MFG - Das Magazin
St. Pöltens gute Seite

Selbstreflexion

Text Thomas Winkelmüller
Ausgabe 06/2021

Wie viel Prozent der Journalistinnen und Journalisten in Österreichs Medien haben Migrationshintergrund? Deutschsprachige ausgenommen, ein Familienmitglied aus dem Ausland reicht uns schon – was glauben Sie? Sechs Prozent. Das sagt eine neue Studie aus dem Medienhaus Wien. Umgelegt auf die Gesamtbevölkerung ist das wenig. Jeder vierte hier lebende Mensch hat Migrationshintergrund, also beide Elternteile kommen aus dem Ausland. Und lassen Sie uns ehrlich sein: Es geht hier weniger um Migrationshintergrund als um Religion und Hautfarbe.
Ist diese krasse Ungleichheit ein Problem? Nun, wir Journalistinnen und Journalisten sollten objektiv (und das ist nur bedingt möglich) die Welt erklären und darstellen. Um kurz das identitätspolitische Argument zu entkräften: Auch Weiße müssen über Schwarze schreiben können. Ansonsten darf kein Reicher über Arme, keine Heterosexuelle über Queere berichten. Zweifelsfrei braucht das viel Selbstreflexion und Weiterbildungen.
Im Kern sind wir Dienstleister, die den Leuten Informationen bieten. Im Idealfall zu den Themen, die unsere Konsumentinnen und Konsumenten beschäftigt. Ergo: Vielfalt tut unseren Produkten gut. Journalistinnen und Journalisten mit Migrationshintergrund bringen andere Geschichten mit, bieten andere Blickwinkel.
Außerdem ist das Problem ein strukturelles. Wir haben kaum Migrationshintergrund in unseren Redaktionen, weil es aufwendig und teuer ist, erfolgreich in der Medienwelt zu sein. Da muss sich etwas ändern – auch bei uns.