MFG - Das Magazin
St. Pöltens gute Seite

Endlich urban?

Text Herbert „Hebi“ Binder
Ausgabe 09/2011

Es hat uns schon geschmerzt, als die Wiener Leitartikler vor einer drohenden „Verniederösterreicherung“ der Alpenrepublik warnten. In ihren Augen einem Absturz in die absolute Provinzialität. Und nun steht St. Pölten nach dem Urteil von Politologen mit den Entwicklungen im Bahnbereich eine Eingliederung in den Wiener „Speckgürtel“  bevor. Ob das wirklich so gut ist? Werden jetzt Wiener zu Begierde-St. Pöltnern? St. Pöltner etwa zu Großenzersdorfern? Nur 25 Minuten wird man ab bald von A nach B brauchen. Aber was macht ein Traisentaler beim neuen Wiener Hauptbahnhof am Margaretengürtel, wo er sich doch in der Mariahilfer Straße eh geborgen fühlt? Werden demnächst Kampfradfahrer rund um die Promenade rasen wie derzeit am Wiener Ring? Wird sich unsere bäuerliche Heurigenqualität wandeln in Richtung fetter, warmer Buffets und Kellnerinnen, die zwischen Veltliner und Riesling nicht unterscheiden? Werden wir jetzt zusätzlich zu den „Englischen“ noch ein Sacré-Coeur und Ursulinen aufmachen müssen, um, wie in Wien, den höheren Töchtern sozialdemokratischer Kreise ein standesgemäßes Milieu bieten zu können? Wird die zuständige Abteilung – nachdem die Kulturachse zwischen Krems und Radlbrunn inzwischen nun doch investitionsmäßig einigermaßen gesättigt erscheint – wird sie jetzt vielleicht doch die eine oder andere universitäre Einrichtung für die Landeshauptstadt zulassen?
Manches würden wir aber wohl doch nicht so gut zustande bringen wie unsere Wiener Freunde: Eine U-Bahn-Linie (selbst wenn wir eine hätten) haarscharf am neuen Hauptbahnhof vorbei zu planen. Oder gar unseren Bürgermeister so zu stylen, dass er einem Fiakerkutscher wie aus dem Gesicht gerissen ausschaut …