MFG - Das Magazin
St. Pöltens gute Seite

Unterbelichtet

Text Christoph Wagner
Ausgabe 06/2006
Eben heimgependelt, steht man Montag Nacht am Bahnhof und hat Hunger. Zwei klassische Kriseninterventionsstellen (Kuckucksnest, Koll) haben Ruhetag, Chinesisches oder Italienisches muss es zur Abwechslung nicht sein und Fast Food ist politisch unkorrekt, zumindest amerikanisches. Also schlurft man zur alpinen Mac-Variante und trägt ein Emmentalersemmerl, große Pommes und Erdäpfelsalat den breiten Weg nachhause. 10 Minuten später liegt das Menü lauwarm am Tisch. Das Bier steht genau so in der Küche, also muss der Pinot Blanc herhalten, auch wenn er zum Spülen des Frittierten deutlich zu fruchtig ist. Jetzt noch den Fernseher einschalten und mit einem sinnfreien Programm abschalten. Nette Wüstenbilder aus Kenia stoppen die Arbeit des Daumens auf der Fernbedienung. Es wird weniger nett, als Haut und Knochen ins Bild rücken: Nomaden, die seit einem Jahr keinen Regentropfen gesehen haben. Was einmal ihr Vieh war, liegt zerknittert im heißen Sand. Langsam beginnen die Menschen zu sterben. Wer noch kann, macht sich 30km auf den Weg und kehrt zwei Tage später mit 2kg Mehl zurück. 20 Liter lauwarmes Wasser aus dem Kanister reichen für fünf Menschen – zwei Tage lang.
Der Daumen arbeitet wieder. Deprimierend, das Internet für Arme (Teletext) zeigt dramatische Einbrüche an den Börsen. Der ATX ist plötzlich ein paar Milliarden weniger wert. Da liegt der Käse schwer im Magen, schließlich ist man auch ein wenig investiert.
Übrigens: Mit 15€ sichert die Caritas das Überleben einer Nomadenfamilie – einen Monat lang. P.S.K. 7.700.004, BLZ.: 60.000; Kennwort: Hungersnot in Ostafrika.