Strafe genug
Text
Michael Müllner
Ausgabe
09/2026
Während Österreich übervolle Gefängnisse, überforderte Justizwache und bessere Kriminalpolitik diskutiert, sind in der Justizanstalt St. Pölten rund 250 Personen eingesperrt. Wie geht es den Menschen hinter Gittern?
Zwanzig Jahre sind vergangen, seit ich im Jahr 2006 das erste Mal als Journalist vor dem massiven Tor in der Andreas-Hofer-Straße stand. Damals wie heute fühlen sich die ersten Schritte im Eingangsbereich der St. Pöltner Justizanstalt sehr speziell an. Was hier Torwache heißt, ist die ortgewordene Grenze zwischen selbstbestimmter Freiheit und einem Leben in totaler Abhängigkeit. Willkommen im Gefängnis.
Mein erster Weg führt in den ersten Stock des Verwaltungsgebäudes, ich lerne Maria Lalics kennen, sie leitet die Justizanstalt St. Pölten mit über hundert Beschäftigten und rund 250 Häftlingen. Zusätzlich zu meinen zwanzig Jahre alten Erinnerungen habe ich auch aktuelle Fragen mitgebracht. Es ging ja jüngst durch die Medien: Strafrechtsexperten schlagen Alarm, übervolle Gefängnisse und Personalmangel verhindern einen menschenwürdigen Strafvollzug. Wie sehen das die Verantwortlichen vor Ort? Ich erfahre viele Fakten und Hintergründe, lerne die Einstellung der Leiterin kennen und spreche mit der Verantwortlichen für den Sozialen Dienst. Anschließend breche ich auf und werde durchs Haus geführt. Es ist nach 15:00 Uhr, alle Häftlinge sind längst wieder in ihren Hafträumen untergebracht, die Gänge und Werkstätten leer. Da ich mein Smartphone abgeben muss, macht ein Justizwachebeamter für mich Fotos, ich wähle Motive und Bildausschnitt, er knipst und erläutert dabei dank seiner langjährigen Erfahrung alles Wissenswerte zum Haus.
Keine Luxuszellen
Wo viele Menschen zusammenleben, braucht es klare Spielregeln. Der Alltag ist bis ins kleinste Detail geplant, für Spontaneität bleibt hier ebenso wenig Platz wie für Privatsphäre. Dennoch scheint es hier geordnet und respektvoll zuzugehen, soweit man dies als Kurzzeitgast beurteilen kann. Sicher bin ich mir hingegen bei einer anderen Einschätzung: Wer in Österreichs Gefängnissen Luxuszellen vermutet und bei Strafhaft an Urlaub denkt, der hat keine Ahnung von der Realität. Die Hafträume sind voll belegt, man teilt sich mit fünf, sechs Männern wenige Quadratmeter. Tag für Tag, oft 23 Stunden am Tag. Es gibt einen Fernseher, aber welcher Kanal läuft, muss man sich mit den Kollegen ausmachen. Sozialarbeiterin Michaela Dorn nennt dieses ständige Bemühen um einen gemeinsamen Nenner, einen fairen Kompromiss, schon mal eine Strafe an sich. Das Leben ist vorbestimmt durch andere. Wann man aufsteht, ob man duschen kann, ob man Arbeiten darf. Besuch von den Liebsten in einem Raum mit drei Fremden, dafür mit einer Glaswand zwischen Häftling und Gast, verbunden nur durch ein Telefon. Wer Glück hat und einen sogenannten Kontaktbesuch bekommt, der darf alleine in einem Raum sitzen und bis zu drei Gäste empfangen, vielleicht die Frau und die Kinder? Die aufmerksamen Augen der Justizwache schauen zu, wenn sich nach Monaten die Hände wieder berühren, die Tischplatte aus Plexiglas verhindert, dass heimlich etwas zugesteckt wird.
Ein bisschen Glück
Wer die Zelle verlassen darf, ist glücklich. Eine Stunde pro Tag Hofspaziergang. Gelegentlich Volleyball am Sportplatz. Aber kein Fußball, Kontaktsportarten sind nicht vorgesehen. Bloß kein Stress.
Ein Gesprächstermin mit Psychologen, Sozialarbeitern, Pädagogen wird zum abwechslungsreichen Highlight und gibt eine Perspektive für das Leben danach. Man hat Zeit zum Reflektieren. Glücklich ist, wer arbeiten darf. Nach dem Abzug des Vollzugskostenanteils und einem Beitrag zur Arbeitslosenversicherung bleiben „netto“ zwischen 2 und 3 Euro pro Stunde. Davon wird eine Hälfte als Rücklage bis zur Entlassung angespart, mit der anderen Hälfte darf man zwei Mal in der Woche im Gefängnis-Shop einkaufen. Echtes Shoppen ist das freilich nicht, denn die Ware ist hinter einer Glasscheibe versteckt, das Sortiment kann man auf Papierlisten durchsehen und leistet man sich eine Getränkekiste, wird diese durch eine riesige Katzenklappe zum Käufer geschoben. Dennoch schafft man so etwas Alltag und wahrt Menschenwürde. Und wer telefonieren darf, der steht tatsächlich wie in den Fernsehserien am Gang und tippt auf Tasten die Nummer seiner Wahl. Aber wenn niemand abhebt? Dann hat man Pech gehabt, einen Rückruf gibt’s nicht.
