MFG - Das Magazin
St. Pöltens gute Seite

Die Furcht

Text Michael Müllner
Ausgabe 11/2015
Es heißt, das einzige, was wir zu fürchten haben, ist die Furcht selbst. Das mag dieser Tage optimistisch klingen, vielleicht sogar naiv. Die Wahrscheinlichkeit von einem Terroristen im Café, Konzert oder Fußballstadion erschossen zu werden ist lächerlich gering. Vor viel wahrscheinlicheren Gefahren fürchten wir uns ja auch nicht. Warum also sollten wir also Terroristen in die Hände spielen und ihr Werk mit unserer Furcht belohnen?
Rund 80.000 Menschen, großteils junge Männer aus Syrien, Afghanistan und Irak, werden heuer in Österreich einen Asylantrag stellen. Viele versuchen ihre Familien nachzuholen und sich in Österreich mit einem Neuanfang zu integrieren. Mehr Wirtschaftswachstum, echte Chancen für ein entwickeltes Land, das mit echter Willkommenskultur die hellsten Köpfe lockt und mit fordernden Integrationsauflagen innere Zustimmung sichert. Stattdessen herrscht in weiten Teilen der Gesellschaft die Furcht, dass diese Integration zum Scheitern verurteilt ist.
Kein Wunder bei einer Regierung, die seit Jahrzehnten im Bildungsbereich keine echten Reformen umsetzt und somit Eltern das Fürchten lehrt, ihre Kinder würden beim Start ins Leben um die besten Chancen betrogen. Kein Wunder bei einem Staatswesen, das sich zu oft mit sich selbst beschäftigt und Bürger mit dem Amtsschimmel das Fürchten lehrt. Kein Wunder bei einem Gesundheitswesen, das dank automatischen Lohnabzugs zwar wie geschmiert finanziert wird, jedoch dem Versicherten wochenlang das Fürchten lehrt, wenn er auf eine klärende Computertomographie warten muss. („Es sei denn, sie zahlen privat.“)
Doch für dieses Fürchten können wir weder den Flüchtlingen, noch „der EU“ die Schuld geben. Die Lösungskompetenz dabei liegt bei uns. Wenn wir das richtig einordnen, bleibt kein Platz für Angst. Aber sehr viel Arbeit.