MFG - Das Magazin
St. Pöltens gute Seite

Ryanair statt Camelhair

Text Matthias Steinperl
Ausgabe 12/2005

Kurz vor den arbeitsreichen Feiertagen traf MFG am Wiener Flughafen die Heiligen Drei Könige, die zwar zu dritt, jedoch weder heilig noch als Könige erschienen. Was die Sternsinger mit Gerda Rogers verbindet, was sie von der Kirche trennt und wie überhaupt alles kam, durften wir gegen eine freie Spende erfahren.

MFG: Na Burschen, heute nur zu dritt? M: Wie meinen? Naja, ihr drei steht ja (seit dem 14. Jahrhundert, Anm. aus Bildungszwecken) für die damals bekannten Kontinente und müsstet demnach ja heute eigentlich mindestens zu fünft sein. C: Blabla. Ich kanns schon nicht mehr hören. Immer wieder dieselben blöden Scherze und Bemerkungen. Und das seit fast 2000 Jahren. Das kann einem schon ganz ordentlich auf den heiligen Geist gehen. Zur Klarstellung: Wir sind zu dritt, wir waren immer zu dritt und wir werden es auch bleiben. Nur weil sich der Kolumbus verfahren hat – und wir ihm jetzt die ganze Sch...e zu verdanken haben – und nur weil ihr Europäer für die ganzen Häfenbrüder damals gleich eine ganze Insel reserviert habt, müssen wir ja nicht gleich expandieren. Vor allem bei den ganzen Lohnnebenkosten heutzutage. Und dann vielleicht noch einen Betriebsrat gründen. Das wär ja die Krönung. Schlechte Laune, Mister Caspar? C: Das kannst du sternsingen. Darf man fragen, warum? C: Weil mir vor allem euer Land hier schon ziemlich auf den Sack geht. Jetzt hat sich dieser HJ endlich mit seinen Vögeln in den Süden bzw. ins Relevanzvakuum vertschüsst, dann kommt schon der nächste Sternsinger aus dem rechten Eck, in dem er lang herumgestanden ist. Und seit die Rülpser von dieser Haider-Dolly Strache durchs Land hallen, fährt man an der österreichischen Grenze wieder von einer Schikane in die nächste. Noch dazu, wo der Herr Innenministerin vor lauter Fluchtachterl vergisst, was Flucht eigentlich bedeutet. Aber was ist denn passiert? C: Was passiert ist?! Frag lieber, was nicht passiert ist! Ich hol mir nach dem Checkout hier am Flughafen meinen Trolley, wo ganz groß »Mister Caspar, King« darufsteht, geh durch den Zoll und werde schon aufgehalten und gefilzt, während meine zwei Kollegen ganz gemütlich durchspazieren dürfen. Ja, und wenn dann ein Schwarzer auch noch ein paar Kilo Myrrhe im Gepäck hat,  ist sowieso alles aus. »Nau, wos riacht denn do so guat«, fragt mich der Herr Drogensachverständige auf superg’scheit und lässt dann noch seinen Köter an das Zeug. »Na Myrrhe«, sag ich drauf ganz höflich. »Oder glauben Sie, wir bringen Weihrauch, Gold und Marihuana zum Christkindl?« Mehr hab ich nicht gebraucht. Ab ins Verhörzimmer, Lampe an und gemma. Kurz vor der Schubhaft haben dann zum Glück meine heiligen anderen zwei Könige und das vatikanische Konsulat interveniert und mich vor Schlimmerem bewahrt. Aber ob ich mir das nächstes Jahr noch einmal antue, muss ich mir noch gut überlegen. Das tut mir sehr Leid. Ich hoffe, Sie überlegen sich das noch. Haben Sie denn keinen Diplomatenpass? M: Ach woher denn. Das ganze Theater mit König und so ist ja alles nur eine Erfindung. Zum Glück hat das noch keiner gecheckt, weil sonst kriegen wir vielleicht noch ein Verfahren wegen Anmaßung eines Titels an den Hals. Eigentlich sind wir nur ganz primitive Sterndeuter wie die Gerda Rogers. Nur mit dem Unterschied, dass wir halt damals zur richtigen Zeit am richtigen Ort mit den richtigen Geschenken waren und die Frau Rogers grundsätzlich zu jeder Zeit am falschen Dampfer ist. Aber auch das war eher zufällig. Wir haben damals eigentlich gedacht, wir folgen dem Lichtstrahl eines Skybeamers der dazumals angesagtesten Großraumdisco in Jerusalem und Umgebung. Dass dann dort der arme, kleine Heiland in seiner Krippe liegt, war uns ja auch nicht gleich bewusst. Woher hätten wir es auch wissen sollen ohne mobilen Internetanschluss oder Kronen Zeitung. Aber die Geschenke? M: Wie gesagt: alles Zufall. Oder glaubst du wirklich, wir nehmen so einer armen Familie Weihrauch, Gold und Myrrhe mit? Was sollen die denn damit