Katz und Maus
Wie kann das sein, dass in so einem hermetisch abgeriegelten Rahmen dennoch immer wieder verbotene Sachen gefunden werden. Handys? Drogen? Ein Verdacht fällt auf Freigänger, doch die werden ja beim Einrücken kontrolliert? Ich erfahre, dass es Mobiltelefone gibt, die sind extrem klein und passen perfekt in Körperöffnungen. Im Internet kann man Penisattrappen bestellen, die befüllt man mit „sauberem“ Fremdurin und schnallt sie um. So täuscht man beim Urintest vor, dass man clean ist. Mittlerweile sind diese Attrappen sogar beheizt, der fremde Urin ist bei der Kontrolle also körperwarm. Mit einer Spiegelwand am Ordinations-WC fliegen Täuschungsmanöver auf, auch wenn die Intimsphäre leidet. Mit anderen Worten: Beide Seiten spielen kreativ Katz und Maus. Zudem steht das Gefängnis mitten in der Stadt. Die lange, hohe Mauer sollte Insassen drinnen und Sachen draußen halten. Dennoch soll es schon vorkommen, dass „Geschenke“ über die Mauer fliegen. Apropos Mauer: 2023 fuhren Komplizen mit einem am Auto befestigten Seil vor, warfen dieses über die Mauer und hofften so einen Insassen ins Freie zu befördern. Das Seil riss, der Mann blieb schwerverletzt am Gefängnisboden liegen. Keine Spur gibt es jedoch von zwei Osteuropäern, die 2006 geflohen sind. Dank Geheimdienst-Background entfernten sie geschickt Ziegelsteine eines zugemauerten Lüftungsschachts und flohen filmreif mit Leintüchern. Doch solche Vorfälle sind extrem selten, die Sicherheitsvorkehrungen massiv. Nicht nur die Bediensteten möchten sicher nach Hause kommen, auch für die Insassen möchte man größtmöglichen Schutz bieten, wenngleich auch in Justizanstalten Gewaltdelikte passieren. Die Kunst ist, Konflikte gar nicht erst entstehen zu lassen, indem man überlegt, wer sich einen Haftraum teilt. Vom Alter über die Sprache bis hin zur kriminellen Vorgeschichte gibt es zahlreiche Variablen, die in einer sich ständig ändernden Gleichung austariert werden. Gerade bei psychischen Problemen kommt es immer wieder auch zur Eigen- und Fremdgefährdung, dann werden Personen in besonders gesicherte Einzelzelle abgesondert: Kunststoffmatratze statt Metallbett, zudem videoüberwacht, während es in normalen Hafträumen keine Videoüberwachung gibt. Das Justizwache-Team wirkt jung, freundlich, korrekt, ähnlich wie bei der Polizei draußen vergisst man fast, welch schwere Verantwortung sie tragen. Immerhin leisten sie Tag für Tag ihren Beitrag dazu, dass wir uns hier draußen sicher fühlen.
Die Justizanstalt St. Pölten zum Stichtag 25.08.2026
• 190: Anzahl der Strafhäftlinge
• 54: Anzahl der Untersuchungshäftlinge
• 11: Anzahl der sonstigen Häftlinge (etwa Auslieferungshaft)
• 89: Anzahl der Exekutivbediensteten (Justizwache)
• 15: Anzahl der Zivilbediensteten (der Verwaltung/Fachdienste)
• 38: Anzahl der unterschiedlichen Nationalitäten der Häftlinge
• 91: Anzahl der betreuten Untergebrachten im Klinikum Mauer
• 29: Anzahl der aktuell betreuten Strafhäftlinge im elektronisch überwachten Hausarrest („Fußfessel“)
INTERVIEW ANSTALTSLEITERIN MARIA LALICS
Ihre Justizkarriere begann Maria Lalics als Staatsanwältin in St. Pölten, später wechselte sie in verschiedene Positionen im Justizministerium und zur Oberstaatsanwaltschaft Wien. Im September 2025 übernahm sie die Leitung der Justizanstalt St. Pölten mit rund 250 Insassen und 100 Beschäftigten.
Als Kind träumt man ja eher nicht davon, einmal Gefängnisdirektorin zu werden. Wie kamen Sie zu dieser Aufgabe?
