MFG - Das Magazin
St. Pöltens gute Seite

Ihr werdet, was wir sind!

Text Michael Müllner
Ausgabe 12/2010

Wie nähert man sich pietätvoll dem Thema Tod? Wer macht sich zu Lebzeiten Gedanken über sein eigenes Begräbnis? Wie schaut die Arbeit eines Bestatters aus? Über stille Orte und ein ganz besonderes „business as usual“.

Stress am Montag
Ein typischer Montag ist auch bei der Bestattung hektisch. Nach dem Wochenende treffen meist besonders viele Todesfälle – beziehungsweise Angehörige – im Büro am Linzertor ein. Zwei Mitarbeiter sind für die Beratung der „Besteller“ zuständig, das sind jene Personen, die das Begräbnis eines Verstorbenen organisieren (und bezahlen). Meist handelt es sich um Nahestehende, die Trauerarbeit und Organisationsaufwand unter einen Hut bringen müssen. Im Büro der Bestattung werden die Wünsche der Verstorbenen und die Vorstellungen der Hinterbliebenen erläutert. Die Berater informieren über die vielfältigen Möglichkeiten einer Bestattung, vereinbaren Zeremonientermine und Seelenmessen, kümmern sich um eventuelle Überstellungstermine, erstellen auf Wunsch auch Parten und Gedenkkärtchen. Die Bestattung hat sich zu einer Art All-Inclusive-Betrieb entwickelt und versucht den Kunden – in einer ohnehin schon schwierigen Zeit – durch Beratung möglichst viele Unannehmlichkeiten abzunehmen. Oft ist auch der finanzielle Aspekt wesentlich. Viele Besteller strecken die Begräbniskosten vor bis die Verlassenschaft des Toten geklärt ist oder bis Versicherungen die Kosten rückerstatten. Hilfreich ist es, wenn man schon zu Lebzeiten Regelungen trifft. (Siehe Kasten auf Seite 34.)
Wie geht man als Mitarbeiter der Bestattung mit der ständigen Trauer um? „Das Geheimnis ist: Du musst den Beruf wirklich gerne machen – und man muss gut mit Menschen können. Wir sind teilweise Psychologe und Mediator, beispielsweise wenn sich die Familie eines Verstorbenen in einem Punkt nicht einig ist. Bei uns beginnt die Trauerarbeit – und dabei wollen wir die Menschen so gut wir können unterstützen“, so Josef Trümel von der städtischen Bestattung.
A schöne Leich’
Was kostet eigentlich ein Begräbnis? Viele variable Faktoren machen eine pauschale Aussage fast unmöglich – beispielsweise die Anzahl der Tage, die die Leiche im Kühlraum verbringt. Kaum einen Unterschied macht es, ob man sich für Einäscherung oder Erdgrab entscheidet, die Kosten liegen für beide Varianten in etwa gleich. Lassen wir kostspielige Überstellungen weg, rechnen wir die Friedhofsgebühren schon rein, und sagen wir, ein Grab ist auch vorhanden – so wird eine „ortsübliche Trauerfeier“ ungefähr bei 4.000 bis 4.500 Euro liegen. Gibt es noch kein bestehendes (Familien-)Grab für die Leiche, so wird man etwas über 5.000 Euro hinblättern müssen. Särge beginnen bei 400 Euro – nach oben gibt es kaum Grenzen, man kann auch tausende Euro für einen Sarg ausgeben.
Alle Friedhofsgebühren sind in einer Verordnung des Gemeinderates festgesetzt. Mit den St. Pöltner Gebühren wird der gesamte Aufwand der Friedhofsverwaltung gedeckt. Es liegt somit in der Natur der Sache, dass eine kleine Gemeinde mit nur einem nebenberuflichen Totengräber eine andere Kostenstruktur hat als große Gemeinden, die große Friedhöfe erhalten und deren Bestattungsunternehmen auch einen entsprechenden Fuhrpark und Personalstamm mit 24-Stunden-Service anbieten. Kein leichtes Unterfangen also, wenn man am Stammtisch unterschiedliche Begräbniskosten vergleichen will. Hinzukommen natürlich noch diverse Nebenkosten für Kränze, Grabredner, Priester, Musiker und allfällige Wirtshausbesuche.
