MFG - Alle Gangsta sind schon da
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St. Pöltens gute Seite

Alle Gangsta sind schon da

Text Thomas Fröhlich
Ausgabe 06/2010
Nein, ich halte nichts von political correctness. Aber trotzdem: ich will nicht mehr!
Ich will keine lyrics mehr von hirntoten Maulhelden hören, die – neben der Fähigkeit, grad einmal ein Mikro in der Hand zu halten –  außer der Zurschaustellung fundamentaler Blödheit und nachhaltiger Bildungsresistenz nur permanentes „Dissen“ von allem, was sie nicht kapieren (und das ist SEHR viel), in die Welt absondern.
Ich will keine schwanzfixierten, frauen- und schwulenfeindlichen Milchbubi-Gewaltfantasien mehr akzeptieren oder gar gutheißen müssen, „weil das halt beim Gangsta Rap so ist“. Mit der gleichen Begründung kann man jedem Neonazi die Absolution für seine deppatn Aussprüche erteilen, „weil das halt bei den Neonazis so ist“.
Ich will kein gutmenschelndes „Verständnis“ mehr gegenüber verhaltenskreativen Jung-Machos an den Tag legen müssen, für die Rudelvergewaltigungen offenbar einen coolen Way of Life darstellen.
Ich will auch keine anbiedernden Beiträge zu diesen nicht nur verbal randalierenden Herrschaften mehr im Spex, im Spiegel oder in heimischen „Qualitätsjournalismus“-Gazetten mehr lesen, nur weil wir es mit ach so authentisch-pittoresker Unterschichtbefindlichkeit zu tun haben (ob mit Migrationshintergrund oder ohne) und dies den ansonsten politisch so korrekten, brav linksalternativen Redaktions-Bobos verloren gegangene street credibility wiederbringen soll.
Ich will einfach nicht mehr.
Und ich darf das auch sagen. Wie die Maulhelden. Und zivilisatorische Mindeststandards einfordern.
Und nicht nur hier. Und aus.