MFG - Jakob Dusek - ICH KANN DAVON LEBEN, VIELMEHR LEBE ICH ABER DAFÜR!
Jakob Dusek - ICH KANN DAVON LEBEN, VIELMEHR LEBE ICH ABER DAFÜR!


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Jakob Dusek - ICH KANN DAVON LEBEN, VIELMEHR LEBE ICH ABER DAFÜR!

Text Thomas Schöpf
Ausgabe 05/2023

Die Fliehkräfte, Adrenalinschübe und der Kampf Mann gegen Mann haben es Jakob Dusek angetan. Sein WM-Titel im Snowboard Cross hat seinen Hunger freilich nicht gestillt. Im Gegenteil.

Was macht ein Profi-Snowboarder im Sommer, wenn kein Weltcup ist? Viel! Snowboard-Cross-Weltmeister Jakob Dusek (26) von UNION Trendsport St. Pölten zumindest. Der Herzogenburger besucht die Polizeischule in Graz, trainiert im Olympiastützpunkt in Linz und fährt landauf landab Mountainbike-Rennen, bis er von Innsbruck aus wieder mit den ersten Schneetrainings beginnen kann. Dazwischen schaut er nach Möglichkeit gerne daheim in Herzogenburg vorbei, wo er sich auch Zeit für ein Gespräch mit dem „MFG“ nahm. Zum Café am Rathausplatz reiste er von seiner ehemaligen Schule in Oberwölbling aus an. Dort durfte Dusek den Kindern ein wenig über seine Karriere erzählen: „Das hat Riesenspaß gemacht. Es sind auch viele ehemalige Lehrer von mir gekommen.“ Ein bisschen bekannter ist er seit seinem WM-Titel in Bakuriani in Georgien am 1. März geworden: „Auf Instagram und Facebook habe ich gleich jede Menge Nachrichten bekommen. Geändert hat sich in meinem Leben aber nichts. Wenn sich die Leute mit mir mitfreuen, taugt mir das besonders. Das Empfangs-Fest hier in Herzogenburg war ein Wahnsinn.“

Freude beim Freude bereiten
Seinen 2. Platz beim Heim-Weltcup auf der Reiteralm reiht Dusek selbst weit oben ein: „In Kanada gratulieren dir bei einem Erfolg die Kollegen, was sehr schön ist. Wenn du deine Familie, Verwandte und deine Freude bei einem Rennen hast, ist das schon was ganz Besonderes.“ Konkreten Karriereplan hat er keinen, bestimmte Ziele schon. „Eine Medaille bei Olympia, aber auch der Gesamtweltcup ist natürlich reizvoll. Wer nach zehn Rennen vorne ist, der ist einfach der Beste!“ In der Saison 2021/22 kletterte er in der Gesamtwertung schon einmal aufs Podest, wurde hinter dem Deutschen Martin Nörl und dem Vorarlberger Alessandro Hämmerle Dritter.
Vorbilder hatte Dusek nicht wirklich. Als junger Bub fand er den Österreicher Markus Schairer recht gut, sah dessen Weltmeister-Fahrt 2009 im TV. Dem Amerikaner Nick Baumgartner, der 2022 mit 40 Jahren Olympiasieger in Peking wurde, zollt Dusek auch großen Respekt. „Fahren kann ich also lang genug“, lacht er und wird fast philosophisch, „reich werde ich nicht werden. Aber wer hat schon die Möglichkeit das zu machen, was ihm Spaß macht. Ich kann davon leben, vielmehr lebe ich aber dafür.“

Start am Annaberg
Die ersten Male regelmäßig auf dem Snowboard stand Dusek auf dem Annaberg. Bei den NÖ Landesschulmeisterschaften roch er Lunte. Davor war er auch auf Alpin-Ski unterwegs: „Da kann ich mich aber nur mehr daran erinnern, dass irgendwelche Hasen auf meinen Ski gepickt sind. Das muss also sehr früh gewesen sein.“ Mit dem Wechsel in die Ski-Handelsschule Schlad­ming stellte er die Weichen erstmals in Richtung Profikarriere. Seit 2020 drückt Dusek jedoch schon wieder die Schulbank, nämlich jene der Polizei. „Das tut nach einer langen Weltcupsaison richtig gut. Da komme ich raus aus unserer Bubble und kann komplett abschalten“, sagt er. In den nächsten Wochen wird er sich vornehmlich in Linz im Olympiazentrum aufhalten und mit Sportwissenschafter Andreas Prem arbeiten. Im August wird dann wieder in den Wettkampfmodus hoch geschalten, spätestens am Mountainbike beim „Chili 3-Länder Enduro Race“ in Nauders.