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Mögen sie in Frieden ruhen!

Text Michael Müllner
Ausgabe 02/2026
Im Sommer 1997 schrieb die 77-jährige Roszi Halmos einen Brief. Sie wolle nach St. Pölten reisen, um am Grab ihres Vaters ein Licht zu entzünden. Ob man ihr bei der Suche nach seinem Grab helfen könne? Sein Name war Armin Wolf, er starb am 1. April 1945 bei einem Luftangriff in Viehofen. Dieser Brief war der Anstoß für intensive Recherchen. Das lange verschwiegene, teils bereits vergessene Zwangsarbeiterlager in der Viehofner-Au kam wieder ans Licht. Über 122 Jüdinnen und Juden mussten dort an der Regulierung des Traisenflusses unter unmenschlichen Bedingungen schuften, darunter Roszi und ihr Vater. Es ist dem Werk von Manfred Wieninger und den Menschen am Institut für jüdische Geschichte Österreichs rund um Martha Keil zu verdanken, dass wir heute wissen, wo er begraben liegt. 
Es ist ein Massengrab am Städtischen Hauptfriedhof (Gruppe VI). 261 Menschen wurden dort in den Kriegsjahren 1940 bis 1945 begraben. Damals ohne Grabstein, ohne Andenken – weil es vor Ort keinen gab, der sich um ein würdiges Begräbnis hätte kümmern können. Achtzig Jahre nach Kriegsende fand nun im Oktober 2025 endlich eine würdige Grabsteinsetzung statt. Man kann die Namen der Menschen nachlesen und sich ihrer Erinnern. Eine Website dokumentiert zudem die Todesumstände jedes Verstorbenen. Ein eindrückliches Zeugnis der Zeit, eine Mahnung für das Hier und Jetzt.
„Hinter jedem Namen und jeder Nennung steht ein Verbrechen“, hielt Martha Keil in ihrer Rede zu Steinsetzung fest. Viele der Begrabenen erlitten als Kriegsgefangene durch Zwangsarbeit einen gewaltvollen Tod. Die Menschen kamen aus Bulgarien, Georgien, Griechenland, Italien, Kroatien, Polen, Russland, Serbien, der Slowakei, Tschechien, der Ukraine und Ungarn. Juden, Muslime, Christen. Auch Kriegsflüchtlinge und in das damalige Deutsche Reiche „Umgesiedelte“ finden sich unter den Menschen sowie St. Pöltner Bombenopfer oder schlicht verarmte Menschen, die im Krankenhaus oder Altersheim verstorben sind. „Nie war St. Pölten eine europäischere Stadt als zur Zeit der Kriegsgefangenen und Zwangsarbeiter“, merkt Keil an.
Möge das Andenken der Begrabenen zur Mahnung sein!

44 Kriegsgefangene, darunter eine Frau, aus Italien, Kroatien, Polen, Russland, der Ukraine und Ungarn. 

Banikov Anatol
Bogdan Dimitri
Bortschow Fedor 
Byalyk Wladimir 
Corowczak Josef 
Franic Marto 
Gafilin Peter 
Ganiew Berta 
Hrichoron Pawel 
Igorow Wasili
Jakimenko Wladimir 
Jastrobow Ciril 
Kobitzky Konrad 
Kondratiew Georgi
Mamora Jusuw 
Muschichin Ilja
Nalivkin Peter
Nesteron Timosz
Nikipirowitsch Fedor 
Nikolai Andrei
Nowetschkow Filip 
Olechwir Peter 
Osatschuk Nikolai 
Osatschuk Sava 
Petuchow Iwan
Schaburin Pawel 
Semantschenko Iwan 
Silkowsky Siegmund 
Skripin Peter 
Smolon Michail 
Snegowoi Iwan 
Sobolew Alexei
Soffranow Alexander 
Stefanow Gregori 
Tarasenko Timofei
Tedesko Guiseppe 
Terenty Anton 
Tkatsch Jefim 
Werbitcky Pavel 
Vier unbekannte Soldaten
Ein unbekannter Oberstleutnant


64 Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter sowie elf Kinder aus Bulgarien, Georgien, Griechenland, Kroatien, Polen, Rumänien, Russland, Serbien und der Ukraine. 

