschiedenheiten werden stets größer.

Zuständig für den Verkauf des Geländes ist die SIVBEG (Strategische Immobilien Verwertungs-, Beratungs- und Entwicklungsgesellschaft mbH). Deren Sprecher Bernd Eichinger sieht das Objekt nicht als „Ladenhüter“ und gibt sich optimistisch: „Der Verkauf scheitert nicht. Es gibt laufend Verhandlungen, wir werden deshalb sicher nicht nervös.“ Eichinger weiß, dass Immobiliengeschäfte in dieser Größenordnung immer lange dauern, außerdem „ist es eine komplizierte Liegenschaft, wie alle anderen militärischen Liegenschaften auch“. Dazu kämen noch die Faktoren Denkmalschutz und Kontaminierung. Laut Ausschreibung gibt es mehrere Verdachtsflächen auf dem Gelände, wo in den Jahren 1963 bis 1973 Baurestmassen abgelagert worden sein sollen. Eine davon ist laut Ausschreibungstext „nicht für eine Bebauung“ vorgesehen, das dürfte die Bauplanung des Geländes weiter erschweren. Auch Bürgermeister Matthias Stadler ortet die Problematik beim Verkauf beim gewünschten Verkaufspreis für die Liegenschaft: „Die von der Finanzprokuratur vorgegebenen Preise sind unrealistisch. Darauf habe ich bei den Gesprächen aufmerksam gemacht – und wurde von der VP St. Pölten als Verhinderer dargestellt.“ Die VP habe der Bevölkerung Investoren – wie IKEA – aufgetischt und stattdessen „eine Reihe von Arbeitsplätzen voreilig vernichtet und Zulieferern in Stadt und Bezirk die Existenz entzogen“.
St. Pölten wird Schilda?
VP-Stadtrat Bernhard Wurzer schlug indes zuletzt vor, das sich die Stadt mit einem Investor zusammentun und sich an dieser Gesellschaft beteiligen solle, um Einfluss auf die Verwertung des Geländes zu haben. „Es ist ein Problem, für so ein großes Grundstück einen Investor zu finden, dabei geht es um irre Geldbeträge“, erklärt Wurzer. Aus seiner Sicht wäre es einfacher, das Grundstück zu verkaufen, wenn es vorher aufgeschlossen und parzelliert würde und die Infrastruktur bereits angepasst wäre. Wurzer betont vor allem, „dass wir dort keine Handelsbetriebe wollen“. Die Stadt habe bereits zu viele Handelsflächen. „Über kurz oder lang haben wir in der Stadt Ruinen, Fachmarktzentren oder ähnliche Betriebe ziehen nur noch um, da finden nur mehr Verlagerungen statt.“
Mit diesem VP-Vorschlag kann wiederum Bürgermeister Stadler gar nichts anfangen. „Das ist ein Schildbürgerstreich hoch drei. Einerseits spricht die VP regelmäßig von Professionalität und mehr Privat – und dann soll doch wieder alles die Stadt machen?“ Stadler gibt sich überrascht: „Weiß Kollege Wurzer nicht, dass es längst ein Interessentenkonsortium für das Kasernen-Areal gibt?“ Dies bestätigte auch Bernd Eichinger von der SIVBEG, der laut eigenen Angaben mit mehreren Interessenten verhandelt. Laut Stadler wartet man nur noch auf das von der SIVBEG relativierte Preispaket.
Die Diskussionen über die bestmögliche Verwertung dauern nun schon seit Oktober 2006 an (siehe MFG 10/06). Damals wünschte sich Stadler „attraktive Betriebe und vor allem eine rasche Verwertung“. Zumindest die rasche Verwertung dürfte wohl ein frommer Wunsch bleiben. Die Stadt selbst hat nur Interesse an den 140 Hektar beim Garnisonsübungsplatz Völtendorf deponiert. Dazu Stadler: „Diese Jahrhundertchance zum Erhalt und Ausbau der ‚Grünen Lunge‘ muss genützt werden. Nicht nur der Norden der Stadt soll von dem wunderbaren Naherholungsgebiet Seenerlebnis profitieren, sondern im Sinne einer weitblickenden Stadtplanung soll auch der Süden ein attraktives, weiträumiges Erholungsgebiet erhalten.“
Handel oder Gewerbe?
Für das zu verbauende Kasernen-Gelände hat Stadler ebenfalls einen Wunsch: „Selbstverständlich wollen wir dort möglichst zukunftsorientierte Branchen, mit einer möglichst langen Arbeitsplatzgarantie.“ Wurzer wünscht sich für das Gelände vor allem arbeitsplatzintensive Handwerksbetriebe. Dafür sei der Preis jedoch definitiv zu teuer, „man muss mit dem Preis runter, wenn man mit Melk oder Böheimkirchen konkurrieren will.“ Handwerk und Gewerbe seien personalintensiv. „Die Sozialdemokratie hat sicher kein Interesse daran, McJobs zu fördern, auch wenn sich viele sicher einen IKEA in St. Pölten wünschen würden.“
Bei der SIVBEG wird besonders betont, dass der Bürgermeister über das Instrument Flächenwidmung in der Hand habe, was dort gebaut werde. Dazu Eichinger: „Er hat die zentrale Rolle bei militärischen Liegenschaften, die können nur genau das bauen, was der Bürgermeister haben will.“ Es gäbe Widmungsentwürfe, leichter wäre der Verkauf jedoch, wenn es bereits eine aufrechte Widmung gäbe. „Der Investor trägt das Risiko“, erklärt Eichinger. Bürgermeister Stadler schmettert ab: „Die Hausaufgaben von behördlicher Seite des Magistrats sind erfüllt worden, inklusive Widmungsvorschlägen im gesetzlichen Rahmen, die je nach Verkauf und Bedarf auf den jeweiligen Nutzer abgestimmt sind. Daran darf ich erinnern, so wurde es abgestimmt.“
Nicht förderlich
Auch das kommunalpolitische Hick-Hack sei „nicht förderlich für den Verkauf“, erklärt Eichinger. „Je seriöser das alles vonstatten geht, desto sicherer fühlen sich die Investoren.“ Die Kopalkaserne sei hier eine hervorragende Case-Study. „Es gibt die verschiedensten Einflüsse, in diesem Spannungsfeld muss ein professioneller Verkauf vollkommen emotionslos abgewickelt werden.» In erster Linie ginge es auch darum, die notwendige Geduld zu haben.
Der weitere Ablauf ist für Eichinger klar: „Alle potentiellen Käufer werden eingeladen, zu verhandeln, daneben läuft eine Evaluierung des Verkaufsprozesses.“ Es gäbe auch Gespräche mit dem Bürgermeister, es werde über die Verkaufsmodalitäten nachgedacht. Laut Eichinger wird mit mehreren Bietern verhandelt. Gerüchte, wonach auch Didi Mateschitz und sein Red Bull-Konzern am Gelände interessiert seien, werden von der Red Bull Presseabteilung dementiert. Sorgen macht sich Eichinger nicht: „Wir gehen völlig gelassen und weitestgehend emotionslos an die Sache heran. Erst, wenn das Gelände in zwei Jahren noch immer nicht verkauft ist, sollten wir uns darüber den Kopf zerbrechen.“ Für Diskussionsstoff dürfte also noch einige Zeit gesorgt sein.