MFG - Das Magazin
St. Pöltens gute Seite

Frei.Raum - quo vadis?

Text Eva Seidl
Ausgabe 05/2007

St. Pöltens Jugend tanzt. Neben den privat geführten Lokalen lockt auch der von der Stadt betriebene frei.raum mit seinen Veranstaltungen unterschiedlichster Musikrichtungen zusehends Jugendliche an. Aber war da nicht noch etwas? Gab es da nicht noch andere Pläne für das Großprojekt Jugendkulturhalle? Eine Bestandsaufnahme.

„Die Errichtung einer Plattform und die Schaffung einer geeigneten Infrastruktur für Künstler und ihr Publikum in St. Pölten – das ist die Idee hinter der Jugend- und Kulturhalle St. Pölten.“ So sprach einst Stadtrat Prof. Dr. Siegfried Nasko (St. Pölten konkret 10/2001) über das Projekt Jugendkulturhalle und präzisierte „Eine regelrechte St. Pöltner Kreativwerkstatt wird dort für Musiker, Filmer, Bildende Künstler, Schriftsteller, Schauspieler etc. entstehen. Sie sollen die Möglichkeit haben, vor Ort aufzutreten. Es wird aber auch Raum für Workshops, Projekte, Weiterbildungsangebote, Proberäume etc. geben, kurzum künstlerische Infrastruktur.“ Dies war auch – nachdem das Projekt verschleppt wurde – drei Jahre später noch immer die Grundforderung der Jugend, auch wenn sich bereits eine Jugendkulturhalle light abzeichnete. So forderte Peter Felbermayer im City Flyer «Proberäume, Nutzungsflächen für junge Künstler und ein Treffpunkt für Jugendliche sind unverzichtbar» (City Flyer 06/2004), ein Ansinnen, welches der designierte „Schlachthof-Leiter“ (so der damalige Arbeitstitel) Wolfgang Matzl ebenso zu erfüllen versprach wie die Abstimmung mit den Privatbetreibern, um Konkurrenz zu verhindern. „Ein erweitertes Team soll eine breite Palette an Veranstaltungen in die JKH [Jugendkulturhalle] locken. Von Theateraufführungen über Schachturniere bis hin zu Podiumsdiskussionen. In Sachen Konzerte und Partys will man sich mit den beiden anderen großen Locations absprechen.“ Matthias Stadler, damals noch als Nasko-Nachfolger Kulturstadtrat, betonte, dass die Musik nur einen von mehreren Teilbereichen darstellen sollte, „multikulturell“ war die Zielvorgabe für das Projekt. Weiters versprach er, dass «das Jugendzentrum zu keiner Konkurrenzierung bestehender Häuser» führen werde. (St. Pölten Konkret 07/2004).
Der Bedarf nach einer Veranstaltungshalle ebenso wie nach besagter Infrastruktur wurde auch von der betroffenen Jugend immer wieder bestätigt und auch vehement, nicht zuletzt mit einer Demo am Rathausplatz,  eingefordert.
Aus diesem „Projekt“ entstand letztlich für eine Jugend, die mit jener aus der Zeit der Anfangskonzepte Ende der 90’er nicht mehr ident war, für eine Realtität, welche ebenfalls neue Bedingungen geschaffen hatte, der frei.raum, der in seiner jetzigen Form jedoch nur einen Teil der damals für das Projekt ins Auge gefassten Infrastruktur anbietet. Während in der realisierten Veranstaltungshalle Musikveranstaltungen unterschiedlichster Richtungen stattfinden, wurden die geplanten Kreativräume für Workshops bzw. Proberäume für St. Pöltner Bands nie verwirklicht.
Freiraum im Frei.Raum
In der Kulturverwaltung der Stadt, unter deren Zuständigkeit auch der frei.raum fällt, sieht man das nicht so eng. Die Option, die noch nicht genutzten Räumlichkeiten des ehemaligen Schlachthofes für diese Zwecke zu nutzen, besteht noch, erklärt Kulturverwaltungschef Thomas Karl. „Leider hat sich aber gezeigt, dass hierfür aufgrund der schlechten Bausubstanz erhebliche Investitionen notwendig sind, die die wirtschaftliche Sinnhaftigkeit des Projekts in Frage stellen.“ Es werde jedoch nach kostengünstigen Umbauvarianten gesucht, „um zumindest einen Teil des Gebäudes nutzbar zu machen.“
Dies bestätigt auch Wolfgang Matzl, der als Jugendkoordinator direkt für den frei.raum zuständig ist. Dass sich der frei.raum von seinem ursprünglichen Ziel entfernt hat, will er nicht bestätigen: „Der frei.raum bewegt sich genau auf der ursprünglich geplanten Schiene. Er bereichert das Angebot in St. Pölten, er fördert Jugend- und Subkultur, er ermöglicht jungen Veranstaltern, Erfahrungen zu sammeln. Genau das war geplant.“
