MFG - Das Magazin
St. Pöltens gute Seite

Unterbelichtet

Text Christoph Wagner
Ausgabe 09/2005
Zugegeben, das letzte ist längst vergessen und vom nächsten noch keine Rede. Aber weil wohl im Stillen schon an 2006 gebastelt wird, ist es der rechte Zeitpunkt, sich einzubringen. 
Es ist nämlich so und schade: In den letzten Jahren haben beim Hauptstadtfest am Domplatz vermehrt schwer vermittelbare, weil jede musikalische Weiterbildung seit Jahrzehnten verweigernde Bands ihren Karrierewinter als Hauptact ausklingen lassen dürfen. Abgesehen von den wenigen Zeitzeugen im Publikum, die ihren Enkeln versichern, dass die da oben damals richtig gut waren, ist der Rest da, weil keine parkenden Autos herumstehen. Gut, die Rolling Stones können nicht kommen, denn die ühne ihrer gerade startenden Tournee verbraucht in der Breite 100 Meter. Da würde man auf der des Domplatzes gerade mal einen der 4 Herren unterbringen. Und wenn man dann ausgerechnet Charlie Watts ausfasst, würde es auch eintönig werden. Deshalb besser Neil Young. Oder die Red Hot Chili Peppers. Oder Pearl Jam. Oder Radiohead. Oder Nine Inch Nails. Oder die eels. Oder Beck. Oder Green Day. Oder Anna Netrebko. Die letzten beiden im Doppelpack, das wäre fein: Zuerst macht die Russin ein paar Klassiker hübsch, dann klopfen die Kalifornier etwas heftiger ans Domportal und kurz vor dem Feuerwerk trippelt die Netrebko bei American Idiot auf die Bühne, kuschelt sich an Billie Joe Armstrongs Wange und grölt aufgeregt mit. Genau so stelle ich mir eine würdige Beschallung von 20 Jahre „Wir sind Hauptstadt“ vor! Und St. Pölten hätte sich selbst überrascht.