MFG - Das Magazin
St. Pöltens gute Seite

Am Scheideweg

Ausgabe 09/2011

Die Wenigsten von uns sind im Sinne der katholischen Kirchenführung frei von Sünde, viele Kirchenregeln ignorieren wir seelenruhig. Selbst das schlechte Gewissen für unser „abweichendes“ Verhalten ist heute dem Mitleid gegenüber den Pfarrern gewichen. Diese leben entweder in einer erschreckenden Parallelgesellschaft ohne Bezug zu den Fragen und Sorgen der Gemeinde – oder in einem erschreckenden Zwiespalt zwischen offizieller Kirchenlinie (Papst und Bischöfe) und der gelebten Praxis des Kirchenvolks.
Wie zum Hohn fragt Bischof Klaus Küng, ob denn jene Pfarrer, die „großzügig“ Dinge gewähren lassen, mehr Gottesdienstbesucher als „gehorsame“ Pfarrer vorzuweisen hätten. Den Forderungen der Priester fehle es an „echten Perspektiven“.
Das zeigt uns: Küng & Co sind inhaltlich um keinen Deut „besser“ als der weg-visitierte Altbischof Krenn. Mehr Selbstbeherrschung in Dosis und Wortwahl bei öffentlichen Äußerungen hilft nicht über das echte Kirchenproblem hinweg: Realitätsverweigerung.
Die Kirchenführung muss sich langsam entscheiden, ob sie sich wirklich zur sektenähnlichen Kleinkirche der „wahrhaftig Gläubigen“ entwickeln will – oder ob sie sich gegen alle inneren Schwierigkeiten hinweg zu einer Zukunft mit Perspektive und Relevanz für die Menschen durchringt.