Musikveranstaltungen finden inzwischen auch in anderen Lokalen St. Pöltens statt, die – wenn überhaupt – weit weniger Förderung durch die Stadt erhalten. Obwohl der frei.raum von den Lokalbetreibern nicht als Konkurrenz betrachtet wird, ergibt sich eine etwas schiefe Optik, da kaum kontrolliert wird, ob der frei.raum seinem Förderauftrag nachkommt.
Christian „Mecki“ Dörr, der für das Programm im Freiraum verantwortlich ist, erklärt: „Wir arbeiten autonom, vorgegeben ist nur das Augenmerk auf Nachwuchskünstler.“ Gesetzliche Regelungen oder ein Leitbild gebe es nicht. Da das Publikum das frei.raum-Programm annehme, seien auch keine Veränderungen geplant.
Mainstream oder Herzblut?
Auf Seiten der Lokalbetreiber ist man sich ebenfalls einig, dass Jugendkultur dringend förderbedürftig ist. „Bands, die sonst keine Möglichkeit haben, aufzutreten, sollten auf jeden Fall unterstützt werden“, meint Marco Fuxsteiner, Betreiber des Batcave. Er sei damit zufrieden sich als privater Betreiber an „keinerlei Vorgaben außer die gesetzlichen halten zu müssen.
Christian Lakatos vom Klub Vorsicht präzisiert: „Was an der Grenze zum Mainstream ist, muss nicht gefördert werden, weil es ohnehin erfolgreich ist. Aber es gibt so viele Projekte, in die jemand Herzblut reinsteckt, die aber wirtschaftlich nicht so erfolgreich sind.“ Über die Verteilung der Subventionen gehen die Meinungen dann doch etwas auseinander. Dazu Lakatos: «Natürlich würde sich jeder Subventionen wünschen, in diesem Sinne wäre es natürlich fairer, nicht einem soviel zuzustecken, sondern das Geld auf mehrere Locations aufzuteilen.“
Teczan Soylu (EGON) spricht sich für eine bedarfsorientierte Kontrolle aus: „Es muss ein Kontrollorgan geben, blind Geld hergeben und nicht schauen, was damit passiert, ist falsch.“ Es sei wichtig, dass Förderungen «zweckgebunden für den bestmöglichen Nutzen» verwendet werden und das müsse auch kontrolliert werden.
Diese Ansicht teilt auch Michael Müllner, Vereinsobmann des Warehouse. „Als öffentliche Einrichtung sollte man versuchen, ein Leitbild zu erarbeiten. Was man fördern will, muss transparent sein.“ Speziell für die Veranstalter sollte es Richtlinien geben, damit diese wissen, was getan werden muss, um eine Förderung zu erhalten. „Wenn es keine Transparenz gibt, sollte man gar nicht fördern, dann gäbe es faire Bedingungen für alle.“ Der frei.raum mache natürlich Sinn und sei eine Bereicherung für die Jugendszene, aber „wenn beachtliche Summen in eine Institution fließen, sollte klar sein, warum diese Institution das bekommt.“
Zwischen Warehouse und frei.raum treten trotz des Nischenprogramms des frei.raums Programmüberschneidungen auf, womit es „natürlich zu einer Konkurrenzsituation kommt.“ Konkurrenz entstehe aber nicht nur bei der Frage, wohin die Besucher am Abend gehen, sondern auch in der Frage, zu welchen Mietkonditionen man Fremdveranstaltungen zulässt oder Künstler bucht. Müllner: „Natürlich kann sich eine durch die öffentliche Hand vollständig ausfinanzierte Location spendabler zeigen, als ein privat finanziertes Warehouse.“ Ein weiteres Missverständnis sei die Annahme, dass das Warehouse nur für große Events konzipiert ist: „Nur mit den großen Events würde das Warehouse nicht überleben, für uns sind Partys mit 100 bis 200 Leuten das Kerngeschäft. Damit spielen wir in einer Liga mit dem Freiraum.“
Hard work?
Besonders die Hard Sessions und die Metal-Events im frei.raum gewinnen stetig an Beliebtheit, erzählt Christian Dörr. „Da gerade die Metal-Szene sehr klein ist, kommen sogar Leute aus Wien.“ Das breit gefächerte Programm mit Hip Hop, Emo, Screamo, Hardcore, Metal, Drum & Bass, Techno werde vom Publikum gut angenommen. Spezielle Wünsche, die noch nicht erfüllt werden (können), gäbe es nur von wenigen einzelnen. Im Seminarbereich plane man im Herbst etwas Neues: „Wir machen ein Seminar, das jungen Musikern Starthilfe im Business geben soll.“ Dabei wird vermittelt, wie das Musikgeschäft läuft, wie man Verträge abschließt, wie eine CD produziert wird.
Kreativveranstaltungen außerhalb der Musik sind momentan keine geplant.