Gruft for sale
Gräber werden immer für zehn Jahre vergeben, Preise richten sich nach dem „Fassungsvermögen“ (also wie viele Leichen in einem Grab gebettet werden können). Nach zehn Jahren kann man die Gräber „verlängern“ oder „verfallen“ lassen. Einen Quadratmeter-Preis – wie schon mal in Zeitungen kolportiert – gibt es übrigens nicht. Familiengräber zur Beerdigung von bis zu vier Leichen kosten 530 Euro für zehn Jahre, je Beerdigung fallen 280 Euro an. Eine Einäscherung kostet 350 Euro je Leiche, eine Urnengrabstelle 209 Euro. Wer es dynastischer anlegen will oder seinen weltlichen Wohlstand auch am Friedhof zur Schau stellen will, der kann sich eine Familiengruft sichern. Kosten liegen hierfür zwischen 5.000 und 15.000 Euro für die Zehn-Jahres-Gebühr, eine Beerdigung kostet 1.500 Euro. Sehr teuer werden Grüfte aber auch durch die vorgeschriebenen Metallsärge, die wesentlich teurer sind als die sonst verwendeten Holzsärge. Auch die Kosten für umfangreiche Steinmetzarbeiten lassen Grüfte heute zur Randerscheinung am Bestattungsmarkt werden.
Sozialhilfebegräbnis
Doch wie wichtig sind die Kosten überhaupt? Josef Trümel: „Denken Sie an eine Familie, deren Kind so eben verstorben ist. Diese Leute haben völlig andere Sorgen als die Frage, welches Sargmodell jetzt um 100 Euro billiger ist. Aber es gibt oft auch Situationen, in denen wir sehen, dass die Hinterbliebenen finanzielle Sorgen haben.“ Gerade hier ist das Feingefühl der Berater nötig, um einen Weg zwischen den finanziellen Möglichkeiten und den gewünschten Leistungen zu finden: „Es hat ja keinen Sinn, wenn sich Leute aus Rücksicht auf das vermeintliche Getratsche der Nachbarn über das Begräbnis in ein Schuldenproblem manövrieren.“ Auch die sogenannten „Sozialhilfebegräbnisse“ nehmen zu –  besonders bei Personen ohne intakte Familie bzw. ohne finanziellen Polster. Lässt sich übrigens binnen einer Frist von 14 Tagen kein Besteller finden, so wird die Beisetzung im „pietätvollen, schlichten Rahmen“ auf Kosten der Gemeinde durchgeführt. Rund 15 solcher Fälle gibt es im Jahr.
Trend zu 1.000 Grad
Einäscherungen liegen voll im Trend und machen bereits rund ein Drittel der vorgenommen „Bestattungen“ aus. Dennoch ist der Vorgang noch stark tabuisiert, viele Menschen kennen kaum Details und glauben beispielsweise, dass dabei nur die Leiche verbrannt wird. Tatsächlich wird jedoch auch der Sarg mit der Leiche verbrannt, weshalb etwa nur lackfreie Särge verwendet werden. Zwischen 100 und 120 Minuten dauert eine Einäscherung bei über 1.000 Grad. Die Gesetzeslage ist hierbei besonders streng, um größtmögliche Pietät zu sichern. Natürlich wird immer nur eine Leiche verbrannt, weshalb man die Asche eines Verstorben auch exakt zuordnen kann. Da der Sarg fast vollständig verbrennt, besteht die Asche in der Urne fast zu 100 Prozent nur aus der Asche der Leiche. Die Asche wird in einem eigenen Gefäß verschweißt und danach in einer dekorativen Urne postiert.
