MFG - Im Kokon
Im Kokon


MFG - Das Magazin
St. Pöltens gute Seite

Im Kokon

Text Thomas Winkelmüller
Ausgabe 03/2024
Mit 26 Jahren bin ich weder alt noch jung. Aktuell empfinde ich diesen Zustand überwiegend als unangenehm – mein Körper spielt nicht mehr mit wie früher. Diese Phase der Liminalität birgt aber auch die letzte Chance, einen Kommentar über junge Menschen zu schreiben, ohne mir dabei allzu blöd vorzukommen. Das möchte ich mir nicht entgehen lassen. Eine Umfrage des Instituts für Jugendkulturforschung hält jungen Menschen gerade den Spiegel vor, mutmaßlich partyfaul zu sein. „Am Wochenende richtig Party machen“, interessiert sie nicht mehr. Das sagen die Menschen in der Umfrage selbst. Bis ich etwa 19 Jahre alt war, bin ich oft und exzessiv fortgegangen. Das war prägend, emotional und physisch gleichermaßen. Mittlerweile feiere ich immer noch gern in Clubs, mache es aber deutlich seltener, weil „meine Musik“ zwar gerade irgendwie trendet, sie aber kaum aufgelegt wird. Interessanter ist, dass junge Menschen spätestens seit der Pandemie gerne zuhause feiern. Selten habe ich einen Satz so sehr gefühlt. Fürs Dating gibt es Apps, Bars und Homepartys, warum also jemand völlig fremden im Club kennenlernen? Um gute Musik zu hören, reichen Boxen und ein billiges Mischpult. Trinken im Wohnzimmer ist um Welten billiger als anderswo und wer übers Ziel hinausschießt, kann einfach schlafen gehen. In jeder Wohnung liegt zumindest irgendwo eine Matratze am Boden. Was ich damit sagen möchte: Vielleicht haben junge Leute nicht das Feiern verlernt, sondern Clubs schlichtweg nicht mehr die Möglichkeit (oder Kreativität) attraktiver als ein Rausch zuhause zu sein.