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MFG - Das Magazin
St. Pöltens gute Seite

Thomas Fröhlich

Thomas Fröhlich
Redakteur, Kolumnist
Der Kultivierte. Er spielt zwar nicht Geige wie sein Held Sherlock Holmes, dafür genial mit der Feder, ob nun als Autor von Theaterstücken und Büchern auf der schaffenden Seite, oder als Kulturredakteur auf der journalistischen. Mag keine Hunde, dafür liebt er das Gruseln, v.a. aber jene Künstler, die er mit Tiefgang portraitiert.

Foto Elias Kaltenberger

In den Kellern der Nacht

„Die Blumenkinder sind schon tot / Rockstars kennen keine Not / Die Hitparaden spiel´n nur Schund / Wir kommen aus dem Untergrund / [...] / Aus den Kellern der Nacht  / Aus den Kellern der Nacht / [...]“ (Ronnie Urini und die letzten Poeten)

Was Österreichs einziger wirklicher Rockstar, Ronnie Urini alias Ronnie Rocket, in den 1980ern sang, klingt heute beinahe prophetisch. Im St. Pöltner Untergrund, dem Underground, ticken die Uhren nämlich anders. Dunkler. Lauter.  ...


Foto franzl draws - stock.adobe.com

Return of the Ungustl

„Des hom‘S ja eh ned, gön‘S?“ Oder auch konkreter: „Orangen hom‘s natirlich kane, gön‘S?“ Hervorgebracht in höhnisch aggressivem Tonfall, begleitet von vorwurfsvollen Blicken und den Umstehenden gegenüber Beifall heischendem Kopfschütteln, stellen dies Lieblingssätze des durchschnittlichen St. Pöltners dar, schenke ich meiner Lieblingsmarktfrau Glauben. Und ich habe keinen Grund, daran zu zweifeln. In Baden etwa, meint sie, sei das anders, dort freuen sich die Menschen  ...


Foto Setz/zVg

EMIL MARIO VACANO - Herzblut & Champagner

Der Kaiserwald von St. Pölten bietet im winterlichen Nebel und bei sanftem Schneefall nicht nur für Melancholiker eine prächtige Bühne. Eine beinahe undurchdringliche Stille liegt über ihm, nur gelegentlich unterbrochen vom Knacksen eines Zweiges oder dem kaum merklichen Rauschen des Windes. Betritt man den Wald von der Stadtseite aus durch den kurzen Fußgängertunnel unter der Bahntrasse und wendet sich sogleich nach links, befindet man sich auf der Vacano-Promenade, die uns an einem  ...


Foto kues1 - stock.adobe.com

Rauchfreizeichen

Endlich! Endlich dürfen wir uns über das von uns allen (also beinahe einem Siebentel der Bevölkerung) ersehnte flächendeckende Rauchverbot in der Gastronomie freuen. Dagegen verblassen Klimakrise, Ehrenmorde und andere unbedeutende, gleichwohl bedauerliche Einzelfälle. Jahrhundertelang gefolterte und traumatisierte Nichtraucher können sich zaghaft wieder in „lokale“ Einrichtungen wagen. Und da auch gelegentliches Genussrauchen als kriminelles Suchtverhalten enttarnt wurde, wollen wir  ...


Foto vaaseenaa - stock.adobe.com

Ich esse, also bin ich

Ja, ja, ich geb’s zu: Trotz gelegentlicher, mitunter fast ernstgemeinter Versuche schaff‘ ich’s nicht – die völlige Hinwendung zum Vegetariertum. Oder gar zum Veganen. Dazu schmeckt mir Fleisch einfach zu gut. Ein Gastgarten ohne Schweinsbraten und Bier? Sorry, Leute, geht gar nicht. Oder die herrliche Lama-Salami, die es derzeit bei Inge Lorenz am Markt gibt: besser und stärker als jeder gute Vorsatz. Und Fundamental-Verzicht ist sowieso nur was für Genussfeinde (also jene  ...


Foto Konstantin Mikulitsch

Alexander Kuchar - Eine Meeres-Ode

Ein Mensch sitzt am Kai in Lissabon, betrachtet die Mündung des Hafens und beginnt zu träumen. Unausweichlich angezogen von der Weite des Horizonts und dem „Unbeständigen, Unbegreiflichen dieses unmöglichen Universums“ führt ihn sein Traum hin zu den entferntesten Küsten seiner Sehnsucht.
So sieht das Setting des Stücks „Meeres-Ode“ des portugiesischen Dichters Fernando Pessoa aus, das vor einem Jahr im Werk X in Wien gegeben wurde: ein unglaublich poetisches und  ...


Foto khosrork - stock.adobe.com

Was bin ich?

Fast schon lustig: Übe ich etwa in linksgrünen Kreisen Kritik an einer angeblich friedlichen Religionsauslegung, deren Jünger sich gerne und regelmäßig mit Macheten, Lastwägen oder Schusswaffen an „Ungläubigen“ austoben (was aber nach gutmenschelnder Diktion ausschließlich „bedauerliche Einzelfälle“ seien – im Gegensatz zum Scheißkerl von Christchurch), darf ich mich als Rassist oder gleich als Nazi bezeichnen lassen. Gebe ich auf der politisch anderen Uferseite zu, im  ...


Foto Milkovasa - stock.adobe.com

Der frühe Wurm

„Ich glaube nicht, dass es eine gute Entwicklung ist, wenn immer weniger Menschen in der Früh aufstehen, um zu arbeiten …“ 
Es muss heraus: Ich danke unserem Bundeskanzler für diese wahren Worte zur rechten Zeit! Ehrlich! Ich bin nämlich in mich gegangen und habe gänsehäutig festgestellt: Ja, ich bin ein Sozialschmarotzer! Und was für einer! Ich stehe nämlich meistens erst so gegen 8 Uhr morgens auf, manchmal sogar noch später. Gut, ich hackel mitunter auch bis in die  ...


Foto Elias Kaltenberger

Die Reiseleiterin

Das könnt‘ dir gefallen‘, meinte der St. Pöltner Künstler Hermann Fischl, als er mir das Buch ‚Duell‘ von Joost Zwagerman schenkte.“ Renate Kienzl sitzt mir gegenüber im St. Pöltner Cinema Paradiso-Café. Sie hat soeben eine Bühnenprobe hinter sich und entspannt sich bei einem Campari. „Und er wusste gar nicht, wie recht er hatte“, ergänzt sie lachend. Während des Lesens schwebte ihr nämlich sofort ein Theaterstück vor. „Und mir war klar: Das schreib‘ ich dem  ...


Foto canjoena – stock.adobe.com

Horror 2018

„Every day is Halloween.“ (Type O Negative). Es ist eine blutige Tatsache: Horror boomt, ob im Film, in der Literatur oder auch im Theater. Das Landestheater Niederösterreich etwa wartet kommendes Jahr mit einer Frankenstein-Adaption auf, im Kino metzelt sich soeben unser liebster Serienkiller Michael Myers durch die neblige Halloween-Nacht, „Suspiria“ lässt uns schreckensbleich um eine Gruppe weiblicher Internatszöglinge zittern und die LitGes St. Pölten widmet ihre aktuelle  ...