Für Verabschiedungszeremonien am Hauptfriedhof dienen zwei Zeremoniensäle. Nach der Feierlichkeit setzt sich entweder der Trauerzug mit dem Sarg in Bewegung und endet am Grab, bei dem der Sarg in der Erde versenkt wird, abschließende Worte eines Grabredners oder Priesters gesprochen werden und die Menschen direkt am offenen Grab Abschied nehmen. Oder die Zeremonie wird in der Zeremonienhalle beendet und der Sarg zu einem späteren Zeitpunkt eingeäschert. In Folge kann im engsten Familienkreis die Urne dann in einem Urnengrab beigesetzt werden.
Heimtransport
Ein paarmal im Jahr kommt es auch vor, dass eine Urne nicht auf einem Friedhof beerdigt werden soll. In diesem Fall stellt der Besteller einen Antrag an den Bürgermeister und gibt an, an welchem Ort die Urne aufbewahrt werden soll. Nach einem positiven Bescheid hält man die Urne dann beispielsweise im eigenen Heim in Ehren – „beisetzen oder verwahren“ sieht das Gesetz vor. Wichtig ist, dass der Verbleib der Urne jederzeit von der Behörde überprüft werden kann. So soll die „herrenlose“ Urne verhindert werden, etwa wenn eine Urne nach dem Ableben der letzten Hinterbliebenen keinen „Besitzer“ mehr hat und einfach am Müll landen würde. Das Verstreuen der Asche ist in Österreich übrigens nicht erlaubt. Teilweise gibt es kreativere Formen der Beisetzung, beispielsweise wird in der Wachau eine Donaubestattung angeboten, bei der man auf Höhe Rossatz die Urne der Donau übergeben kann. Auch „Naturbestattungen“ in einem ausgewählten Wald bietet ein Bestatter in der Nähe von Wien an. Einige Male hatten die St. Pöltner Bestatter den außergewöhnlichen Fall, dass eine Urne an die Schweizer Firma Algordanza übergeben wurde. Diese macht aus der Asche des Verstorbenen einen Diamanten, der dann den Hinterbliebenen übergeben wird. Die Preise hierfür richten sich nach dem Karatgewicht, los geht’s ab 4.000 Euro. Wohl nicht jedermanns Sache.
Sarg aussuchen. Im Schauraum der Bestattung werden einige Sarg- und Urnenmodelle ausgestellt, viele „Sonderlösungen“ werden aber nur auf Nachfrage und stets sehr sensibel präsentiert. Josef Trümel: „Wir bieten nicht wie ein klassischer Verkäufer alle Leistungen oder Produkte an. Wir wollen Trauernde informieren und beraten, aber nicht per se irgendwas verkaufen. Als Bestatter leben wir vom positiven Feedback der Menschen, die wir gut beraten haben.“ Klassische Geschäftsanbahnung wie Werbung oder aktives Zugehen auf Hinterbliebene ist verpönt. Für 2011 ist gemeinsam mit einem Notar ein „Tag der Offenen Tür“ am Friedhof angedacht – um die zahlreichen Fragen auch vor beantworten zu können.
Multikulti post mortem
Auf dem St. Pöltner Friedhof sind alle Leichen gleich. Egal welche Religion oder Nationalität, der Friedhof steht jedem zur Verfügung. Auch das Kreuz in den Zeremonienhallen stört Andersgläubige selten. Für viele Einwanderer geht die letzte Reise zurück an den Ort der Geburt, Leichenüberstellungen in Länder wie die Türkei sind nicht selten. Eine neue „Gruppe“ (so nennt sich ein Gräber-„Grätzel“) am Hauptfriedhof ist jedoch nach Osten ausgerichtet – blickt also nach Mekka – und bietet so für Muslime die richtigen religiösen Voraussetzungen. Auch chinesische Schriftzeichen sieht man auf jüngeren Gräbern immer öfter, Multikulti scheint also zumindest am Friedhof durchaus zu funktionieren.
