MFG - Das Magazin
St. Pöltens gute Seite

Gut gebrüllt, Elch!

Text Gotthard Gansch
Ausgabe 04/2016

Der blau-gelbe Möbelgigant firmiert nun unter dem knackigen Namen „IKEA Kompakt“ auch im Traisenpark St. Pölten. Doch was verbirgt sich hinter diesem Namenszusatz? MFG wollte es wissen und stattete der Weltneuheit einen Besuch ab.

Die neue Dependance der weltweit größten Haushaltsmöbelmarke ist tatsächlich die erste ihrer Art: Es ist dies der erste IKEA Kompakt weltweit, der in ein Einkaufszentrum integriert ist, in dem im Norden der Landeshauptstadt situierten Traisenpark. In Österreich ist das Konzept dieses „Mini-IKEA“ bisher ebenso einzigartig. Doch alles der Reihe nach – was ist nun anders?

Der Gigant ganz klein
Der augenscheinlichste Unterschied ist die Größe – statt über 27.000 Quadratmetern (z.B. IKEA Wien Nord) weist der neue Standort gerade einmal eine Fläche von 1.804 Quadratmetern auf. Dementsprechend ist auch die Artikelanzahl kleiner und begrenzt, die gleich mitgenommen werden kann. 99 Artikel umfasst das Sortiment, das sich laufend ändern wird: Neben ein paar Top-Sellern werden immer wieder neue Produkte ausgestellt: „Wir versuchen damit aktuell zu sein und werden auch saisonal abgestimmt jeweils andere Produkte austauschen“, skizziert Uwe Kurz, der Standort-Manager des neuen IKEA-Marktes, die sich ändernde Produktpalette. Nicht verfügbare Waren können einfach bestellt und nach zwei Tagen in St. Pölten abgeholt werden. Beratung und Planung erfolge vor Ort, so könne etwa eine Küche geplant und bestellt werden, wie Kurz exemplarisch ausführt. „Eine Kundin brachte es auf den Punkt: Es ist quasi ein Online-Shop zum Anfassen. Man kann nochmal hierher kommen und sich beraten lassen. Man kann sich versichern, dass man wirklich das Gewünschte bekommt. Es gibt also das komplette Beratungsservice.“ Rund um den Planungs- und Beratungsbereich gibt es  im Geschäft Bereiche, die kompakte Lösungen für Küchen, Schlafzimmer und das Wohnzimmer zeigen.

Bestellen und Abholen
Für die Bestellung und Lieferung nach St. Pölten bezahlt man jedoch abhängig vom Warenwert eine Gebühr, die aber günstiger ist als eine Lieferung direkt nach Hause. „Das ist eine zweite Alternative zur Lieferung. Wir übernehmen den Part des Zusammensuchens, die Bestellung wird fix und fertig abholbereit gebracht. Die Preisgestaltung dabei ist transparent, das unterscheidet uns von Mitbewerbern. Es gibt keine versteckten Kosten“, begründet Kurz die Abholkosten.
Man lerne jedoch auch jeden Tag dazu und adaptiere das Konzept dementsprechend. So war die häufigste Frage die nach Leihtransportern: Ursprünglich waren keine geplant, nur wenn tatsächlich Bedarf artikuliert werde. Mittlerweile sei es bereits in die Wege geleitet, dass Leihtransporter bald auch in St. Pölten zur Verfügung stehen werden. (Nach Erscheinen dieser Zeilen dürfte dies wohl bereits der Fall sein.) Hier zeige sich auch ein Vorteil des neuen Standorts, weiß Kurz: „Wir sind viel näher beim Kunden, wir lernen auch direkt vom Kunden.“
St. Pölten sei schon länger als Standort im Gespräch gewesen, es handelte sich um einen weißen Fleck auf der österreichischen Landkarte. Für einen „ausgewachsenen“ IKEA eigne sich St. Pölten aber nicht, allein aufgrund des nicht genügend großen Einzugsgebietes und der Nähe zu Wien. Ob weitere IKEA-Kompakt-Standorte in Österreich folgen, weiß man noch nicht: „Falls sich das Konzept als richtig erweist, dann eventuell. Zur Zeit ist aber nichts geplant.“
In Vorarlberg, genauer in Wolfurt, ist bereits eine reine IKEA Abholstation in Betrieb. Man sei mit dem neuen Konzept jedoch flexibler, auch finde man heutzutage schwer Grundstücke in der passenden Größe für einen konventionellen IKEA-Markt. „Wir wollen aber schon auch kommunizieren, dass das etwas anderes, etwas Neues ist, damit auch keine falschen Erwartungen entstehen. Daher haben wir uns für den Namen IKEA Kompakt entschieden“, fasst Kurz zusammen.

Gustieren und inspirieren
Das Resümee nach wenigen Tagen Betrieb ist ein äußerst positives: „Das Konzept wurde positiv aufgenommen. Das war so nicht unbedingt zu erwarten. Ich dachte, es würde öfter gefragt ‚Warum gibt es nur das?‘ oder in diese Richtung. Das Feedback der Menschen ist positiv, sie sind neugierig und stellen natürlich viele Fragen“, lautet Uwe Kurz‘ erster Eindruck.
Genau zum Gustieren soll auch der IKEA Kompakt einladen. Das Gewusel im Markt selbst erinnert bereits an das der großen Pendants. Kunden sind mit den altbekannten blauen Tragetaschen bewaffnet, andere gehen eine kleine Runde und verlassen das Geschäft wieder, wieder andere fotografieren schlicht den blau-gelben Schriftzug am Eingang. Man wird aber erst sehen, wie das Konzept wirklich angenommen wird. Es stellt eine mögliche Antwort auf die Digitalisierung, auf den gesellschaftlichen Wandel dar. Ob die Rechnung aufgeht, wird die Zukunft weisen. Dass aber ein zukunftsträchtiges Konzept in St. Pölten ausprobiert wird, ist nicht nur für den Traisenpark, sondern auch für die Stadt ein tolles Signal.