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Was wird aus dem Domplatz?

Text Beate Steiner
Ausgabe 09/2026

Vor mehr als 15 Jahren wurde die Umgestaltung des großen Kirchenplatzes beschlossen. Abgeschlossen ist sie noch nicht.


Drei Jahre lang haben die St. Pöltner jetzt schon ihren neuen Domplatz – gepflastert mit Granit aus dem Waldviertel und mit der in Beton sichtbaren mittelalterlichen Kirche, beleuchtet mit LED-Lampen von den angrenzenden Häusern, rundum gekühlt mit Sprühnebeldüsen. Seit zwei Jahren möblieren noch eine Terrasse beim Gastronomie-Lokal „Das Römer“ und sechs mobile Pflanzgefäße aus Cortenstahl die 5.800 Quadratmeter große Fläche. Sie sind teilweise mit Sitzbänken ausstaffiert und mit Sieben-Söhne-des-Himmels-Sträuchern bewachsen. Himmlischen Frieden haben die schnell wachsenden Ziergehölze bis jetzt nicht gebracht. Denn die Diskussion um eine weitere Umgestaltung des innerstädtischen Langzeitprojekts geht lebhaft weiter: Die einen wollen ihre Parkplätze zurück, die anderen eine Park-ähnliche Anlage, die dritten sudern, weil der Platz vor der Domkirche nicht an jedem Tag der Woche belebt ist, und auch, weil Erwartungen geweckt wurden, die bis jetzt nicht erfüllt sind. 

Sag mir, wo die Autos sind
Eine zusätzliche Innenstadtgarage als Ersatz für wegfallende Parkplätze war immer Teil des Plans für die Umgestaltung des Domplatzes, also seit 2010. Neun Jahre später verkündeten Bischof Alois Schwarz und Bürgermeister Matthias Stadler die Errichtung einer Tiefgarage unter dem östlichen Teil des Bischofsgartens. Matthias Stadler im Jahr 2019: „Die Stadt wird sich in enger Abstimmung mit der Diözese um die Umsetzung kümmern.“ 
2024 wurde mit der Benda Immobiliengruppe ein Projektentwickler gefunden. Die Tiefgarage entsteht auf dem Grundstück der Diözese St. Pölten unter dem Bischofsgarten. Auf zwei Ebenen werden dabei rund 280 Parkplätze entstehen. Die Zufahrt soll über die Klostergasse erfolgen. Verbinden wollen die Immobilienentwickler die Garagen-Anlage mit einem Neubau in der Grenzgasse 6-8, der auch als Ein- und Ausgang für die Domgarage dienen soll. 
2026 waren die Archäologen schon am Werk, Aussagen über einen konkreten Garagen-Fahrplan sind aber schwer zu bekommen. Bischof Alois Schwarz erklärt, dass die Diözese nur die Fläche zur Verfügung stelle: „Diese Frage müssen Sie an die Stadt St. Pölten beziehungsweise den Projektentwickler richten. Mit der konkreten Planung und Umsetzung des Projekts ist die Diözese jedoch nicht befasst.“ Bürgermeister Matthias Stadler ist der Ansicht, dass das Projekt ein Geschäft zwischen Diözese und Garagenbetreiber ist. Letzterer klärt auf: „Es ist alles auf Schiene. Bis Ende 2026 sind die archäologischen Arbeiten abgeschlossen, dann geht’s los“, sagt Projektentwickler Walter Benda. Verzögerungen habe es wegen der Umwidmung für das Haus in der Grenzgasse gegeben, das ist jetzt erledigt. So gesehen dürften in zwei Jahren die ersten Autos unterm Bischofsgarten parken können.
Apropos parken: „Für uns als Kirche ist das ein wichtiges Thema“, betont der Bischof, der immer wieder Meldungen bekommt, dass Personen, die nicht so gut zu Fuß sind, die Situation als schwierig empfinden. „Wenn Menschen sagen, dass sie sich aufgrund der Parkplatzsituation schwertun, einen Gottesdienst oder eine Veranstaltung im Dom zu besuchen, müssen wir das ernst nehmen. Aus diesem Grund haben wir auch den Brunnenhof der Diözese an Sonntagen für Messbesucher zum Parken geöffnet.“ 

