MFG - Das Magazin
St. Pöltens gute Seite

Das Festival - ABC

Ausgabe 05/2007

Jeden Sommer aufs Neue zieht es Fans von Unterhaltung, Musik und Freikörperkultur hinaus auf die Wiesen, Gelände und Stahlbetonplatten in ganz Österreich, um den Festivalfreuden zu frönen. Damit ihr uns nicht untergeht in Festlfauxpas, Metaletikette und Bore- oder Burn-Out geben wir euch einen Navigator mit!

Armyhose
Das einzig wahre Kleidungsstück, weil je nach Laune weit, eng, kurz, hin oder in abartigen Farben zu tragen, und mit den vielen Taschen wunderbar zum Kleinigkeitenklauen geeignet. Bier
Das Männeraccessoire schlechthin: Während frau Mini-Bag oder Umhängetasche wählt, greift der männliche Festivalgeher zur schlichten Dose oder zum schicken Sechsertragerl. Chaos
Prinzipiell unvermeidlich – je nach Gelände, Musikgenre, Anzahl der Bands, Veranstalter und Pressefuzzis sowie Launen der Besucher allerdings variabel. Deo
Für besonders ekstatisch Abgehende wichtig, da erlösend für die Umstehenden, die sonst bei jedem „i wanna see your hands up in the air“ tausend Müffeltode sterben. Erste Reihe
Blut, Schweiß und Tränen der Stars kriegst du am ehesten hier ab. Plektrons, Drumsticks und das eklige Handtuch vom Bassisten auch. Außerdem an die 25 Knie und Ellbogen der Besucher hinter dir, die auch gern da wären, wo du bist. Fuck You
Zauberformel, die – einmal gegen einen der Securities ausgerufen – jeden Gast postwendend vor die Tore des Geländes hievt.GruppeDie häufigste Form, ein Festival zu besuchen (Einzelne sind Freaks, Pärchen sterbenslangweilig). Gut sozialisierte Gruppen verhalten sich leidlich anständig und besetzen füreinander brüderlich Plätze in der Schlange vorm Klo. In schlecht eingespielten Gruppen dagegen kommt es schon mal zu Revierkämpfen und Lagerkoller: vor allem in engen Zelten oder bei unausgeglichenem Männchen-Weibchen-Verhältnis. Halloween
Every (festival)day is Halloween: Normalerweise normale Menschen kommen dir hier in knappen Schlampenoutfits, unsäglichen Fan-Fetzen von Megadeth oder gestreiften Jutesäcken mit Eso-Prints entgegen. Keine Panik: Morgen tragen sie wieder alle H&M. Infopoint
Hier bekommst du Auskunft und einen ONE-Kuli. Ebenfalls hier findest du die Orientierung und auch den verlorengeglaubten Partner wieder. (Nein. Die Digicam nicht. Die ist weg.) Jackasses
Jungs, die glauben, sie wären wilde US-Typen, die Filme für Musiksender drehen. Dementsprechend sieht man dann relativ erwachsene Leute auf Regenschirmen reiten oder sich gegenseitig mit Schnaps übergießen. Kinder
Entweder paschen sie ihren Eltern ab, stehen dann mit großen Augen neben dir und betteln. Oder sie sind ohne Aufsicht da, glauben aber, dass sie schon erwachsen sind und betrinken sich hemmungslos. Oder sie werden gezeugt. Lähmend
Adjektiv für die unausweichlichen Wartezustände am Einlass, beim Getränkestand, am Häusl, im Buffet et cetera. Die Phasen zwischen dem Warten sind dafür aber ganz große Klasse. Merchandiser
Der Mensch, der 13 Stunden täglich in der prallen Sonne stehen und auch dann noch lächeln muss, wenn du statt dem 50-Euro-Shirt doch lieber nur den 50-Cent-Sticker kaufst. Null
Die Menge an Chancen, die du während eines Festivals hast, um a) backstage zu kommen, b) nüchtern zu bleiben oder c) als Star von Morgen entdeckt zu werden, während du mit dem Gesicht im Gatsch liegst. Ordner
Tragen alle dieselben T-Shirts, sehen dich von oben herab an und machen nur ihren Job. Also sei nett und entschuldige dich zumindest, wenn du einem von ihnen in die Lenden trittst, während er dich vom Stagediven abhält. Pogo
Schwing dein Bein, toll im Kreis, hol dir ne Zerrung. Das in etwa ist Pogo. Wenn du dabei noch absichtlich jemandem irre weh tust, bist du Sieger. Querulant
Klar wird dich jemand anblöken, an den Dreads ziehen oder dir einen Becher klebrigen Getränks aufs Shirt schütten. Cool down. Gehört dazu. Irgendwann lachst du drüber. (Mit 60.) Regen
Obligat. Wie sonst soll man, abgelurcht wie Kate Moss auf den Pressepics 2006, mit Boots, XXL-Pulli und 40 Kilo Untergewicht, dafür ohne Hosen, durch dreckigen Schlamm waten? Sonne
Obligat. Wie sonst soll man sich fast komplett ausziehen, um seinen Delphin-Brustwarzenring oder das Totenkopf-Peckal am Steiß zu präsentieren? Tanzen
Du kannst shaken, bangen, jumpen oder dich brüllend am Boden wälzen. Aber nicht tanzen. Tanzen tut man beim Elmayer. Unikat
Sei eins. Miete dir zwei Gorillas, die dich bis zum Mobilclo begleiten oder rasier dir jedes einzelne Körperhaar ab – in zwei Tagen sitzt du sowieso wieder hellbeige krawattiert im Großraumbüro. Life’s short. VIP Lounge
Außer ein paar verschlafenen Musikern (die grad nicht im Bordell sind), faden Mittelklasse-Journis und hektischen Tourmanagern versäumst du gar nichts, wenn du als Nicht-VIP keinen Zutritt hast. (NATÜRLICH geht die Party ab, heiße Typen und Groupies inklusive. Aber warum sollten wir dir das verraten? Du kommst ja sowieso nicht rein.) Wir-Gefühl
Wenn Tausende Stimmen sich zu einem Lied vereinen und Hunderte Feuerzeuge ein Lichtermeer bilden – dann, ja dann verzeihst du es deinen Mit-Festivalianern auch, dass sie dir den linken Schuh, alles Geld und die süße Kleine, die du so gern hattest, gestohlen haben. Xanthippe
Irgendwo rennt dir garantiert eine über den Weg. Drängt sie dich von der Bar weg oder schlängelt sich beim Einlass vor. Wenn du sie drauf anredest, haut sie dir eine rein oder kreischt nach ihrem Freund (der garantiert ziemlich breit und ein wenig ungebildet ist). Yeti
Irgendwo steht dir garantiert einer im Weg. Lässt dich nicht passieren und grunzt dann auch noch gefährlich. Tipp: ihn mit einem Papierball oder einem Pommes Frites ablenken und dann schleunigst das Weite suchen. Zelt
Ein Zimmer in einer Pension inklusive Frühstück heißer Dusche... VERGISS ES! Am Festival wird gezeltet! Auch, wenn es sauunbequem und kalt ist, wer sich der kultigen Zeltqual entzieht, ist kein richtiger Festivalgeher, sondern ein Weichei. Dreimal wäh.