MFG - Das Magazin
St. Pöltens gute Seite

Tage wie diese

Text Tina Reichl
Ausgabe 11/2013
Es beginnt ganz klein. Am Morgen erwacht der Sohn, strahlt und weckt mich mit einem Kuss. Ich fahre zur Arbeit, angezuckerte Berge in der Ferne! Gleich zu Mittag zum Reifenwechseln fahren – und niemand vor mir? Die Frau im verrauchten Warteraum drückt mir eine Münze für den Kaffeeautomaten in die Hand – einfach so.
Ich checke meine Mails: Eine Spielzeugfirma schickt mir gratis eine neue Fernbedienung für das kaputte ferngesteuerte Auto – einfach so. Hm! Aus dem Radio mein Lieblingslied von den Toten Hosen.
Ein Mann betritt den Warteraum und meint: „Ich hätt gerne Winterreifen!” Antwort der schmunzelnden Reifenhändlerin: „Was? Diese runden, schwarzen Dinger? Hamma nicht!” Stand-up-Comedy extra für mich? Dann Arzttermin in der City: „Wollen Sie noch eine halbe Stunde weggehen?” Ja, will ich!
Ich schlendere durch meine Stadt. Es riecht nach Schnee und Maroni. Vorbei an den vorweihnachtlichen Auslagen, am scharfen Eck das vertraute „Servaaaas” des Augustinverkäufers, dann wieder zurück – zu kalt zum Shoppen – ins Schubert. Wen treff ich? Eine alte Bekannte, ewig nicht gesehen, große Freude. Wir quatschen, trinken heiße Schokolade. Dann ab nachhause. In der Post liegt eine Einladung zur 40er Feier einer Schulfreundin und erste Geburtstagswünsche.
Es gibt sie also doch, diese Tage, an denen du nur lächeln könntest, durchgehend. Nichts Spektakuläres, einfach leben, Gedanken nachhängen, reden, Zeitung lesen, sich nicht ärgern müssen.
Abends beim Vorlesen frag ich den Sohn, wie denn sein Tag war. „Alles gut, Mama!” Ich freue mich darüber und weiß, dass es sehr vielen Menschen heute genauso gegangen ist.

Das war einer dieser Tage....