Was spielt sich ab am Platz vor dem Dom?
„Der Domplatz wird als multifunktionaler Platz für den Wochenmarkt, für liturgische Zwecke und Open-Air-Festivals genutzt. Die Gestaltungsmaßnahmen definieren einen großzügigen städtischen Raum, der diese variablen Nutzungen aufnimmt und die notwendige Infrastruktur anbietet.“ 
Das planten die Domplatz-Architekten Jabornegg & Palffy bereits 2010. 
2026 herrscht an den Markttagen reges Treiben auf dem Domplatz, auch rundherum in der Innenstadt, desgleichen bei Veranstaltungen. Sonst queren wenige Menschen die freie Fläche, auf ihrem Weg zur Kirche, zum Museum am Dom, zur Stadtbibliothek, zum Lokal „Das Römer“. 
Für Events funktioniert der Platz offensichtlich hervorragend, wie auch Festspielhaus-Geschäftsführer Thomas Gludovatz bestätigt. „Wir sind mit der Weiterentwicklung des Domplatzes als Veranstaltungsort unserer Open-Air-Konzerte sehr zufrieden: Die Infrastruktur funktioniert logistisch hervorragend, und das Ambiente wird sowohl vom Publikum als auch von den Künstlern und Künstlerinnen geschätzt. Für das Festspielhaus St. Pölten und das Tonkünstler-Orchester Niederösterreich bietet der Domplatz die wunderbare Möglichkeit bis ins Herz der Stadt in den öffentlichen Raum hineinzuwirken.“ 22.000 Gäste waren bisher von den bestens besuchten Konzerten begeistert. Diese sollen künftig so weitergeführt werden. Thomas Gludovatz: „Aus unserer Sicht soll durch die Domplatz-Konzerte vor allem die äußerst positive Imageentwicklung der Stadt St. Pölten weiter vorangetrieben werden. Uns war und ist wichtig, jeweils Programme mit Alleinstellungsmerkmalen anzubieten. Mit „Tonkünstler & Friends“ wird ein einzigartiges Crossover-Erlebnis mit unserem Residenzorchester und renommierten Stimmen aus Jazz und World geboten, während sich „Pop am Dom“ einem jüngeren und urbanerem Publikum zuwendet. Ziel ist es jedenfalls, einen möglichst breiten Mehrwert für die Stadt St. Pölten zu schaffen.“
Der kostet jährlich 950.000 Euro, die sich Stadt und Land teilen, die Kartenerlöse betrugen heuer etwa 150.000 Euro. 
In vielen Medien ist die Resonanz auf St. Pöltens Kulturveranstaltungen quasi hymnisch und reicht von ‚Yes, St. Pölten!‘ als Titel der Musikkritik im Falter über „Sensationell“ in der Presse und „St. Pölten zeigt, wie selbstverständlich Kultur, Stadtleben und Genuss ineinandergreifen“ (Der Standard) bis zur Liebeserklärung des oeticket-Magazins an die Stadt: ‚Fünf Gründe, warum St. Pölten besser als sein Ruf ist‘.  Pop am Dom ist eines der Hauptargumente dafür, warum die Landeshauptstadt heute ein moderner, pulsierender Anziehungspunkt ist. „Genau diesen nachhaltigen Mehrwert für das Image und die Identität St. Pöltens wollen wir mit unseren Open-Airs weiter stärken“, so der Festspielhaus-Geschäftsführer. 
Warum gibt’s dann nicht mehr davon? „Ein Handicap ist – das muss man so sagen – das NÖ Veranstaltungsgesetz. Hier gibt es eine Beschränkung für bestimmte Tage und Örtlichkeiten, wobei der Herrenplatz und der Domplatz etwa gemeinsam betrachtet werden müssen“, so Bürgermeister Matthias Stadler, der zwar nicht genau benennt, an wie vielen Tagen der Platz bespielt wird, aber auf das Bravissimo, die Tankbier-Tage, die Pride und den Eislaufplatz im Winter hinweist.

