MFG - Das Magazin
St. Pöltens gute Seite

Keine Lust auf Arbeit

Text Thomas Winkelmüller
Ausgabe 09/2022
Als 1997-Geborener zählt mich die Wissenschaft zur Generation Z. Wir sind Menschen, zwischen zehn und 25 Jahren alt, die in den Weiten des Internets aufgewachsen sind. Eigentum ist nur eine Option, wenn wir erben. Krisen prägen unser Erwachsenwerden. 
Und: Medien und Menschen werfen uns vor, wir würden nicht mehr arbeiten wollen. Für mich kann ich sagen, dass das stimmt. Ich würde lieber morgens Berge besteigen, nachmittags in der Sonne liegen und abends Bier trinken. Aber jeder, der nicht zumindest eine dieser kleinen Freuden der Arbeit vorziehen würde, der belügt sich selbst.
Trotzdem arbeite ich – zu viel. Ein Großteil derer, die nach ihrem Studium oder ihrer Ausbildung ins Berufsleben gestartet sind, kämpfen mit ihrem Hang zur Überarbeitung. Wir schieben Extrastunden oder streichen auch am Wochenende ein paar Wörter von den To-Do-Listen. 
Dieser Wille zur Selbstausbeutung rührt daher, dass unsere Jobs uns Sinn geben. Eine Entwicklung, die sich unter dem Schlagwort „New Work“ schon seit den 80ern in die Arbeitswelt einschleicht und nicht verschwinden möchte. „Ich bin Thomas, Journalist“, stelle ich mich Fremden vor. Der Beruf gehört zu mir und meinem Leben. Wir identifizieren uns durch das, womit wir Geld verdienen. Gleichzeitig beschweren wir uns über den Stress und die hohen Anforderungen. 
Ja, die Gesellschaft und wir selbst behaupten laut, nicht gerne zu arbeiten. Dafür hackeln die meisten von uns aber ganz schön viel. Das sollten wir in der Diskussion nicht übersehen.