anfangen, ha? Sind Sie dann wenigstens wirklich heilig? C: Auch nicht. Das sagt sich alles so leicht – auch von Kirchenseite – und lässt sich schön verkaufen. Aber wir warten in Wahrheit bis heute auf unsere Heiligsprechung. Vielleicht schafft’s ja der Ratzinger nach 2000 Jahren. Was spricht dagegen? M: Das ist rein der Neid, weil wir Heiden zuerst auf der Heide in Bethlehem waren und die feinen Herren von der Amtskirche sich nicht die Fußerl schmutzig machen wollten. Außerdem haben wir die ganze Entwicklung der Kirche immer wieder kritisiert. Weil so gehts nicht, haben wir gesagt, dass der Juniorchef da substandardmäßig in den Slums von Jerusalem herumhängen muss und seine selbsternannten Nachfolger bauen sich dann ihre Kathedralen alle in zentraler Lage, Kategorie A. Ja, und da macht man sich im Vatikan halt nicht recht beliebt. Trotzdem stehen Ihre Namen auf fast allen Häusern. M: Du meinst damit das C+M+B-Gekritzle. Da gehen ja die Meinungen auch auseinander, ob das jetzt unsere Initialen sind, ob es »Christus Mansionem Benedicat« heißt oder gar für »Claus Maria Brandauer« steht. Wir mischen uns da nicht mehr weiter ein. Schließlich geht es ja um einen guten Zweck bei der ganzen Sternsingerei. Obwohl das ja auch nicht mehr das ist, was es einmal war. Heutzutage fliegen sie alle in die Domrep oder weiß der Kuckuck wohin, und dann ist keiner mehr da, wenn wir sammeln kommen. Wir überlegen schon, ob wir nicht die Schutzpatronanz der Reisenden zurücklegen, weil wir uns da ja quasi ins eigene Knie schießen. Eine Verlegung des Termins ist kein Thema? C: Hör uns damit bitte auf. Von diesen Verschiebungen haben wir schon genug. Da kennt sich eh schon keiner mehr aus. Ursprünglich war der 6. Jänner ja Weihnachten und heißt ja auch eigentlich noch immer Epiphanie, also Erscheinung des Herrn. Dann hat es im 5. Jahrhundert plötzlich geheißen, Weihnachten wird verlegt. Ja und jetzt feiern manche noch am 6. Jänner Christkindl und manche geben uns die Ehre. Alles also sehr verzwickt, noch dazu wo der Jesus ja eh schon 7 Jahre vor seiner Geburt geboren wurde. Aber was soll’s. Hauptsache wir haben eine Arbeit, was ja heute eh keine Selbstverständlichkeit ist. Warum ist eigentlich der Herr Balthasar heute so schmähstad? M: Ach ja, stimmt. Balthi! Bahalthi! Komisch, sonst verträgt er ihn so gut, den Weihrauch.     Die ganze Wahrheit über die drei Könige Ob die »Weisen aus dem Morgenland« (so die Bibel) zu dritt waren, ist nicht verbindlich überliefert. Jedoch wird auf Grund der drei Gaben seit dem 3. Jhdt. davon ausgegangen. Die heute geläufigen Namen erhielten die Könige, die eigentlich »nur« Sterndeuter bzw. Philosophen waren, erst im 8. Jahrhundert. Ab dem 12. Jhdt. wurden die drei Herrn den drei Lebensaltern zugeteilt, wobei Balthasar (der mit dem Weihrauch) als Greis, Melchior (Gold) als Mann und Caspar (Myrrhe) als Jüngling auftrat. Ebenso wurden ihnen die damals bekannten drei Kontinente zugeordnet (Balthasar – Asien, Melchior – Europa, Caspar – Afrika). Als Schwarzer geht übrigens auch Balthasar durch. Lassen Sie sich aber keinesfalls von Melchior Weihrauch andrehen. Da wär dann was faul. Der Stern, dem sie gefolgt waren, könnte (laut Johannes Kepler) eine Supernova gewesen sein. Auch eine sog. »Konjunktion« scheint möglich, da im Jahre 7 v.Chr. – also zur Geburt Jesu – eine solche aufgetreten ist. Eine Heiligsprechung hat bis heute nicht stattgefunden, ihre angeblichen Gebeine wurden von Kaiserin Helena von Palästina zuerst nach Istanbul, dann nach Mailand und zuletzt von Friedrich Barbarossa nach Köln gebracht. Alles also sehr verzwickt. Öffnet die Herzen und Börsen! Wie Sie nun erfahren durften, sind Könige auch nur Menschen. Machen Sie also Ihre Tür und Ihre Geldbörse weit auf, wenn sich im Zuge der Dreikönigsaktion rund 80.000 Kids auf den weiten Weg machen, um für die Dritte Welt Geld zu sammeln. Und drücken Sie ein Auge, vielleicht ein Ohr, aber keinesfalls die Tür zu, wenn nicht jeder gesungene Ton zu 100% sitzt. Dafür kommt Ihre Spende garantiert an, und der Wille geht ja bekanntlich fürs Werk.