MFG - Das Magazin
St. Pöltens gute Seite

Relax

Text Tina Reichl
Ausgabe 03/2012

Ich liege im XL Bademantel (Einheitsgröße in Wellnesshotels) im „Fühl-dich-wohl“ Ruheraum, klappe die Liege nach hinten und mein Buch auf. „Ah!“ Leicht benebelt von den Schwefeldämpfen, der Unterwassermusik und all den Massagedüsen im Whirlpool fühle ich mich frisch und völlig relaxed. Nicht so mein Liebster! Ob beim Schwimmen im wohlig dampfenden Außenbecken oder im Dampfbad  – so eine Therme ist für ihn keinesfalls eine Oase der Entspannung! Denn sobald ich unter Wasser zärtlich meine Beine um ihn schlinge oder ihn im Whirlpool auch nur am Oberschenkel streichle, heißt es sofort: „Greif mich ja nicht an!“ Und das nur, weil er dann halt noch ein paar Minuten länger im Wasser bleiben und an tote Fische (Hä?!) denken muss. Auch anderen Männern dürfte es ähnlich ergehen, denn sobald eine heiße Blondine sich der Saunatüre auch nur nähert, richten sie ihre Blicke auf den Boden oder starren apathisch auf die Saunauhr! Ein ansonsten eher untypisches Verhalten!
Als Frau muss man trotzdem immer auf der Hut sein! Tipp: Niemals zu nahe an einer Umkleidekabine oder einer Infrarot-Kammer vorbeigehen! Der Liebste ist nach einem halben Tag Therme meistens schon so scharf, dass ihn selbst der Gedanke an Sex unter der Kaltwasserdusche nicht mehr bremsen kann. Fast könnte er mir schon leid tun, aber als er dann abends, nach diesem herrlichen Dinner mit Nachspeisenbuffet(!) allen Ernstes seine Hand auf meinen Bauch legt und sich voll Leidenschaft in meine Speckröllchen krallt, kann ich nur lauthals protestieren: „Greif mich da ja nicht an!“ Sex in der Duschkabine – okay, aber nach einem 5-Gang-Dinner? Das hat wirklich nichts mehr mit Relaxen zu tun!