MFG - Das Magazin
St. Pöltens gute Seite

Unterbelichtet

Text Christoph Wagner
Ausgabe 05/2006
Bitte, das kann nicht sein! Nicht im geriatrischen Pölten. Nicht beim Leopold K., der sich seit 2000 Jahren jeder Veränderung verweigert. Abgesehen vom lebensgroßen Sparefroh, der sich irgendwann unbemerkt abgehängt, auf seinen Gummifüßen davongeschlichen und einen weißen Umriss als Andenken hinterlassen hat. Ah ja, und das Herrnpissoire wird alle 100 Jahre neu gestrichen. Die Sprüche an der Wand bleiben trotzdem immer die gleichen. Also, dieser Fels in der modischen Brandung beherbergt alle heiligen Zeiten den „Seniorenfloor“. Seltsamer Weise wird bei diesen Retrotanzabenden die Zielgruppe der Jungpensis (Jahrgänge 80-) regelmäßig von 10 000 Föten weggespült. Die Durchmessung der 15 Meter vom Hintereingang bis zur Tanzfläche dauert so lange wie Ben Hur, und könnte man in dem Gewusel Krüge als Wegzehrung bestellen, deren 25 wären leicht getrunken und wieder rausgeschwitzt. Dabei sind statt Schritten eh nur nachdrückliche Gewichtsverlagerungen möglich, um ans Ziel zu wogen. Was kann nicht sein? Vergessen und wurscht, weil: Stimung! So wie auch jedes Wochenende im Cinema P. Und besonders super wird es sein, wenn die Lahau bei ihrem Fest 2006 diesen Föten und Jungpensis auch mal auf der Hauptbühne was bieten wird. Ich rechne fest mit einem alternativen Hauptact der Marke Eh-schon-mehr-Stars-als-Geheimtipp, wo uns dann alle rundherum so richtig beneiden. Mein Tipp: Flaming Lips. Und ein Heimspiel von Bauchklang ist so wie so Pflicht. Gerade zum Jubiläum wird die Stadt wohl ihre Söhne stolz herzeigen wollen. Wie bitte? Nazareth? Nein, das kann nicht sein…