MFG - Veto-Vermutung
Veto-Vermutung


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St. Pöltens gute Seite

Veto-Vermutung

Text Beate Steiner
Ausgabe 11/2013
Die Post bringt allen was – besonders gern, wenn diese das gar nicht wollen.
Sie stopft zum Beispiel mit bunter Info das Briefkastl voll – neuerdings getarnt durch ein werbebedrucktes umhüllendes Kuvert. Trotz deutlicher „Keine-Werbung“-Aufschrift am Haus-Postkasten.
Ich wollte mich dafür erkenntlich zeigen, bot den Werbefachmenschen unseres staatlich kontrollierten Briefzustellservices die Rücklieferung in das nächstgelegene Postamt an (das ist näher als die nächste Altpapier-Sammelstelle). Keine Reaktion, auch nicht auf meinen gutgemeinten Hinweis, dass ich die Produkte aller Firmen boykottiere, die sich in mein Postkastl schleichen. Immerhin hab ich keine Zeit mehr zum entspannten Konsum, wenn ich all den Papiermüll bis in den dritten Stock schleppen, dort stapeln und dann wieder entsorgen muss.
Allerdings versicherte mir das postalische Kundenservice per Mail, dass mein Briefträger angehalten werde, meinen „Werbeverzicht“ zu berücksichtigen – wenn er überhaupt der „Täter“ gewesen sein sollte. Ich kann mir zwar nicht vorstellen, dass irgendein Flyer-Verteiler das Postkuvert mit Inhalt stibitzt und bei mir hinterlegt, aber: Doppelt hält besser, und so wollte ich meinen Briefkasten mit einem zweiten, höchstpersönlichen Werbeverzichts-Pickerl schützen. Leichter gedacht als getan. Denn solch einen Aufkleber gibt es nicht in der Postniederlassung vor Ort, sondern nur nach schriftlichem Ansuchen an die Zentrale, inklusive frankiertem Rückkuvert. Ja, geht’s noch? Ich muss meine Zeit und meine Nerven investieren, damit ich etwas NICHT bekomme, das ich gar NICHT will?
Ich plädiere dafür, dass die Veto-Vermutung gilt: Keiner will. Wer schon, soll dies mit einem Aufkleber kundtun.