Ich habe mich schon immer sehr für Menschenrechte interessiert. Schon als Staatsanwältin hat mich beschäftigt, was nach einer Verurteilung mit den Menschen passiert, die wir wegsperren. Im Strafvollzug vollziehen wir natürlich Entscheidungen der Gerichte, zugleich bringt die Leitung einer Justizanstalt aber sehr viele Gestaltungsmöglichkeiten mit sich. Das macht diese Aufgabe sehr spannend.
Eigentlich dachte ich bei einer Anstaltsleitung immer nur an eine Person aus der Justizwache ...
Viele Kolleginnen und Kollegen kommen seit jeher aus dem Exekutivdienst, das stimmt. Aber es ist ein Ziel der Bundesverwaltung, die Anstaltsleitungen auch mit Juristinnen und Juristen zu besetzen. Im Haus arbeiten ja verschiedene Kräfte zusammen, die Abteilungsbeamten der Justizwache und die zivile Verwaltung sowie die Betreuungsdienste. Bei den Ausschreibungen für Leitungspositionen achtet man auch auf Führungserfahrung und umfassende Kenntnis der Strafjustiz.
Die St. Pöltner Justizanstalt ist für 229 Personen ausgelegt. Heute haben Sie 253 Personen gezählt. Die Stockbetten in den Hafträumen sind voller als vorgesehen. Wie schlimm ist die Lage?
Desto enger es im Haftraum wird, desto mehr Konflikte entstehen und somit sind alle noch mehr gefordert – die Insassen, aber auch das Personal. Aber der Überbelag alleine macht mir keine schlafenlosen Nächte. Wir wissen, dass es sich um eine Wellenbewegung handelt, tägliche Zu- und Abgänge sind normal. Aber ja, die Höchststände bei den Belegungen sind österreichweit ein schwieriges Thema, der Trend zeigt steigende Haftzahlen und einzelne Justizanstalten sind noch deutlich stärker belastet als wir in St. Pölten. Das Ministerium reagiert auch auf diese Problematik, auch mit baulichen Maßnahmen, aber diese brauchen ihre Zeit und somit hinkt man mit den Maßnahmen immer den leider steigenden Haftzahlen nach. Derzeit werden beispielsweise Kapazitäten aus dem regulären Strafvollzug umgeschichtet, damit man die dringend nötigen Kapazitäten in den forensisch-therapeutischen Zentren aufstocken kann, wo psychisch kranke Straftäter untergebracht sind.
St. Pölten ist ein reines Männergefängnis. Neben Untersuchungshäftlingen werden Strafgefangene mit bis zu 18 Monaten Freiheitsstrafe angehalten. Machen kurze Freiheitsstrafen Sinn oder kommen die Leute krimineller raus, als sie reingekommen sind?
In der Regel sind die Strafgefangenen eher kurz hier. Ausnahmen gibt es aber, wenn im Sinne der Resozialisierung eine Strafhaft in St. Pölten besser geeignet erscheint, etwa weil Familienbesuche hier eher möglich sind oder weil jemand durch eine längere Untersuchungshaft schon gut mit dem Anstaltsalltag vertraut ist. Die Sinnhaftigkeit von Strafen ist eine kriminalpolitische Frage, dabei geht es weniger um die Frage, ob wir überbelegt sind, sondern wie eine Sanktion wirkt. Experten diskutieren aktuell verstärkt gemeinnützige Leistungen als Alternative zu Freiheitsstrafen. Unsere Aufgabe ist es aber, Urteile zu vollziehen, die auf Basis von Gesetzen von unabhängigen Gerichten ausgesprochen wurden. Natürlich ist Resozialisierung auch bei kurzen Haftstrafen möglich, dafür setzen wir uns täglich ein. Mit dem elektronisch überwachten Hausarrest sieht das Gesetz zudem eine sehr streng geregelte Alternative zur Unterbringung in einer Haftanstalt vor, auch diese Anträge werden bei uns im Haus geprüft.
Wie entscheiden Sie, wer eine Fußfessel bekommt?
Wenn Sie die Aufforderung zum Haftantritt bekommen, können Sie einen Antrag stellen und wir prüfen, ob die gesetzmäßigen Voraussetzungen erfüllt sind. Sie brauchen insbesondere eine geeignete Wohnmöglichkeit, eine Beschäftigung und eine positive Risikoprognose. Dafür sichten wir Ihren Akt und beauftragen Erhebungen, etwa ob absehbar ist, dass Sie diese Vollzugsform missbrauchen könnten. Die Fußfessel ist bestimmt kein Geschenk, man ist im Alltag massiv eingeschränkt. Aber man kann seinem Job weiter nachgehen, was wichtig ist. Natürlich hilft diese Vollzugsform auch in Zeiten eines starken Überbelags in Hafträumen. Viele Menschen stellen aber gar keinen Antrag. Entweder weil sie die Voraussetzungen nicht erfüllen oder weil sie die Strafhaft bevorzugen. Zudem können Gerichte die Fußfessel für den ersten Teil der Strafhaft ausschließen.
Was erwartet die Menschen beim Haftantritt?