Was bringt die Zukunft?
Im Koalitionspakt der rot-grünen Stadtregierung ist eine Umgestaltung des Platzes festgeschrieben. „Wir bekennen uns dazu, eine weitere Aufwertung des Domplatzes voranzutreiben, und werden die Ergebnisse präsentieren, sobald sie auf dem Tisch liegen“, so Bürgermeis­ter Stadler. Der Denkmalschutz muss beachtet werden und empfiehlt: Damit die archäologischen Funde nicht zerstört werden, sollten keine tiefwurzelnden Gewächse gepflanzt werden.
Stadlers grüner Stellvertreter Walter Heimerl-Lesnik bringt’s so auf den Punkt: „Da eine gute Lösung wichtiger als eine schnelle Lösung ist, steht ein genauer Zeithorizont noch nicht fest. Es wird jedoch mit Druck daran gearbeitet. Mein Motto für den Domplatz lautet: ‚Grün wo geht und möglichst viel Schatten!“  

Die Gastronomie am Domplatz 
2023 beauftragte der Gemeinderat die Marketing St. Pölten GmbH, das Lokal am Domplatz anzumieten. Die Kosten, die von der Stadt als Hauptmieter gezahlt werden, werden 1:1 an den Betreiber des Römer weiterverrechnet. Die Terrasse ist Teil des Domplatzkonzeptes und wurde, wie alles andere auch am Domplatz, von der Stadt finanziert. Der Betreiber des Lokals zahlt für die Benützung der Terrasse eine Gebrauchsabgabe.
„Das Römer“ hat vor ungefähr zwei Jahren eröffnet. Besonders gut angenommen wird die Vielfalt im Tapas-Lokal – vom schnellen Mittag­essen bis zum entspannten Abend mit mehreren kleinen Gerichten. Die stärkste Frequenz spürt Gastronom Phillip Neuhauser zu Mittag unter der Woche sowie abends Richtung Wochenende.

Stellt euch die Lage am Domplatz vor besondere Herausforderungen? Merkt ihr, wenn grad nichts los ist auf dem Platz?
Der Domplatz ist ein besonderer Standort – mit viel Potenzial. Natürlich merkt man, dass der Platz derzeit keine Hochphase hat und allgemein wenig Frequenz ist. Das wussten wir auch von Anfang an, darum waren angekündigte Verbesserungen rund um den Domplatz, allen voran die neue Parkgarage, Hauptgründe für unsere Investition. Leider blieben die meisten dieser Abmachungen bis dato nur leere Worte. 
Gleichzeitig sehen wir genau in dieser Situation auch die Chance, selbst aktiv zur Belebung beizutragen.
Es ist uns wichtig, dass unsere Gäste sich bei uns wohlfühlen – unabhängig davon, wie viel rundherum passiert. Gleichzeitig würde dem Platz insgesamt mehr Aufenthaltsqualität sicher guttun, so wie es an Samstagen vormittags seit vielen Jahren funktioniert. Schon einfache Dinge wie zusätzliche Sitzmöglichkeiten oder kleine, wechselnde Angebote für Familien könnten hier viel bewirken. Wir erleben jeden Tag, was am Domplatz möglich ist – und genau deshalb sind wir überzeugt, dass da noch mehr drinsteckt. Mit ein bisschen mehr Leben im Alltag wird er sich ganz natürlich zu einem echten Treffpunkt für die Menschen in St. Pölten entwickeln.

Domplatz-Historie
• von 2010 bis 2020 Grabungen 
• 2010 Wettbewerb und Errichtungsauftrag an Jabornegg & Palffy
• März 2022 beschloss der Gemeinderat 3,7 Millionen Euro für die Gestaltung
• seit Juli 2022 autofrei