MFG - Das Magazin
St. Pöltens gute Seite

Olivia Goga & Martino Le –„Sich gegenseitig zu helfen, ist der Schlüssel“

Text Thomas Winkelmüller
Ausgabe 06/2021

„Under my Skin“ heißt der neue Song von Olivia Goga und erscheint am 15. Juli. Das Musikvideo dazu hat sie gemeinsam mit Martino Le und einem Team rund um die Fachhochschule St. Pölten gedreht. Ein Gespräch mit den beiden über ihre neue Produktion, St. Pöltens Musikszene und die Wichtigkeit von guten Freunden und Kontakten in der Branche.

Im Juli erscheint euer mittlerweile zweites Musikvideo. Lasst uns von vorne beginnen: Wie habt ihr beide euch denn kennengelernt?
Martino Wir haben uns vor einem Jahr im Herbst 2019 kennengelernt. Ich war frisch auf der FH und hab meine ersten Kollegen getroffen – darunter Mario Wallner. Er meinte, er kenne jemanden, der ein Musikvideo braucht und wir haben uns gedacht: „Mach ma.“ Das war „Choked“ von Olivia.
Olivia Danach war eine Zeit lang Funkstille. Ich musste meine kommende EP „Under my Skin“ vorbereiten und jetzt, nachdem sie fertig ist, haben wir wieder das Video zum gleichnamigen Song gedreht.  
Martino Die lange Pause merkt man auch in der Qualität des Videos. Da ist ein riesiger Unterschied im Vergleich zum letzten. Damals fünf Leute in der Crew, jetzt fünfzehn.

Wie geht ihr so einen Videodreh an? Ihr startet das Projekt und dann?
Olivia Mir ist es wirklich wichtig, dass alles von mir kommt – was auch mal Probleme aufwirft, weil ich den Leuten bisschen die Arbeit wegzunehmen versuch. Ich will, dass das Video eine Geschichte erzählt, wie es auch der Song macht. Jedes Outfit, jede Location hat Bedeutung für mich und ist komplett durchdacht. Dementsprechend lang haben wir für das Skript gebraucht, weil ich das alles selbst machen wollte. Das was gesehen wird, muss auch von mir kommen.

Wie ist das mit so jemanden zusammenzuarbeiten, Martino?
Martino (lacht) Wir mussten echt viel kommunizieren und dabei haben wir genauso viel gelernt. Um eine bessere Vorstellung von Olivias Ideen zu bekommen, haben wir das Drehbuch als Fließtext konzipiert. Dazu gabs Fotos, damit wir dasselbe Ziel und dieselben Bilder vor Augen haben. Erst als das Skript stand, konnten wir richtig zu arbeiten beginnen. Das war ein langer Weg, der sich aber gelohnt hat.

Drehort suchen, Ideen sammeln, Skript schreiben, vom Schnitt etc. wollen wir gar nicht erst reden. Wie lange dauert so ein Projekt?
Olivia Ewig! Corona hat das nochmals erschwert. Das NXP hat ja nur für uns die Bowling-Bar kurz für den Dreh zur Verfügung gestellt.
Martino Seit Februar reden wir über das Projekt und bis dato ist das Projekt immer noch nicht ganz abgeschlossen. Damit kann sich jeder selbst ein Bild machen. Allein um die Locations zu finden, ist echt viel Zeit nötig. Ohne Kontakte kann das sogar noch viel länger dauern.

Ein langer Weg also, aber bald ist das Video fertig. Wovon wird es handeln? Welche Bilder zeigt ihr uns darin?
Olivia Ich kann verraten, dass es um eine Zeitreise zurück in eine Erinnerung von mir geht. Ich habe es an ein Zitat von Drake angelehnt: „Some nights I wish I could go back in life. Not to change shit, just to feel a couple things twice.“ Ich schau mir also bei einem Moment aus meiner Vergangenheit zu, nebenbei läuft aber ein Timer, weil ich die Gegenwart verpasse. Verändern kann ich Altes nicht, aber zumindest nostalgisch zurückblicken, mehr aber nicht. Die Burg Plankenstein dient dabei als Startpunkt der Geschichte.