Ich vergleiche uns gerne mit einem kleinen Dorf. Unsere Aufgabe ist es, alle Insassen zu versorgen – mit Essen, aber auch medizinisch oder mit Betreuungsdiensten. Wir haben tageweise praktische Ärzte und Zahnärzte, wir haben Psychologen und wenn nötig Psychiater und natürlich auch Sozialarbeiter und Sozialpädagogen, insbesondere für die jüngeren Häftlinge. Es gibt einen Deutschlehrer, der mehrmals die Woche kommt, bei Jugendlichen gibt es ja auch Schulpflicht in der Justizanstalt. Mit unseren Betrieben versuchen wir auch möglichst viele in Beschäftigung zu bringen, damit sie eine Aufgabe haben, aus dem Haftraum rauskommen und etwas Geld verdienen.
Welche Tätigkeiten gibt es denn im Haus?
Einerseits kann man für einen Gang mit mehreren Hafträumen verantwortlich sein, für Sauberkeit und Ordnung sorgen und das Essen ausgeben. Andererseits versuchen wir möglichst alle Arbeiten selber im Haus zu erledigen. Sehr wichtig ist dafür der große Garten, dort bauen wir Gemüse an, das spart Kosten, schafft aber auch für viele eine sinnvolle Beschäftigung. Gerade bei mentalen Problemen sehen wir oft, dass Häftlinge etwa beim Betreuen der Hühner im Stall richtig aufblühen. Wir versuchen, möglichst vielen einen Platz und eine Aufgabe zu geben. In der Wäscherei waschen die Häftlinge die Kleidung für sich und für die Justizwache. Einfache Reparaturarbeiten machen wir selber, in einer unserer Werkstätten. Am beliebtesten ist das Arbeiten in der Küche, denn gekocht wird natürlich täglich und somit kann man dort am meisten Geld verdienen. Wir haben auch einen guten Ruf, was das Essen betrifft und versorgen nicht nur die Häftlinge, sondern auch die Bediensteten im Haus sowie im Landesgericht und kochen für das polizeiliche Anhaltezentrum. Tatsächlich ist anständiges Essen nicht nur eine Grundlage für einen menschenwürdigen Strafvollzug, sondern auch ein wichtiger Beitrag für ein gutes Klima im Haus. Ein Herzensanliegen sind uns auch die Unternehmensbetriebe in der Anstalt, bei denen Häftlinge unter Anleitung und Aufsicht der Justizwachebeamten verschiedene Hilfstätigkeiten ausüben. Das geht von einfachen Sortierarbeiten bis zu Arbeiten auf Facharbeiterniveau, je nachdem, wer gerade bei uns untergebracht ist.
Unternehmen können sich melden und den Häftlingen Arbeiten übertragen?
Das würde uns freuen. Wir führen einfache Arbeiten preiswert aus, die Unternehmen sind etwas entlastet und zugleich bieten wir den Menschen hier eine Perspektive. Da wir aber nie planen können, welche Personen in Zukunft verfügbar sein werden, können wir dringende Aufträge nicht so gut annehmen, da brauchen wir etwas Flexibilität auf Seiten der Auftraggeber.
Wie sieht ein Tag für einen Häftling aus? Man hört Schauergeschichten von 23 Stunden im Haftraum.
Wenn jemand keiner Arbeit nachgeht und keine sonstigen Termine hat, dann stimmt das auch. Gesetzlich vorgesehen ist pro Tag ein einstündiger Spaziergang im Hof. Darum sind wir auch so bestrebt, möglichst vielen Personen eine Beschäftigung zu geben, damit sie eben nicht fast den ganzen Tag nur im Haftraum verbringen. Der Tag beginnt um 7:15 Uhr mit dem Frühstück, die Medikamentenausgabe erfolgt davor. Dann werden die Leute aus den Hafträumen in die Betriebe gebracht, wo sie ihrer Arbeit nachgehen, die Unbeschäftigten haben am Vormittag ihren Aufenthalt im Freien. Das Mittagessen erfolgt wieder in den Hafträumen. Unterbrochen wird dieser Alltag nur von Terminen. Das kann ein Deutschkurs sein oder eine Therapiesitzung im Gruppenraum. Vielleicht bekommt man Besuch von einer Sozialarbeiterin, geht zur Ärztin, hat einen Spaziergang im Hof, darf am Gang ein Telefonat führen und erhält Besuch von seinem Rechtsanwalt, wenn eine Verhandlung ansteht. Das Highlight ist natürlich, wenn jemand Besuch von Familienmitgliedern bekommt, Besuchstermine bucht man über unsere Website. Leider haben wir viele Häftlinge, die tatsächlich so gut wie nie besucht werden. Um 15:15 Uhr endet der Tagdienst und ab dann sind alle wieder in den Hafträumen eingeschlossen, bis der nächste Tag beginnt. Für die Insassen im gelockerten Vollzug, die sich bereits bewährt haben, sind die Hafträume länger offen.