Auch frühere Feinde ruhen wenige Meter Luftlinie voneinander getrennt. Am Hauptfriedhof wird in einem Sammelgrab rund 1.500 „Deutschen“ Soldaten gedacht. Direkt „vor“ dem Friedhofseingang beherbergt der „Russenfriedhof“ hunderte sowjetische Gefallene des Zweiten Weltkriegs. Im Spätsommer 1945 ließ der russische Stadtkommandant dieses „Heldendenkmal für die gefallenen Russen“ errichten. Heute „gehören“ Denkmal und Gräber zur russischen Botschaft, die Friedhofsverwaltung pflegt die Flächen, obwohl „wir nicht mal die Namen der Bestatteten wissen.“ Am nördlichen Ende des Friedhofs findet man einen besonderen Nachbarn, den „neuen“ jüdischen Friedhof der derzeit vor sich hin verfällt (siehe dazu Kasten Seite 32, „Den Toten auf Ewig verpflichtet“).

Infos zum Thema:
Die St. Pöltner Friedshofsverwaltung betreut mit rund 15 Mitarbeitern auf 7 Friedhöfen rund 15.000 Gräber. Rund 12.000 befinden sich am Hauptfriedhof, der seinen Look in den 1960er Jahren erhielt, angelegt wurde er 1896, als man den früheren Friedhof am Europaplatz „schloss“. NÖs einzige Kremationsanlage (auch „Feuerhalle“ genannt) ist dort angesiedelt. Neben den „klassisch“ eingefriedeten Gräbern sorgt der „Waldfriedhof“, der als Landschaftsfriedhof bewusst idyllisch angelegt wurde, für besonderes Flair ohne Grabplatten, dafür mit natürlich bepflanzten Gräbern. In Stattersdorf, Viehofen, Radlberg, Pottenbrunn, Spratzern und St. Georgen gibt es kleinere Bezirksfriedhöfe. Die St. Pöltner Bestattung bietet „klassische“ Beisetzungen (in einem Erdgrab oder einer Gruft) und Einäscherungen an. Auch Überstellungen – bis hin in ferne Länder – kommen immer wieder vor, Hilfestellung gibt es nicht nur bei den Behördenwegen, sondern auch bei eher selten vorkommenden, „individuellen“ Bestattungswünschen, etwa wenn man die Urne eines geliebten Menschen „mit nach Hause nehmen“ möchte.

Den Toten auf ewig verpflichtet
Kommt nach jahrelanger Diskussion Schwung in die Frage der verfallenden jüdischen Friedhöfe? Während die große Politik die Rahmenbedingungen nun geklärt hat, dürfte schon in den nächsten Wochen die Probe aufs Exempel folgen: Findet sich in St. Pölten eine Lösung für den Jüdischen Friedhof, der langsam vor sich hin verfällt? Wie man mit Verständnis punkten kann, zeigt unterdessen die Pathologie im St. Pöltner Landesklinikum. Dort sind rituelle Waschungen für Muslime (wieder) möglich.
Für Christen ist es ganz normal, dass heute am Domplatz ein Markt abgehalten wird oder dass heute der Europaplatz St. Pöltens wohl wichtigster Verkehrsknotenpunkt darstellt. Kaum jemand weiß, dass beide Plätze früher mal „heilige Erde“, also Friedhöfe, waren. Für Christen ist es normal, dass ein Grab auf zehn Jahre gekauft wird und dann verfällt. Im jüdischen Glauben hingegen währt die Totenruhe ewig, einen Friedhof kann man nicht einfach mangels Nachfrage auflösen. Den Toten ist man auf ewig verpflichtet.
„Normalerweise sorgen die Angehörigen für die Gräber ihrer Vorfahren. Aber die jüdische Gesellschaft in diesem Land wurde fast vollständig vernichtet oder zur Emigration gezwungen“, erklärt Raimund Fastenbauer, Generalsekretär der Israelitischen Kultusgemeinde Wien (IKG Wien). Dies im öffentlichen Bewusstsein zu verankern sollte eine gesellschaftliche Selbstverständlichkeit sein. Auch im sogenannten Washingtoner Abkommen aus dem Jahr 2001 hat sich Österreich verpflichtet die jüdischen Friedhöfe zu erhalten.
