Wenn einer so in die Jahre gekommen ist wie ihr Kolumnist, dann erscheint es für ihn höchst angemessen, nun doch nachzudenken über so was wie mentale Greisengymnastik. Nicht über das Animieren des Trizeps oder das Diminuieren des Gössermuskels, sondern über eine Umstellung der Lebenskultur ad ultimos annos. „Statuspassage“ nennen das die Gerontologen, Übergang vom „Noch-immer-gut-erhalten-Sein“ in die soziologische Kategorie der Seneszenz.
Spätestens jetzt ist es ...
Vielleicht kennen sie ja die Geschichte vom alten Stier hoch auf der Alm. Im milden Licht seiner Jahre versucht er, die Jungbullen zu beruhigen. Ganz aus dem Häuschen sind die, weil unten eben die neuen Kalbinnen ausgeladen werden. „Wenn wir uns nicht rühren und ganz leise sind“, raunt er, „dann bemerken sie uns gar nicht“ …
So ähnlich agieren derzeit unsere beamteten Kulturverantwortlichen. 2024 stellt Österreich wieder eine „Kulturhauptstadt Europas“. 2018 fällt die ...
Sicher, es hat sich einiges getan in St. Pölten in den Jahren seit der Hauptstadtwerdung. Auch die Urbanität jedenfalls der jüngeren Jahrgänge und der Zugezogenen, sie ist nicht mehr zu vergleichen mit der misanthropischen Grundstimmung der sterbenden Industriestadtvordem.
Aber da und dort haut uns doch noch der Provinzialismus ins G’nack. Wenn das St. Pöltner Besitzbürgertum im inzwischen längst hauptstadtreifen Kulturleben weitestgehend absent ist: Provinz! Wenn wir es bei den ...
Haydn, Mozart, Brahms komponierten „alla zingarese“, desgleichen Ohrwurmzüchter wie Bizet oder Johann Strauss. Noch in unseren Menüs findet sich sprachpolitisch höchst Unkorrektes aus dem Gipsy-Milieu. Ging’s den Roma und Sinti vielleicht gar besser, als man sie noch Zigeuner nennen durfte? Als man noch staunenden Respekt vor ihrer Ethnie hatte? Einiges hat sich da verändert in den letzten 150 Jahren. Nicht erst in den mörderischen „tausend Jahren“ mittendrin. ...
„Wir bitten Dich, erhöre uns“, murmelte ich in Andacht versunken auf die vom polnischen Ortspfarrer zeitpunktorientiert formulierte Fürbitte um christliche Politiker, als mir dämmerte, dass ich ja vorgestern per Wahlkarte für den Heiden Van der Bellen gestimmt hatte. Wie überhaupt in politicis in diesen Tagen ziemliche Konfusion innerhalb von Gottes Bodenpersonal herrschte. Weihbischof Laun wurde wieder einmal verhaltensauffällig mit einem Plädoyer für Hofer, während sich die ...
Sie ziehen sich, die Tage bis zur Gemeinderatswahl. Harte Prüfung für Menschen wie mich, deren Bekanntenkreis weltanschaulich etwas verteilt ist. Manche unserer Freunde/innen sind ja seit Wochen vor lauter Aufregung kaum wieder zu erkennen.
So sind etwa die St. Pöltner ÖVP-ler bemüht, möglichst viele Themen zu finden, wo sie dem in aufgeklärtem Absolutismus regierenden Bürgermeister eins auswischen können. Dabei haben sie ganz übersehen, dass ihnen dieser inzwischen das positive ...
Erwin Pröll wird nächstes Jahr 70. Für eine letzte Karriere müsste er jetzt bald anfangen. Soll er das? Unglaubliche 35 Jahre ist er inzwischen Regierungsmitglied. Aber quo usque, wie der gebildete Engländer sagt?
Derzeit steht Pröll auf der Zinne des Tempels (Mt 4,5-7, Lk 4,9-12) und der Teufel rät ihm zu einem Köpfler Richtung Hofburg. Dort aber will das Volk keine Politiker mit operativem Impetus, schon gar keine Machertypen. Was imperial Abgeklärtes, was Staatsnotarielles ...
MFG lädt seine Leserschaft aus mehreren gegebenen Anlässen ein, an einem strukturierten Meinungsbildungsprozess teilzunehmen. Beantworten sie in diesem Sinne bitte die nachfolgenden 5 Fragen jeweils für sich ganz persönlich mit: „Unvorstellbar!“ (U), „Geh naa!“ (G) oder „Warum eigentlich nicht?“ (W). Los geht’s:
1. Erschiene es denkbar, eine Veranstaltung in der Dimension von „Frequency“ von der Beamtenschaft des Innen- oder auch des ...
Krems sei die „Kulturhauptstadt“ Niederösterreichs, rief kürzlich dessen neuer roter Bürgermeister alle Landesbürger zur Ordnung. Den neuen schwarzen Bürgermeister von Wiener Neustadt ließ das nicht ruhen: Seine Stadt sei „die urbanste“ im ganzen Land. Absolut bischofslos, nennen beide trotzdem jeweils einen Dom ihr Eigen – den „Dom der Wachau“ bzw. jenen ehemaligen, seit Josef II in Ungnaden. Und dass Baden mit seiner Bühne die „Theaterstadt“ schlechthin – jedenfalls ...
Da streiten sich seit Jahrzehnten Historiker und Politiker herum, ob, dass, wo Österreich ein „Haus der Geschichte“ braucht. Soll diese Zeitgeschichte mit 1848 beginnen, mit dem Staatsgrundgesetz 1867, dem Fin de siècle oder mit der 1. Republik? Nie ein Konsens, nie eine Strategie, nie ein Budget.
Und jetzt haben wir gleich 2 Projekte: eins in St. Pölten, eins in Wien. Die Niederösterreicher waren zuerst dran. Das Landesmuseum als Location. Spiritus rector im Hintergrund Wolfgang ...