Kann man sich aussuchen, wann man duschen geht?
Nein, es gibt für jeden Haftraum ein vorgegebenes Zeitfenster. Beschäftigte duschen täglich, Unbeschäftigte mindestens zwei Mal pro Woche. Dabei treten alle Häftlinge dieses Raumes in den Duschraum und duschen gleichzeitig. Es gibt nur Trennwände zwischen den Brausen. Anders wäre es praktisch nicht möglich.
Wie steht es um die Gesundheit der Häftlinge?
Wir haben fixes Pflegepersonal im Haus und Ärztinnen, die uns regelmäßig besuchen. Sehr viele Häftlinge brauchen Medikamente, oft auch Drogenersatzmedikamente. Diese werden vom Pflegepersonal ausgegeben, was an sich schon ein gewaltiger Aufwand ist. Natürlich werden alle medizinisch versorgt, dafür haben wir in der Arztordination die Möglichkeit mittels Videodolmetsch spontan unterschiedliche Sprachen anzufordern, damit wir uns mit den Häftlingen verständigen können. Auch eine Zahnärztin ist im Haus tätig und natürlich auch Psychologinnen und eine Psychiaterin, je nach Notwendigkeit. Mentale Probleme und Suchtproblematiken bestimmen leider oft den Alltag der Häftlinge.
Wie sieht die Resozialisierungsarbeit aus?
Mein Motto für einen humanen Strafvollzug ist, dass wir zwar die Tat ächten, aber nicht den Täter. Wir wollen uns anschauen, was zur Straftat geführt hat. Da spielen viele Ursachen mit. Unsere Psychologinnen bieten etwa Gruppenangebote, bei denen man sich mit Drogensucht oder Aggressionsproblemen beschäftigen kann. Wie verhindert man einen Rückfall in ein Suchtverhalten? Was sind Alternativen zu Gewalt? Wie verhindert man eine Radikalisierung des Gedankenguts? All diese Angebote setzen aber voraus, dass der Häftling bereit ist mitzuarbeiten. Sehr viel Sinn machen auch bedingte Haftentlassungen, also wenn jemand unter Setzung von Auflagen früher aus der Haft entlassen wird, weil wir dabei noch eine Zeit lang die Entlassenen begleiten und kontrollieren, ob sie wirklich Verantwortung übernehmen und bereit sind, ihr Verhalten nachhaltig zu ändern. Man darf nicht unterschätzen, wie viel Stärke, aber auch Zeit es braucht, eigenes Fehlverhalten zu reflektieren.
Sie kennen alle Häftlinge persönlich? Spielt es dabei mitunter eine Rolle, dass Sie eine Frau sind?
Es gibt wöchentlich einen Rapport, da stelle ich mich allen Neuzugängen persönlich vor und erklären ihnen die Spielregeln im Haus. Ich hatte nie den Eindruck, dass es dabei eine Rolle spielt, dass ich eine Frau bin. Der Umgang ist immer sehr respektvoll. An sich ist die exekutive Justizwache noch männlich dominiert, bei uns sind nur ein Fünftel Kolleginnen. In den zivilen Fachdiensten und in der Verwaltung arbeiten hingegen fast nur Frauen. In der Justizwache hat sich in den letzten Jahren auch sehr viel getan, wir sind auf einem sehr guten Weg, ich würde gerne auch einen Aufruf machen, dass sich Menschen mit diesem spannenden Berufsbild auseinandersetzen.
Was spricht denn für einen Job bei der Justizwache? Welche Ausbildung braucht man dafür?
Nun, wir haben ein hervorragendes Klima des Zusammenhalts im Haus. Und wir bieten einen wirklich sinnstiftenden Beruf. Man kann sich über die Website der Justiz einfach informieren, sehr empfehlen kann ich auch den Online-Recruiting-Day. Die Berufsfelder sind abwechslungsreich und man kann sich laufend weiterentwickeln. Aktuell haben wir sechs zukünftige Kollegen, die ihre einjährige Ausbildung machen und uns dann bald verstärken werden. Auch Quereinsteiger sind sehr willkommen, ich denke etwa an Handwerker, die zu uns wechseln und als Justizwachebeamte dann weiterhin in unseren Betrieben ihr Fachwissen mit den Häftlingen teilen können. Es ist natürlich eine sehr komplexe Arbeit, eine Arbeit mit Menschen, oft auch mit Menschen, die nicht immer einfach sind. Wer bei uns arbeitet, leistet einen aktiven Beitrag für Menschen am Rande der Gesellschaft – und damit auch einen wichtigen Beitrag für unsere Gesellschaft insgesamt.
Sind alle Stellen derzeit besetzt?
Im Exekutivdienst sind rund 95 Prozent der Stellen besetzt, bei den nicht exekutiven Diensten sind wir fast voll. Aber natürlich ist die Arbeitsbelastung schon hoch, insbesondere in der Urlaubssaison oder wenn wir aufgrund von Krankenständen Engpässe haben.
