MFG - Oldies but Goldies


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St. Pöltens gute Seite

Oldies but Goldies

Text Volker Bernges
Ausgabe 06/2010

Seit über zwei Jahrzehnten gehen Oldtimerliebhaber jedes Jahr im August auf Schnäppchenjagd ins VAZ. Heuer feiert der beliebte Oldtimer- und Teilemarkt am 14./15. August sein 25-jähriges Jubiläum. Zu diesem Anlass baten wir den Gründer Volker Bernges um einen Gastkommentar. Eine Geschichte über eine ganz besondere Leidenschaft.

Flohmarkt – Freude – Faszination. Was treibt ansonsten ziemlich normale Menschen dazu, ihren Tag schon um drei Uhr früh zu beginnen, dies noch mit Freude und obendrein freiwillig. Ich kenne Spätaufsteher, die, wenn der in ihrem Kalender rot angestrichene Tag anbricht, wie Gazellen aus ihren Betten hüpfen und schon um vier Uhr mit ihrem Auto, voll Erwartung des Kommenden, dem Oldtimerflohmarkt entgegenstreben.
Was erwartet sich nun solch ein Besucher? Da es sich hierbei um Automobil- und Motorradveteranen-Flohmärkte handelt, wird er in erster Linie bestrebt sein, Fahrzeugteile seiner Marke, seines Modells zu ergattern. Er wird versuchen Literatur über sein Fahrzeug zu erhalten, er wird heiße Tipps von Bekannten haben, die einen Bekannten haben, der bestimme Teile liegen hat, notieren und sich somit die Spannung bis zum Zeitpunkt erhalten, wo sich dann der Traum, eventuell, in Luft auflöst. Andere wieder haben sich hauptsächlich auf jegliche Literatur spezialisiert. Ich kenne auch jemanden, der nur alte Autokennzeichen sammelt, der von den Behörden zur Mitarbeit für die neuen Kennzeichen eingeladen wurde, da er auf diesem Gebiet als der Experte schlechthin gilt. Ob er mit dem Ergebnis zufrieden ist?
Ich bin mir nicht sicher, sicher ist, dass wir schönere Kennzeichen gehabt haben. Sollte ich besagten Herrn auf einem der kommenden Flohmärkte treffen, werde ich versuchen hierzu eine Stellungnahme zu erreichen und darüber berichten.
Unter sich
Vielen behagt ganz einfach die Atmosphäre, das Benzingespräch mit Freunden und Bekannten, der Austausch von Neuigkeiten aus der Szene. Dazu sollten allerdings vom Veranstalter entsprechende Voraussetzungen geschaffen werden. Möglichkeit zum Ausspannen, eventuell ein Dach über’m Kopf und wichtig: Essen und Trinken und das zu einem vernünftigen Preis. Wenn das Drumherum größtenteils stimmt, hat man sicher einen interessanten Tag verbracht. Wenn man dann noch etwas gefunden hat, es muss nicht unbedingt wer weiß was kosten, war der Tag ein Erfolg. Ich selbst habe oft schon mit Sachen für 5 bis 10 Euro die größere Freude gehabt, als mit teureren. Ob man dies wirklich alles braucht, sei dahingestellt, man glaubt es zumindest. Fast hätte ich eine nicht zu unterschätzende Gruppe vergessen, die Automobilia-Sammler. Alles, was es so rund ums Kraftfahrzeug gibt, was interessant, formschön und rar ist, wird gesammelt.
Somit können eigentlich alle Besucher zufriedengestellt sein und doch tauchen am Rande, mehr oder weniger, Händler auf, die hier kräftig mitmischen wollen, um sich ein Stück des Kuchens abzuschneiden. Da gibt es vieles, was man auf normalen (was nicht heißen soll wir seien abnormal) Märkten erstehen kann.
Wer wird hier angesprochen? Die meisten von uns, zumindest die, die ich kenne, haben Freude an alten Dingen, haben oft noch einige andere Sammelgebiete, schmücken ihr Heim mit nostalgischen Sachen. Sei es für ein Kellerstüberl, für eine alte Bauernstube. Es gibt begeisterte Radiosammler in unseren Reihen und dies nicht nur am Autoradio-Sektor.
Warum also sollte man diesen Ständen ihre Daseinsberechtigung absprechen. Wer auch hier Ansprechendes zu vernünftigen Preisen anbietet, darf sich seines Geschäftes sicher sein. Man darf auch nicht vergessen, dass auf unseren Flohmärkten sehr viele Bewohner aus dem Umfeld auftauchen, die hier dann auch das eine oder andere finden. Vielleicht kommt manch einer dieser Besucher unserem Hobby näher.
Reine Männersache?!
Es soll auch vorkommen, dass unsere bessere Ehehälfte das Verlangen kundtut, einmal mit von der Partie zu sein. Und nur Rost und Blech (Schmuck ist ihnen meist lieber), wird sie nicht unbedingt begeistern. Daher ist es so schlecht nicht...! Für Ihr Hobby brauchen Sie doch sicher auch eine begeisterte Ehefrau oder Freundin, sonst geben Sie’s besser auf (das Hobby natürlich). Es soll sogar Ehefrauen geben, die auf Verkaufsständen begeistert das Regiment führen, handeln und feilschen. Der so entlastete Ehemann kann sich dadurch voll dem Einkauf widmen. Überhaupt, wenn man sich so umhört, gibt ein jeder mehr Geld aus, als er einnimmt, und die Sachen werden trotz eifrigen Verkaufs immer mehr. Handeln, dies gehört auf alle Fälle dazu, es zählt von der Käuferseite her zu den Erfolgserlebnissen.
Was ich natürlich auf einem Veteranenmarkt nicht sehen möchte?! Möbel, Elektrogeräte, Schuh- und Fetzentandler reihenweise. Aber auch hier gibt es eine Einschränkung. Schauen Sie nach Frankreich oder in die Schweiz. Bei Rallyes oder Ausfahrten sind die meisten Fahrzeugbesatzungen dem Jahrgang ihres Oldtimers entsprechend gekleidet.
Hier haben wir in Österreich einen großen Nachholbedarf. Dies ist sogar auf unseren Flohmärkten eine Marktlücke, aber wie gesagt, es muss zeitentsprechend sein, dann geht’s in Ordnung.
Zusammenfassend möchte ich sagen, solange die artfremden Stände eine untergeordnete Rollen spielen, sind sie als Bereicherung eines jeden Flohmarktes anzusehen. Wer nicht gefragt Sachen anbietet, wird das nächste Mal sicher nicht mehr erscheinen.