MFG - Das Magazin
St. Pöltens gute Seite

Mit Vollgas in die Kurve

Text Gotthard Gansch
Ausgabe 06/2010

Zehntausende Personen streifen durch den Wald und säumen den Forstweg. Doch die Schönheit und Bescheidenheit des Waldes ist nur von sekundärem Interesse: Eine Staubwolke durchdringt in der Ferne das Blätterwerk, ein Motorengeräusch wird lauter und lauter. Schließlich rast ein Auto unter frenetischem Jubel der Zuschauer vorbei.

Reinhard Pasteiner, seines Zeichens Unternehmer aus St. Pölten, fährt Rallye – und das leidenschaftlich, wie man sofort merkt. Seine Motorsportkarriere begann er jedoch auf zwei Rädern. „Schon damals versuchte mich ein Freund zu überreden, Rallye zu fahren. Ich entgegnete ihm nur, dass ich erst dann Rallye fahre, wenn ich alt bin und mich nicht mehr bewegen kann“, schmunzelt er. Nach einem schweren Motorradunfall 2005 am Salzburgring mit zahlreichen Hals- und Lendenwirbelbrüchen konnte er die Motorradkarriere nicht fortsetzen. Nach zwei Jahren Motorsportabstinenz „wollte ich wieder Speed in meinem Leben spüren“, schildert er die Beweggründe: „Gerade da traf ich den einen Freund ein weiteres Mal. Ich durfte mich 2008 in Schweden auf dem Trainingsgelände des ehemaligen schwedischen Staatsmeisters Johan Rudengreen an die Materie herantasten. Ich saß zum ersten Mal in einem Rallye-Auto. Am vierten Tag simulierten wir eine Sonderprüfung, und ich war auf Anhieb eine halbe Sekunde schneller als der Schwede.“
Durch die Kontakte Rudengreens gelang der Einstieg ins Rallyegeschäft. Im Jahr 2009 bestritt er seine erste volle Rallyesaison (Österreichische Rallye Meisterschaft) und beendete diese auf dem hervorragenden siebten Endrang. Für dieses Jahr erwartet sich Reinhard Pasteiner eine Steigerung: „Mein Ziel sind die Top Fünf. Außerdem will ich den Innovationspokal für alternative Kraftstoffe gewinnen – ich fahre mit Bioethanol. Das bedeutet 80% weniger CO2!“

Schneller als die Polizei erlaubt
Obwohl zu den Rallyes viele Menschen pilgern, hört man in den Medien meist nichts davon. „In den Medien dominieren Fußball und Schifahren. Selbst ein Snowboardweltmeister muss sich von einem 8000er hauen und explodieren, um in den Medien anständig präsent zu sein“, erzählt er mit einem Grinsen. Im Gegensatz dazu stehe das Mutterland des Motorsports: „In Italien fuhr ich im Trainingsauto und noch mit dem Rennanzug bekleidet hinter einem Polizeiauto – wir beide etwas zu schnell. Als der Carabinieri in den Rückspiegel sah, fuhr er rechts ran und winkte mich vorbei“, ist er von der Motorsportbegeisterung fasziniert. „Nach dem Papst und der Osterfeier ist Motorsport das zweitreligiöseste in Italien“, fügt er lachend hinzu.
„In Österreich hingegen heißt es sofort, das stinkt, das staubt“, ist er gedanklich wieder in heimischen Gefilden. „Wir fahren einmal im Jahr und meistens in Gebieten, wo sonst nicht recht viel ist. Wenn 120 Teams zu einer Rallye kommen, mit jeweils mindestens sieben Teammitgliedern, die drei Tage dort wohnen und essen, kann man sich die positiven Effekte schon vorstellen. Nicht zu vergessen die Tourismuswerbung“, entkräftet er die Gegenargumente.
Wenn Reinhard Pasteiner mit seinem Auto um die Kurven jagt, dann bleibt kein Stein auf dem anderen. Ob er auch die Österreichische Rallye Meisterschaft aufmischen kann, wird man sehen. Ich wünsche es ihm jedenfalls.