Wenn man Ihnen zuhört, klingt die Realität in dieser Justizanstalt nicht so dramatisch, wie es medial oft vermittelt wird: menschenunwürdige Bedingungen, Personalengpässe, bis hin zu Todesfällen.
Ich kenne die angesprochenen Fälle nicht im Detail und kann darum inhaltlich nichts dazu sagen. Man muss vorsichtig sein, wenn man Fälle nur aus den Medien kennt, da in diese Berichterstattung meist nicht alle Fakten einfließen können und man somit nur eine Perspektive transportiert bekommt. Tatsache ist aber, dass uns Überbelag und Personalmangel beschäftigen. Es stimmt auch, dass die Kolleginnen und Kollegen teilweise wirklich sehr viel arbeiten müssen. Es ist das gute Recht der Personalvertretung, dass sie Dinge sehr laut auf den Punkt bringen, um ihren Anliegen Gehör zu verschaffen. Dennoch möchte ich betonen, dass wir in St. Pölten unser Bestes geben – generell im Strafvollzug in Österreich. Wir sind ja nicht nur für die Insassen verantwortlich, sondern auch für alle Bediensteten. Wenn ich da etwa an das Angebot von Supervision denke, an den Stellenwert von Psychohygiene – da hat sich in den letzten Jahren in der Justiz sehr viel zum Positiven verändert, man geht auch mit den Schwierigkeiten des Jobs viel offener und professioneller um. Und aktuell kommen junge Auszubildende nach, um die erhöhten pensionsbedingten Abgänge zu kompensieren.
Trotz aller Einschränkungen unterscheidet sich die Welt hinter Gittern nicht so sehr von der in Freiheit?
Letztlich ist der Strafvollzug einfach ein Spiegelbild unserer Gesellschaft. Bei uns geraten aber manche Probleme in den Fokus. Ich bringe ein Beispiel: Wenn jemand drogenabhängig und/oder psychisch krank ist und im Gesundheitssystem „draußen“ nicht ausreichend behandelt werden kann, dann ist das oft eine Vorgeschichte zu einer späteren Straffälligkeit. Landen diese Leute dann im Strafvollzug, sind ihre Grundprobleme die gleichen, wie zuvor in Freiheit.
INTERVIEW MICHAELA DORN
Abgesehen von der Justizwache und der Verwaltung sind auch drei „Betreuungsdienste“ in der Justizanstalt St. Pölten tätig. Neben Sozialpädagogen und Psychologen kümmern sich auch Sozialarbeiter um die Inhaftierten. Michaela Dorn leitet das fünfköpfige Team des „Sozialen Dienstes“.
Was ist die Aufgabe des Sozialen Dienstes in der Justizanstalt?
Gleich nach den Beamtinnen und Beamten der Justizwache sind wir die nächsten, die mit den Klienten in Kontakt kommen, sobald sie hier im Haus ankommen. Wir begleiten sie auf ihrem Weg im Haus. Das ist ein sehr vielseitiger, schöner Aufgabenbereich. Jeder Mensch hat ganz individuelle Anliegen und Themen, bei denen wir versuchen zu helfen. Verglichen mit der Justizwache haben wir natürlich unterschiedliche Aufträge, aber das gemeinsame Ziel ist es diese Menschen gut zu begleiten.
Sie arbeiten seit sechzehn Jahren in diesem Haus. Was sind die größten Schwierigkeiten?
Die Sprachbarriere ist ein Riesenthema. Zwar sprechen wir im Team auch mehrere Sprachen, aber natürlich gibt es Leute, mit denen wir uns nicht verständigen können. Dafür gibt es mittlerweile ein Videodolmetsch-Angebot, das wirklich sehr gut funktioniert. Wenn jemand mit einem akuten Problem kommt, dann haben wir meistens die Möglichkeit auch kurzfristig über Video jemand als Dolmetsch zuzuschalten. Im schlimmsten Fall ist die Sprache gerade nicht verfügbar, dann muss man einen Termin ausmachen und sich etwas gedulden. Aber so können wir auch komplizierte Anliegen dank Dolmetscher nachvollziehen und helfen. Teilweise übersetzen sich die Insassen gegenseitig und holen sozusagen als Vertrauensperson Zellenkollegen dazu, aber gerade bei heiklen Anamnesegesprächen ist es natürlich wichtig, dass man diskret und vertrauensvoll miteinander reden kann. Auch die Deutschkurse in der Anstalt zeigen bei vielen schon nach wenigen Wochen Erfolg und sie können einfache Gespräche führen und sich besser im Alltag einbringen.
Wie steht es um die mentale Verfassung der Klienten?