Eine Frage, die sich wohl einige stellen, ist: Wie kommt ihr in eurem Alter dazu, so etwas umzusetzen und auch noch zu finanzieren?

Martino Naja, ich bin 22 und Olivia hat gerade maturiert. So jung sind wir auch nicht mehr. (lacht)
Olivia Mein Klavierlehrer Albert Maier hat mir ermöglicht, meine ersten Songs aufzunehmen und da ich keine halben Sachen mache, dachte ich mir, dass ich auch ein Musikvideo brauche. Ich bin irrsinnig dankbar, dass mir da Leute auch immer geholfen haben und Möglichkeiten zur Verfügung gestellt haben, eben weil ich so jung bin. Anders könnten wir uns das auch nicht leisten.
Martino Beim Videodrehen ist es ähnlich. Man muss Menschen kennen und ihnen zeigen, dass man was draufhat und Sachen anpacken will. Ich wohn erst seit 2019 in Wien und St. Pölten, eigentlich komme ich aus Osttirol. In der Zeit musste ich mir ein Netzwerk aufbauen, indem man sich gegenseitig unterstützt. Einfach auf Events gehen und mit den Leuten quatschen und Kontakte austauschen. Ohne meine Freunde und Kollegen wäre ich in der Branche nichts.

Dann wollen wir sie doch vor den Vorhang holen. Wer hat euch geholfen?
Martino Der Großteil der Crew besteht aus meinen Freunden von der Fachhochschule St. Pölten, die mich bei dem Projekt unterstützt haben.
Olivia Das Ziel ist aber natürlich, dass wir Leute bezahlen, sobald wir das können. Wir wollen uns bei diesen Menschen revanchieren und nicht alle vergessen. Wir greifen uns unter die Arme. Das ist so essenziell in der Branche.

Welche Bedeutung haben denn die FH und ihre Studierenden in der St. Pöltner Szene?
Olivia Also ich hätte eigentlich kaum eine Szene ohne der FH. Ohne ihr gäbe es kein Musikvideo. Der springende Punkt ist nicht, dass sie alle von der FH kommen, aber trotzdem studieren sie alle nun einmal dort. Wäre es nicht so, das hätte nie funktioniert.
Martino Ich sehe es so: Die FH bietet einem den theoretischen Background und dann muss man selbst Projekte umsetzen und am besten geht das zusammen mit Studienkollegen.

Gibt es in euren Augen überhaupt eine echte Musikszene in der Stadt?
Olivia Gerade durch das Projekt vom Freiraum ‚musik.stp‘ und den Sampler von ihnen sieht man sie endlich, denn es gibt sie, zweifelsfrei. Aber wenn du ein Niemand bist, ist es schwer ein Jemand zu werden, wenn dich nicht einmal deine eigene Stadt kennt. Deswegen bin ich so dankbar, dass endlich Leute vor den Vorhang geholt werden. Momentan gibt es mehr Möglichkeiten denn je.

Machst du eigentlich schon Geld mit deiner Musik, Olivia?

Olivia Ein paar Euro mit den Streams, aber das war es auch schon wieder. Im Moment kommt eigentlich nichts zurück, aber man muss es als langfristige Investition sehen. Man sollte neben der künstlerischen Leidenschaft aber auf keinen Fall vergessen, dass man davon leben will, um den Ehrgeiz nicht zu verlieren. Positives Feedback und konstruktive Kritik motivieren aber auf jeden Fall zum Weitermachen, auch wenn der größte Ansporn immer die eigentliche Liebe zur Kunst bleibt.

Habt ihr noch zum Abschluss Musikempfehlungen aus St. Pölten für unsere Leserinnen und Leser?

Olivia Sinikka Monte ist eine gute Freundin von mir und unglaublich talentiert. Sie steckt ihr Herzblut in ihre Musik und spricht wichtige, emotionale Themen an und teilt sie. Außerdem ist das Level, auf dem sie schreibt und produziert wirklich ein Wahnsinn. Sie ist jemand, den man sich anhören sollte.
Martino Olivia Goga sollte man auschecken! (lachen)