MFG - Das Magazin
St. Pöltens gute Seite

Auf der Suche nach der Zeit

Text Tina Reichl
Ausgabe 06/2014
Wenn Sie gerade im Begriff sind, diese Kolumne zu lesen, gratuliere ich Ihnen sehr herzlich! Sie haben offenbar Ahnung davon, wie man sich seine Zeit so einteilt, um auch mal in Ruhe in einer Zeitung zu schmökern. Jeder Tag hat 24 Stunden, warum aber hat ausgerechnet meiner weniger? Warum vergeht für uns manchmal die Zeit viel zu schnell und kann uns ein andermal nicht schnell genug vergehen? Ich bin Lehrerin, hätte also theoretisch – laut allgemeinem Verständnis – Unmengen von Zeit! Nur – wo ist sie hin? Ich habe im letzten Jahr alle meine Abos zahlreicher Frauenzeitschriften gekündigt, da ich keine Zeit mehr zum Lesen hatte! Letzten Monat musste dann auch noch das Presse-Abo daran glauben! Und jetzt? Ich bin voll organisiert, stehe früh auf, verschlafe also meine Zeit auch nicht! Mir entgeht nicht das Geringste!
Als Kind konnte mir die Zeit nicht schnell genug vergehen! Wann kommt endlich das Christkind? Wann ist die Schule aus? Wann beginnen die großen Ferien? Die Wochen vor meinem 16. Geburtstag habe ich täglich an einem Kalender abgehakt, um endlich mit dem Mofa fahren zu dürfen! In der Schwangerschaft war das noch ähnlich. Wie lange noch, um endlich den kleinen Prinzen im Arm zu halten! Der Bauch wird immer größer, aber die Zeit schleicht dahin! Noch ein paar Wochen, noch ein paar Tage! Doch seitdem der Nachwuchs da ist, rast das Leben an mir vorbei! Dabei wüsste ich, wie es geht! Und es ist so einfach!
Gestern erst hab ich zwei Stunden Zeit gefunden! Beim Legospielen mit meinem Sohn! „Kannst du mit mir das Flugzeug bauen, oder hast du keine Zeit?“, hat er mich gefragt. Und da hab ich es einfach abgedreht: Das Handy!