MFG - Das Magazin
St. Pöltens gute Seite

Die wandelbare Welt der Amalyn - Intensiv leben

Text Althea Müller
Ausgabe 06/2013

Mit ihrer Band „Herzkohle“ und dem Debütalbum „Burst“ hat Almalyn Griesauer 2012 für Furore gesorgt. Wir erleben mit ihr Songs von leichtfüßig bis grob und mundunartig und sie selbst als charismatischen Funkenregen in Hosenträgern und Marlenehosen, mit verknoteter Wallemähne, Schneewittchenhaut und einer Stimme, die so tief aus dem Herzen zu kommen scheint, dass den Besuchern Gänse rauf- und runtertrappeln. Eine Frau, die Spuren hinterlässt ...

Isogs eich: Es gibt nicht so viele Menschen, die mich „journalistisch“ groß interessieren. Das meine ich nicht böse. Nur ehrlich. Dieses Weibsstück aber, das sich gern mal in Schweißerbrille und Kabelsalat kleidet oder vor einem dicht gedrängten und ganz und gar (von den gehauchten, geschmetterten, gezärtelten und gebrüllten Liedern) gebannten Publikum im niederösterreichisch-wienerischen Dialekt zugibt, unendlich nervös zu sein – das muss ich euch jetzt mal vorstellen. Das ist eine Story wert. Ganz ohne bezahlte Anzeige.

Almalyn Griesauer ist in Lilienfeld aufgewachsen und hat schon so früh zur Musik gefunden, dass sie nicht mehr weiß, wann genau. Aber dass das erste Instrument eine Blockflöte war und sie sich das Spielen selbst beigebracht hat, weiß sie noch gut. Auch, dass sie über die Musikschule ihres Heimatorts dann zur Klarinette kam, obwohl sie eigentlich lieber Querflöte gelernt hätte, „aber Klarinette war das einzige Instrument, das ich mir ausborgen konnte – eine Querflöte hätte angeschafft werden müssen, und das war nicht drin.“ Von dort führte die musikalische Reise weiter nach Wien, wo es nach einem nur kurzen Ausflug in die Theaterwissenschaften („zu theoretisch“) ins Musikstudium ging, an die Jazzgitarre. Aber auch beim Gedanken an z.B. Klezmer-Musik und dabei vor allem den großen Meister Giora Feidman leuchten ihre Augen auf, ja, kommen ihr beinahe die Tränen: „Diese Musik ist so mächtig, so berührend – die leisesten gerade noch hörbaren Töne sind hier möglich.“

Ergriffen ist sie auch, wenn es um den bei unserem Interview gerade aktuellen Lebens-Wandel geht: „Zum allerersten Mal habe ich einen eigenen Proberaum, den ich benutzen kann, wann und wie lange ich möchte“, sagt sie. Und dort ist sie nun auch fast täglich – oft allein, immer musizierend. Bis zu zehn Stunden am Stück sind keine Seltenheit.

Berufung ist unkündbar
„Letzten Herbst bin ich von Wien, wo ich studiert und gearbeitet habe, nach St. Pölten gezogen“, gibt sie Einblick in die letzten großen Veränderungen, „und erstmals in meinem Leben hatte ich das erreicht, was ich zuvor noch nie hatte – eine sicher leistbare Wohnung, einen eigenen Proberaum und vor allem endlich mal ausreichend Zeit.“ Denn nachdem sie schon in ganz jungen Jahren von daheim auszog, blieb der heute 28-Jährigen neben Jobben und Studium nie das wirklich Kostbare: Zeit.

Einige Monate davon konnte sich Almalyn nun doch freischaufeln. „Da kam dann auch der positive Knackpunkt bei mir“, erinnert sie sich an den Prozess, der im Winter 2012 stattfand, „auf einmal, inmitten dieser vielen Zeit, die ich hatte und künstlerisch ausgiebig nutzen konnte, wusste ich, ja, das ist es! Ganz egal ob ich damit jetzt oder später Geld verdienen kann – die Musik darf nun mein ausgesprochener Weg sein. Bis dahin hatte ich immer meine feste Hacklereinstellung, dass es einfach nicht sein kann, für die Musik zu leben, weil ich eben nicht davon leben kann. Jetzt jedoch ist es anders – ich habe meinen Frieden mit meinem Weg gefunden.“

Herzblut, Herzkohle

Bei soviel überdachter Bodenhaftung sind die nächsten Schritte für sie keine Fragezeichen mehr: Sie wird demnächst neben der jetzt schon gelebten Kunst auch ihre musikalische Ausbildung abschließen. Und akzeptieren, dass Musik für sie weniger Beruf als Berufung ist – und daher nicht kündbar. „Berufung schreit nach dir, wenn du glaubst, du könntest sie hinten anstellen“, lächelt sie und fügt hinzu: „Unsere Zeit hier ist begrenzt und ich möchte daran arbeiten, was ich bin, nicht an dem, was ich habe.“

Weitere Pläne? So viele. Die Luft wird dicht im Café Addo’s in der STP Innenstadt, als sie uns ein Bild zeichnet von dem, was sie vorhat – als Sängerin mit Herzkohle weitermachen, das demokratische Bandkonstrukt mit ihren Kollegen weiterhin zum Schlagen bringen, Konzerte spielen. Aber auch ein Soloding starten, „etwas total Abgefreaktes“. Wieder einmal einen Liederabend gern auch in kleiner Runde machen, bei dem sie, die übrigens bereits in Frankreich lebte und arbeitete, Edith Piaf huldigen und die Zuhörer auf seelenvolle Chansons betten möchte. Und dann wäre da noch was ganz anderes, die Idee einer Talkshow, einem direkten und menschlichen Format, das sie gerade zusammen mit zahlreichen hellen Köpfen aus der Stadt plant. „Ich brauche immer ein Konzept, suche oft nach einem Plan“, gibt sie zu, „auch, wenn ich mittlerweile weiß, dass Pläne prinzipiell zum Scheitern verurteilt sind.“
Wir bleiben somit gespannt, was die ungeplant planlose Frau mit den großen dunklen Augen in den nächsten Jahren noch so alles aus ihrem kreativen Hut zaubern wird: Dass es sowohl menschlich als auch künstlerisch wertvoll sein wird, ist aber jetzt schon so klar wie ihre Stimme. Basta Rasta!