MFG - Das Magazin
St. Pöltens gute Seite

Unsere Ausländer

Text Petra Pfeiffer
Ausgabe 03/2011

Integration sieht sie als gemeinsamen Weg, Rassismus als Dummheit. Dali Koljanin ist gebürtige Österreicherin mit serbischen Wurzeln. Die St. Pöltnerin lebt mit zwei Kulturen im Herzen das europäische Ideal.

Ich lebe Europa Dali Koljanin ist ein Kind der 1970er Generation und musste selbst erleben, dass Integration nicht immer ein Miteinander ist. Als Tochter einer orthodoxen Arbeiterfamilie aus dem serbischen Teil Bosniens wuchs sie in Ober-Grafendorf auf. In der Volksschule wurde sie verspottet und ausgegrenzt. „Mein Bruder und ich waren die einzigen Ausländerkinder. Es waren damals andere Zeiten, die Lehrer wussten nicht so recht, mit der Situation umzugehen.“ Ihre Mutter ließ sie schließlich um ein Jahr zurückstufen, in der neuen Klasse fand sie ihre erste beste Freundin. Koljanins Abstammung wurde beim Einstieg ins Berufsleben erneut zur Barriere. Nach einer abgeschlossenen Friseur- und Bürokauffrau-Lehre wurde sie anfangs zu keinen Bewerbungsgesprächen eingeladen. „Ich rief an, stellte mich vor und wurde aufgrund meines serbischen Namens abgewiesen. Das war frustrierend.“ Jetzt sei es anders. „Mein Umfeld ist multikulturell und weltoffen. Ich habe inzwischen die Erfahrung gemacht, dass es cool ist, ausländischer Abstammung zu sein.“

Weitblick
14 Jahre lang arbeitete Koljanin im Hollywood Megaplex, davon drei Monate als Sekretärin und eineinhalb Jahre als Assistentin, ehe sie Leiterin wurde. Ihre Bewerbung hat Koljanin ein Jahr im Vorfeld geschrieben. Zu dieser Zeit standen lediglich die Außenmauern des Kinos. Ihren Aufstieg führt sie zunächst auf ihre Erziehung zurück „Meine Eltern sind sehr fleißig und ehrgeizig.“ Koljanins Vater hatte oft mehrere Jobs gleichzeitig, die Mutter nahm sie und ihren Bruder zur Arbeit mit. „Orthodoxe Menschen sind sehr strebsam, für Frauen ist es selbstverständlich arbeiten zu gehen. Meinen Eltern war es wichtig, uns Kindern ein schönes Zuhause bieten zu können. Während meine Mutter am Fließband stand, hielt mich mein Bruder im Arm. Diese Einstellung zur Arbeit hat mich natürlich geprägt.“ Andererseits ist sich Koljanin sicher, dass ihre österreichische und serbische Seite für den Erfolg verantwortlich sind: „Meine österreichische Seite ist genau und handelt überlegt, während mein Temperament von serbischer Natur ist.“

Feste feiern
Neben Fleiß und Familienzusammenhalt ist das serbische Volk bekannt für seine Feste. „Wir feiern gern und viel.“ Weihnachten, Muttertag oder Ostern wird in Koljanins Familie zweimal jährlich zelebriert – nach österreichischer und nach serbischer Tradition. Die Geburtstagsfeier von Koljanins Mutter war einst Auslöser für die inzwischen legendären Balkan Nights. Familie und Freunde feierten bei serbischer Musik im Megaplex, als zunehmend die Leute im Haus aufmerksam wurden und mitmachen wollten. „Das ist gelebte Offenheit, und irgendwann kam mir der Gedanke, solche Feste zu veranstalten.“

Heimat ist ...
Koljanin ist in Österreich sehr glücklich. Sie schätzt die Leute, die Schönheit und den Fortschritt des Landes. Im Herzen ist sie auch Serbin. „Ich lebe mit zwei Kulturen das europäische Ideal. Ich bin weltoffen, in meinem Leben gibt es keinen Platz für Feindseligkeiten gegenüber anderen. Es gibt kein besser oder schlechter, wir können nur voneinander profitieren.“