Seitdem wurde jahrelang gestritten. Friedhöfe werden von den Ländern und Gemeinden verwaltet, warum sollen die jetzt für einen Deal zahlen, den der Bund mit den USA verhandelt hat? Der Bund wiederum wollte nicht investieren ohne Gemeinden und Länder in die Pflicht zu nehmen, für die Erhaltung der Friedhöfe in Zukunft zu sorgen.
Im November 2010 kam es nun zu einer parlamentarischen Einigung, die IKG Wien wird noch dieses Jahr alle betroffenen Kommunen anschreiben und versuchen eine Pflegevereinbarung auszuhandeln, die zumindest für 20 Jahre die zukünftige Betreuung der Friedhöfe regeln soll. Fastenbauer: „Bis dato gab es mit der Gemeinde St. Pölten ein Gentlemen-Agreement, die notdürftigsten Arbeiten wurden vorgenommen. Schaffen wir die von uns angestrebten Pflegevereinbarung, dann würden alle Voraussetzungen vorliegen, um aus dem neu geschaffenen Fonds auch Mittel nach St. Pölten fließen zu lassen.“ Der Fonds ist beim Nationalfonds angesiedelt, 50 Prozent der Mittel fließen vom Bund (20 Jahre lang jeweils eine Millionen Euro), die andere Hälfte wird von den Ländern und privaten Förderern und der IKG aufgestellt.
Martha Keil vom Institut für jüdische Geschichte in Österreich weiß, dass der Zustand des Friedhofs in den letzten Jahren „sehr viel schlimmer geworden“ ist. Grabsteine drohen umzukippen, die Natur wuchert und hat völlig Überhand genommen. Auch die Eingangsstufen zur Zeremonienhalle werden von Wurzeln eines Baumes bedroht. Keil: „Die Stadtgärtnerei muss ja nichts tun, aber die Mitarbeiter sind sehr entgegenkommend und haben zumindest ein paar Stunden pro Jahr Zeit für den Friedhof. Aber natürlich ist das viel zu wenig.“
Mit seinen mehr als 6.000m² ist der Friedhof verhältnismäßig groß und noch relativ gut erhalten. Wenn man aber nicht jetzt eingreift, droht der totale Verfall. Friedhöfe und Grabsteine sind – nicht zuletzt aus dieser Zeit – wichtige Zeugen der Geschichte: 223 ungarische Juden wurden im Mai 1945 als Zwangsarbeiter des Dritten Reiches in St. Pölten von den Nazis erschossen. 1964 wurden diese Leichen notdürftig in ein Massengrab am jüdischen Friedhof umgebettet. Keil: „Wir haben alle Namen der Opfer. Bürgermeister Stadler hat mir versprochen, dass es eines Tages einen Grabstein für diese Menschen geben wird, wo zumindest ihre Namen verewigt sind.“
Doch kann (und will) es sich St. Pölten in Tagen der (angeblich) nicht mehr vorhandenen Mittel leisten in den Erhalt eines jüdischen Friedhofs zu investieren? Perspektiven gäbe es gerade hier genug., etwa die Nutzung der Zeremonienhalle für Ausstellungen. Denn dass einer der wenigen noch lebenden St. Pöltner Juden am Friedhof eines Tages beerdigt werden wird, ist zwar möglich, aber unwahrscheinlich. Fastenbauer: „Den jüdischen Ritus bieten wir am Wiener Zentralfriedhof an, auch Nicht-Wiener lassen sich hier bestatten.“ Ob es weitere „Belegungen“ des St. Pöltner Friedhofs geben wird? Eher nicht. Eine mutige Diskussion über Verpflichtungen der Vergangenheit und Chancen der Zukunft drängt sich geradezu auf. Auch in Zeiten des Sparstifts.
Wohin zur letzten Waschung?