Adschi-Osmanowa Fatima 
Alexandrovic Constantin 
Apanasiv Maxim
Banaschek Sbignef 
Brujic Costin 
Chetzuriai Lemeki 
Demuzkaja Ustina 
Dimitrio Georgi 
Djadovitsch Wolodimir 
Dnjstrenska Katharina
Dudek Josef 
Efremidis Aristoteles Dimitriu
Ersoni Vincenzo
Feduniv Michael
Glukowa Ljuba (Kind)
Glukowa Walentina (Kind)
Gudzowata Anastasia 
Horkawe Michael 
Ilic Nikolai 
Ipatow Anatoli (Kind)
Isajew Pawel 
Ivanow Wladimir (Kind)
Iwanow Iwan
Iwanusa Irena (Kind)
Jaworskyj Ulas (Kind)
Karatanassis Dimitriu Panajotis 
Kortschinelli Wasil 
Kudrjawzew Sava 
Kuzmin Radlon (Kind)
Leputa Bronislav 
Lewczuk Anton 
Macroglu Georgius Joanius
Moduk Kyrill
Pakula Mieczyslav 
Petruschka Iwan 
Petschukewitsch Mjetschislav (Kind)
Plaschenik Iwan 
Plewin Dimitriu Ilias 
Pludarius Theodorius 
Ponomareff Georgi
Popow Nikolaj 
Popowsky Anatoli
Portuhaj Agafija
Pruschinska Medja 
Radiuk Sergei 
Sagorodnij Nikolai 
Samaras Georgios 
Schkarban Wladimir (Kind)
Scheyko Andrei
Semkow Stefan 
Sidorenko Jakob 
Simic Dusan 
Skorobohatsch Andrei
Solutschina Alexandra 
Swinarenko Foma 
Szpilka Kasimir 
Terejko Anton
Timofejewa Ewgenija 
Trojan Olga 
Trubikowa Nina 
Truglia Elena 
Tscheptscheuri Iwan 
Tschernesky Peter 
Tschernowa Natalia 
Uniska Iwan 
Vistizenko Konstantin 
Walintschenko Valentin
Wasganowa Pazek 
Worobjewa Marina
Wowk Katharina 
Wozniak Roman (Kind)
Zielonka Andreas 
Zigŭa Iwan 
Zima Stanislaw
Zulin Tichon (Kind)


15 Jüdinnen und Juden aus Ungarn, die in St. Pölten/Viehofen zur Zwangsarbeit eingesetzt waren.

Eckstein Rosa
Genad Jakob 
Gyárfás Lajos 
Herzog Jenö
Körösi Ignaz, Dr.
Kohn Laszlo
Lefkowitz Moritz
Lukács Lydia 
Neumann, geb. Kohn, Frieda 
Pottasmann Isidor
Rácz Jenö, Dr.
Reves Edmund
Vadász Paul, Ing.
Wolf Armin
Unbekannter Jude


47 Flüchtlinge und deutsche „Umsiedler“, darunter 13 Kinder, aus Kroatien, Rumänien, Russland, Südtirol, Tschechien und Ungarn. 

Ambrozi Katharina
Amcha Veronica
Avemaria Katharina
Bellan Robert Stephan (Kind)
Böhm Susanne (Kind)
Bohn Anna
Boy Elisabeth
Czech Wilhelm (Kind)
Dobrowolski Tamara (Kind)
von Fendrich Maria 
Fleck Heinrich (Kind)
Friedelt Johann
Gajer Maria
Gerber Jakob
Gerber Katharina
Griesmaier Elisabeth
Haas Josef (Kind)
Hess Sebastian
Horjung Kaspar
Hummel Nikolaus
Husczil Maria
Jund Theresia
Jung Peter
Knauer Elfriede
Knauer Leopold (Kind)
Kockert Josef
Kowalewsky Tatjana
Lang Gustav (Kind)
Lang Regina
Lazzeri Paul
Lerch Rosina
Lutsch Rosina
Möss Johann
Pauli Eva
Paulini Grete (Kind)
Rephun Daniel (Kind)
Schöttle Elisabeth
Schultheiss Julius
Steininger Nikolaus (Kind)
Stemmer Johann
Tremmel Ludmilla
Volk Hildegard
Wambach Elisabeth
Weinmüller Anna (Kind)
Werner Richard (Kind)
Weiss Andreas
Wurz Anna Maria


24 Menschen aus St. Pölten, die durch Bombenangriffe ums Leben kamen oder in den letzten Kriegstagen im Krankenhaus oder Altersheim verstorben sind.

Anger Augustin
Baumann Ignaz
Damböck Leopold
Froh, geb. Kitzler, Theresia
Hendl Rosalia
Hossmann Johann
Huber Gustav
Huber Franz
Koglbauer Franziska
Köstrer Antonie 
Kraft Johann
Leimer Leopold
Meissen Johann
Muhr Johann
Nurscher Josef
Peduzzi Eduard
Pomella Josef
Prisching Josef
Riedler Antonia
Riedler Gerhard (Kind)
Sedelmeier Josef
Stangl Rosa
Traxler Pauline
Vater Sophie


39 Menschen unbekannter Herkunft sowie zehn Männer, vier Frauen, ein Paar und eine Person, deren Namen nicht bekannt sind. 

Balisa Isla
Biric Stefan
Brandhofer Michael
Ehrlich Katharina
Engel (Frau)
Filz Karl
Frimmel Marie
Gänger Johann
Gillarduzzi Franziska
Götz Katharina
Hauer Julie
Heiling Hans
Hofer (Vorname unbekannt)
Koutek Anastasia
Lindenhofer (Frau)
Maczejka Sofia
Mühlbacher Adele
Müller Johann
Pölzl Franz
Pritschenko Sergei
Prokopenko Alexander
Püringer Franz
Ralico Isla
Rottelini Dominikus
Ryba Jan
Schiefer Julianna
Schnabel Johann
Scholz Martha
Sefernigg Leopold
Sieder (Vorname unbekannt)
Stackl Anton
Steineder Karl
Sukurenko Anna
Szombal Rosa
Valtl Eugenia
Wimmer Friedrich
Winkler Amalia
Worolina Marina
Zagler Rudolf