MFG - Das Magazin
St. Pöltens gute Seite

Vor der Krise

Text Michael Müllner
Ausgabe 12/2010

Wer wissen will, woran es in Österreich derzeit krankt, der macht am besten einen Blick nach St. Pölten. Hier kämpft die rote Stadt  gegen das schwarze Land, weil Teile des medizinischen Angebots der Orthopädie nach Krems verlegt werden. Die Kompetenz für „planbare“ Eingriffe wird dort gebündelt. Das Rathaus kontert, schon jetzt würden längere Wartezeiten bei planbaren Operationen „bei rund 2 Monaten liegen.“ So what? Auf eine neue Küche wartet man noch länger!
Beim strukturellen Sparen sind die Politiker Zwerge. „Keinesfalls“, schreit die Kommune in Richtung Land und Bund wenn es um Schulschließungen geht. Wann reift die Erkenntnis, dass das „Drüberretten“ des eigenen Budgets und eigener Interessen über die nächste Wahl kein Wählerauftrag ist, sondern Arbeitsverweigerung? Schwerpunkt-Krankenhäuser machen Sinn. Es ist uns zumutbar, dass wir zur spezialisierten Orthopädie nach Krems fahren und zur Herz-OP nach St. Pölten. Nicht in jedem Stadtteil müssen Kleinschulen mit Steuergeld künstlich am Leben erhalten werden.
Zur Erinnerung: Vor zwei Jahren verabschiedete sich die Weltwirtschaft kurzzeitig von der mit rund 8 Prozent prospektierten Durchschnittsrendite. Seitdem sind die Karten neu gemischt und wir uns einig: Vernünftiger wirtschaften macht Sinn! Gib nicht mehr aus, als du einnimmst. Nimm nicht mehr Schulden auf dein Haus auf, als es auch wirklich (!) wert ist. Hohe Rendite heißt hohes Risiko. All das gilt aber nur für uns normale Menschen, nicht für die abgehobene Berufspolitiker-Kaste. Diese sagt: Halte Arbeitslosigkeit künstlich niedrig, indem du Problemfälle in Schulungen oder die Frühpension schickst. Halte dir Medien mit Imagekampagnen gewogen. Bezieh keine Stellung, dann eckst du nirgends an. Sprich Probleme nicht an, dann ist dir niemand bös. Einzig, das ist keine Lösung. Und so bleibt nach der Krise vor der Krise.