Muslime halten vor der Beisetzung einer Leiche sogenannte „rituelle Waschungen“ unter Beisein des Imams ab. Die Pathologie im St. Pöltner Landesklinikum wird dafür nach Voranmeldung zur Verfügung gestellt – so wird ein würdevoller, religiöser Abschied möglich. Die Leiche wird gewaschen und in ein Leichengewand gebettet. Nach der sogenannten Einsargung erfolgt meist die eigentliche Verabschiedung des Leichnams. Dabei kommt es schon mal vor, dass größere Menschenmengen einen Toten betrauern. Auch innerhalb der muslimischen Glaubensrichtungen gibt es – abhängig von der Herkunft – sehr unterschiedliche Bestattungstraditionen. Klageweiber sind bei Verabschiedungen am offenen Sarg nicht unüblich, dazu wird oft in eine Garage am Krankenhausareal ausgewichen, um allen Leuten Platz zu bieten und eine pietätvolle Verabschiedung zu ermöglichen. Im Sommer kam es zu einer kurzzeitigen Sperrung der Pathologie für solche Waschungen – nach einer internen Abstimmung sind diese aber wieder möglich, worauf man im Landesklinikum auch etwas stolz ist. Immerhin ist dies die letzte Bastion in NÖ, bei der auch pathologische Institute entsprechendes Verständnis für andere Religionen aufbringen. 
Den letzten Weg selber gestalten...
Wer Familie hat, dem hilft oft schon ein offenes Gespräch um den Fall des Falles zu klären. Um „niemanden zur Last zu fallen“ kann man schon zu Lebzeiten vorsorgen. Wer sich erst mal über seine eigenen Wünsche klar wird, kann diese dann auch entsprechend äußern.
• Informationsgespräche bei einem Notar helfen um sich über rechtliche Aspekte unabhängig und seriös zu informieren. Erstgespräche sind kostenlos.
• Wünsche rund um die eigene Bestattung sollte man unabhängig von einem möglichen Testament verwahren. Bis Testamente „geöffnet“ sind, ist meist die Bestattung längst vorbei. Diese „Bestattungswünsche“ kann man völlig formlos auf einem Blatt Papier aufsetzen und bei den persönlichen Dokumenten verwahren. Oft reichen Stichwörter wie „Habe schon ein Grab bei XY“ oder „Habe eine Polizze bei Versicherung XY“, „Wünsche keine Kranzspenden“ oder „Will ein Feuerbegräbnis“, etc.) um der „Nachwelt“ einiges zu erleichtern.
• Grundsätzlich sollte man zu Lebzeiten persönliche Dokumente (Geburtsurkunde, Heiratsurkunde, Versicherungspolizzen, etc) gesammelt aufbewahren und vertraute Personen über den Aufbewahrungsort informieren.
• Für die Hinterbliebenen ist es oft eine große Erleichterung, wenn man weiß, welche Form der Bestattung im Interesse des Verstorbenen ist. Ein ungezwungenes Gespräch oder eben die schriftliche Notiz hilft dann in der ohnehin schwierigen Zeit am Anfang der Trauerarbeit.
• Das „Anzahlen“ zu Lebzeiten macht oft wenig Sinn. Gräber sind grundsätzlich auf 10 Jahre „vergeben“ und stellen somit eine eher langfristige „Investition“ dar. Gerade wenn keine „Familiengräber“ vorhanden sind und sich somit die Frage stellt, wo die eigene Leiche bestattet werden soll, machen Versicherungen mehr Sinn.
• Klüger scheinen entsprechende Versicherungen, die Leistungen im Fall des Ablebens abdecken und somit für die Hinterbliebenen zumindest die mögliche finanzielle Problematik löst. Ein besonderer Anbieter ist hierbei der „Wiener Verein“ (www.wienerverein.at) bei dem man sich zu Lebzeiten beraten lassen kann und bei dem abgeschlossene Versicherungen auch allfällige Überführungskosten, etc decken.