MFG - Das Magazin
St. Pöltens gute Seite

Pakistanischer Highlander

Text Althea Müller
Ausgabe 10/2009

St. Pöltens einziges indisches Restaurant hat Kultstatus: Wer hinein geht, freut sich auf indische und pakistanische Küche, ayurvedische Spezialitäten und Drinks von Mango Lassi bis Lichisaft. Und das inmitten exotischer Düfte und Musik – und dem ganzjährigen Deckenschmuck von Weihnachtskugeln.

Rajput, schillernder Herrscher über Currysuppe, gelbe Linsen, Mater Curry und Aloo Gobi, wurde in Pakistan geboren. Später ging die Familie nach Schottland. Schließlich zog es ihn nach Paris, wo er erst bei einem befreundeten Koch in die Ayurveda-Lehre ging. Und nach drei Jahren wieder die Koffer packte, um mit einer Vorarlbergerin in deren Heimat zu reisen. Seine Freunde wetteten mit ihm um 30.000 Franc, dass er nach einem Monat wieder zurück käme, denn: „Die ganze Welt träumt von der Stadt der Liebe, und du verlässt Paris wegen der Liebe!“ Die Wette gewann Rajput. Zehn Jahre Ehe und eine bunte Karriere als Textil- und Schmuckgroßhändler folgten. Nach der Scheidung wollte der kochende Pakistani zwei Dinge: Weg von Vorarlberg, aber nicht aus Österreich – und ein eigenes Lokal. Die Wahl fiel auf St. Pölten, der Start im September 2003 war für das erste (und bis heute einzige) indisch-pakistanische Restaurant in town leicht. Kritische Stimmen wurden schnell zu Stammkunden. Negatives wird man von Rajput, der sechs Sprachen beherrscht, kaum hören. Sein Motto spricht für sich: „Lebe und denke nicht an morgen“ – klingt nach Bollywood-Film, ist es auch, mehr aber noch ein Sprichwort: „Lebe und genieße“, sagt er bestimmt, „und mit den Menschen musst du gut auskommen. Nun, in alldem bin ich Weltmeister!“ Und wie kommt der weitgereiste Rajput mit den andren Gastronomen aus? „Ich werde in dieser Stadt überall mit offenen Armen aufgenommen, und genauso läuft es umgekehrt. Meine Freunde sind immer willkommen.“ Das führt zu einem weiteren Motto, dem des Lokals: Ein Gast ist ein Geschenk Gottes. „Das ist ein altes indisches Sprichwort“, erklärt Rajput, „es bedeutet, dass immer zuerst der Gast kommt und dann erst man selbst, denn wenn der Gast glücklich ist, ist Gott es auch. Und somit wir alle.“ Wow. Klare Worte. Nur auf sein Alter angesprochen, erntet man bloß ein Grinsen: „Ich bin ein Highlander.“Ansonsten wird vielleicht bald vergrößert. Für das Lokal, wo sich schon mal doppelt so viele Feinschmecker wie Plätze an einem Tisch drängen, sicher wünschenswert. Denn nicht überall wird man als Geschenk Gottes angesehen. Und nicht überall ist jeden Tag Weihnachten: Wenn Rajput für jeden von der Decke baumelnden Armreifen, der traditionell zu Silvester verschenkt wird, eine Christbaumkugel aufhängt. Damit der Glitzer nur ja nie abnimmt in seinem ayurvedischen Wunderland.