MFG - Parken in the City – Die unendliche Geschichte
Parken in the City –  Die unendliche Geschichte


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St. Pöltens gute Seite

Parken in the City – Die unendliche Geschichte

Text Georg Renner , Jakob Winter
Ausgabe 03/2024
GEORG RENNER
Der Wilhelmsburger ist freier Journalist bei der Wiener Zeitung und DATUM.

Ich verstehe das alles nicht.

Ich muss Ihnen ein Geständnis machen: Ich, als Außenstehender, verstehe die St. Pöltner Innenstadt-Strategie nicht wirklich. Ich verstehe nicht, warum die Promenade von zwei Spuren auf eine reduziert wird – es war schon bisher ein fantastischer Fußgänger- und Radler-Highway, ich verstehe nicht, warum man vom Europaplatz kommend nicht mehr Richtung Stadt auf die Josefstraße einbiegen darf und ich verstehe auch nicht, welches Problem diese nicht-euklidische Verbindungsstraße vom Europaplatz Richtung Linzertor lösen soll.
Das wird schon alles seinen Sinn haben. Für jemanden, der die Stadtpolitik nur kursorisch verfolgt, erklären sich diese Änderungen aber nur sehr bedingt. Ich stehe da regelmäßig vor den im Monatstakt wandernden Baustellen wie bestellt und nicht abgeholt. 
Während ich gespannt bin, welche neuen Änderungen da entlang der früheren Stadtmauer noch auf uns zukommen, kann ich aber auch sagen, was ich sehr gut verstehe: Was der Obmann der „Plattform St. Pölten“ in dieser Ausgabe zu sagen hat nämlich. Dass es nicht so wichtig ist, ob es Parkplätze jetzt am Domplatz gibt oder in einer Tiefgarage; dass die Stadt in puncto Parkhäusern durchaus Potenzial hat, das ehebaldigst zu heben wäre: In Form der geplanten Domgarage, aber auch in der Erweiterung der Park&Ride-Flächen nördlich der Westbahn. Und zwar, idealerweise, gepaart mit einer App oder zumindest einem intelligenten Leitsystem, das weiträumig ausweist, wo gerade geeignete Stellplätze frei wären. 
Das erschließt sich mir durchaus – was ich dann aber wieder nicht verstehe, ist der Zeitplan des ganzen: Wenn diese Garagenpläne ohnehin schon konkret sind: Warum staffelt man das nicht so, dass die Garagen zumindest zeitgleich mit dem Rückbau der Freiluft-Parkplätze zur Verfügung stehen? Warum kommt man erst nach getaner Tat darauf, dass bei den Mary Ward-Schulen Kiss&Ride-Bedarf besteht? Und warum spart man sich so nicht zumindest eine Menge völlig absehbarer Proteste?

JAKOB WINTER
Aufgewachsen in St. Pölten, emigriert nach Wien, Redakteur beim „profil“.

Was St. Pölten von Wien und Tulln lernen kann.

Ein Learning von der großen für die kleine Stadt: Kaum jemand weint heute noch den verlorenen Parkplätzen in der Wiener Begegnungszone Mariahilferstraße nach. Dabei war die verkehrsberuhigte Einkaufsmeile anfangs heftig umstritten, lokale Unternehmer liefen Sturm und Boulevardmedien prognostizierten neben einem Verkehrschaos auch ein Geschäftesterben. 
Die Warnungen waren unbegründet, die Umgestaltung wurde zum Erfolg. 
Soll heißen: Gut, dass sich die Stadt St. Pölten nach langem Zaudern zu einer Ausweitung der Fußgängerzone durchgerungen hat, das kann der Lebensqualität nur gut tun und wird das Zentrum attraktiveren. Möglicherweise könnten davon sogar triste Ecken wie die Linzer Straße profitieren, sie hätten es bitter nötig.
Warum aber wecken solche Projekte so viele negative Emotionen? Die Beharrungskräfte sind so stark, weil die Verbesserungen, die Veränderungen mit sich bringen können, oft außerhalb unserer Vorstellungskraft liegen. Aber stellen Sie sich vor, heute würden noch Autos um die Pestsäule am Rathausplatz kurven. Absurd, oder?
Das beste Argument gegen die Parkplatzsorgen sind jedenfalls funktionale Alternativen – und da gäbe es durchaus noch Luft nach oben: neben Parkhäusern unter- und außerhalb des Zentrums und einem Ausbau der Radwege, lohnt ein Blick nach Tulln. Dort testet die Stadt mit finanzieller Unterstützung des Landes ein innovatives Pilotprojekt: Drei vollelektrische Kleinbusse kurven sieben Tage die Woche ganztags durch die Stadt, um auf Bestellung Fahrgäste an ihr Ziel zu bringen. Ja, auch in St. Pölten gibt es Anrufsammeltaxis, aber die fah­ren – anders als in Tulln – nur in der Nacht. 
Das sogenannte Lisa-Shuttle in Tulln verspricht mehr Flexibilität als Busse und soll dazu motivieren, das eigene Auto öfter stehen zu lassen. Pendler können damit auch zum Bahnhof kommen.
Jetzt weiß ich schon: rote Stadt und schwarzes Land, das ist oft schwierig. Aber so ein Lisa-Shuttle für St. Pölten, das wär doch was.