Psychische Auffälligkeiten nehmen zu und als Sozialarbeiter stoßen wir da an unsere Grenzen, weil diese Problematiken schlicht über unsere eigenen Kenntnisse hinausgehen. Glücklicherweise funktioniert im Haus die sehr enge Abstimmung mit der Justizwache auf den Abteilungen und dem psychologischen Dienst. Manche Klienten werden auch einem Psychiater vorgestellt und beginnen eine Behandlung. Wobei wir leider die Erwartungshaltung der Gesellschaft nicht erfüllen können: Wir können weder alle heilen noch können wir Menschen ewig präventiv wegsperren. Gerade wenn jemand psychisch krank ist, braucht diese Person Einsicht in ihre Erkrankung. Dann kann eine Therapie begonnen und bestenfalls erfolgreich abgeschlossen werden. Unser Ziel ist es passende Angebote zu finden, Plätze zu vermitteln. Aber natürlich ist es fraglich, ob die Klienten diesen Weg dann auch wirklich gehen wollen. Gerade bei bedingten Entlassungen haben wir gute Möglichkeiten, die ersten Schritte in der wiedergewonnenen Freiheit zu begleiten und etwas zu lenken.
Sehr viele Straftäter haben auch ein Suchtproblem?
Ja, darum ist Suchtberatung ein wichtiger Aspekt unserer Arbeit. Es gibt neben den Einzelgesprächen auch Gruppenangebote, die gerne angenommen werden. In der Haftanstalt hat man mit Drogenersatzmedikamenten das Problem meistens gut im Griff, doch die große Überwindung ist dann der Schritt zur Therapie nach der Haft. Denn sobald man durch die Türe nach Draußen geht, warten dort wieder die gewohnten Muster und die alten Freunde.
Das klingt nach einem Job mit Frustpotential, wenn bei Manchen das Bemühen nichts bringt?
Arbeit mit Menschen ist immer spannend, aber nie vorhersehbar. Man muss beharrlich sein. Unser Ziel ist es möglichst viele Defizite abzubauen und eine Perspektive für die Zeit nach der Haft zu bieten: Eine Wohnung, ein Job, ein Platz in einer Suchtberatung. Gerade für junge Menschen ist eine Haft tatsächlich oft auch eine Chance wieder Struktur in ihr Leben zu bekommen. Zu einer festen Zeit aufstehen, einen vereinbarten Termin bei einem Betreuungsangebot einhalten, zur Arbeit erscheinen – für viele ist das oft wirklich schwierig und wenn es ihnen gelingt, dann ist das ein erster, großer Erfolg, bei dem wir sie unterstützen können.
In der Bevölkerung herrscht für diese Schwierigkeiten wenig Verständnis. Manche kritisieren Kuscheljustiz und Luxuszellen.
Es wäre schön, wenn die Öffentlichkeit den Wunsch hätte, diese Menschen zu unterstützen und sie zu integrieren, anstatt sie nur zu bestrafen. Wissenschaftlich ist ja klar erwiesen, dass hohe Strafen Kriminalität nicht reduzieren. Zudem erschwert das Stigma des Straftäters das Durchstarten nach der Haft deutlich. Diese Kritiker sollten sich bewusst machen, was Strafhaft bedeutet. Man teilt sich den Haftraum mit mehreren Mithäftlingen. Man muss Tag für Tag ständig den kleinsten, gemeinsamen Nenner finden – für mich ist das schon Strafe genug. Man darf mitunter nur zwei Mal in der Woche duschen – aber nicht allein, sondern gleichzeitig mit den Zellenkollegen. Ich merke nichts von Luxuszellen.
Was sind die schönen Aspekte an Ihrer Arbeit?
Es gibt immer wieder Erfolge. Die Grundlage dafür ist der vorbildliche Zusammenhalt, den wir in diesem Haus quer durch alle Abteilungen und Bereiche leben. Besonders schön war unsere Teilnahme an der heurigen Stadtreinigungsaktion, acht Häftlinge haben mit vollem Einsatz das Stadtgebiet gesäubert. Sie hatten wirklich Freude, dass sie auf diesem Weg der Gesellschaft etwas zurückgeben können.
WOVOR EXPERTEN WARNEN UND WO DIE POLITIK KURZGEDACHT KÜRZT
Experteninnen und Experten für Kriminalitätspolitik warnen zunehmend vor den dramatisch schlechten Zuständen in Österreichs Gefängnissen. Im Netzwerk Kriminalpolitik vereinen sich Universitäten mit den Vertretungen der Richter, Rechtsanwälte und Strafverteidiger sowie mit den Vereinen Neustart und Weißer Ring.
Im Juli schlug das Netzwerk konkrete gesetzliche Maßnahmen vor, um die Situation in den Haftanstalten zu verbessern und damit auch Österreich sicherer zu machen. Ein zentraler Punkt dabei: gemeinnützige Arbeit statt kurzer Freiheitsstrafen. Die Ausgestaltung des Strafvollzugs entscheidet, ob dieser positive Konsequenzen zeigt oder ob er sogar kriminalitätsfördernd wirkt. Verglichen mit dem deutschsprachigen Ausland liegt in Österreich die Gefangenenrate mit 105 von 100.000 Personen sehr hoch. In der Schweiz sind es nur 78 Personen, in Deutschland 69 Personen. Bei durchschnittlichen Haftkosten von 182 Euro pro Tag ist der Strafvollzug auch ein massiver Kostenfaktor.
Zum Stichtag 1. Juni 2026 waren österreichweit 9.124 Personen in Justizanstalten bzw. forensisch-therapeutischen Zentren untergebracht. Bei einer Kapazität von lediglich 8.422 Plätzen zeigt dies einen Überbelag von mehr als acht Prozent. Der damit verbundene Personalmangel führt laut Experten zu einer „nicht akzeptablen Unterversorgung“ und einem erheblichen Sicherheitsrisiko.
Hinzu kommt, dass die Bundespolitik im Zuge der aktuellen Budgetsanierung auch beim Bewährungshilfeverein Neustart den Sparstift ansetzt und die Mittel kürzt. Neustart betreute im Jahr 2025 in Niederösterreich rund 10.000 Personen, allein im Raum St. Pölten waren es 960 Personen. Für das Gesamtjahr 2026 rechnet Neustart mit knapp 1.200 Klientinnen und Klienten, die alleine im Raum St. Pölten betreut werden.
Ein Schwerpunkt des Vereines ist Bewährungshilfe, von den 960 Personen im Vorjahr erhielten rund 500 Bewährungshilfe. Andere Aufgaben des Vereins sind etwa Gewaltpräventionsberatungen, die durch die Polizei nach einem Betretungs- und Annäherungsverbot ausgesprochen werden oder Tatausgleich, wo mit Opfern und Beschuldigten gearbeitet wird.
Alexander Grohs leitet Neustart in Niederösterreich, er erklärt: „Wir arbeiten mit unseren Klientinnen und Klienten daran, nicht mehr straffällig zu werden um dadurch neue Opfer zu verhindern. Einerseits durch Kontrolle. Andererseits durch Unterstützung bei der Organisation ihres Lebens außerhalb der Straffälligkeit. Wichtig ist dabei, dass sie sich mit der eigenen Straftat, den Auswirkungen auf das Opfer, aber auch mit den dahinterliegenden Risikofaktoren auseinandersetzen. Die zentrale Frage ist: Was muss passieren, damit es möglichst kein nächstes Opfer gibt?“
Wie werden sich die Budgetkürzungen auf diese Arbeit auswirken? Grohs: „Man kann Resozialisierung nicht beliebig ‚effizienter‘ machen, indem man weniger Ressourcen zur Verfügung stellt. Was unsere Kolleginnen und Kollegen bei ihrer Arbeit brauchen, ist Zeit – haben wir weniger Ressourcen, haben wir weniger Zeit pro Klienten. Aber wenn wir wollen, dass sich oft jahrzehntelang entwickelte, kriminogene Verhaltensmuster ändern, dann braucht es dafür eben auch ausreichend Zeit. Unsere Tätigkeit erfolgt auf einer gerichtlichen Anordnung, wir können also keine Klienten ablehnen oder sie nach unserem Belieben auf Wartelisten setzen. Egal wo und wie wir als Konsequenz diese Zeit einsparen, es hat kriminalpolitische Konsequenzen. Man spart möglicherweise kurzfristig im Bereich der Resozialisierung, aber nimmt damit spätere Folgekosten und eine schlechtere Sicherheitslage in Kauf.“
Wie sieht der Experte generell die Frage, ob in Österreich zu viel Strafhaft sanktioniert wird? „Strafhaft ist indiziert, wenn sie zum Schutz der Gesellschaft erforderlich ist. Aber Haft alleine löst die Ursache von Straffälligkeit nicht automatisch. Und Studien zeigen, dass sie ohne unterstützende Maßnahmen das Rückfallrisiko verstärkt. Man kann festhalten, kriminelles Verhalten endet nicht an der Gefängnistür, die Frage ist eher, was davor und danach passiert. Wir sollten uns also die Frage stellen, setzen wir unsere Ressourcen dort ein, wo Rückfall- und Gewaltrisiken tatsächlich bearbeitet werden können – oder investieren wir überwiegend dann, wenn bereits ein erheblicher Schaden für andere entstanden ist? Die aktuellen politischen Überlegungen zur Verankerung von gemeinnützigen Leistungen als eigenständige Primärsanktion berücksichtigen diesen Aspekt. Wenn wir über die Kosten von Kriminalität sprechen, dann dürfen wir nicht nur fragen, was ein Präventionsangebot oder Bewährungshilfe kosten, sondern was eine weitere Straftat kostet? Was kostet es dem Opfer? Und natürlich was kostet uns die Strafverfolgung und eine weitere Haft?“
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