MFG - Von Harland nach Kasachstan & Wimbledon
Von Harland nach Kasachstan & Wimbledon


MFG - Das Magazin
St. Pöltens gute Seite

Von Harland nach Kasachstan & Wimbledon

Text Thomas Schöpf
Ausgabe 09/2019

Im Mai und Juni hält sich Jörg Bachl meist beim Hammerpark auf, ging dort heuer für die Tennisspielgemeinschaft (TSG) St. Pölten in der Landesliga C auf Punktejagd bzw. auswärts in Gars oder Fischamend. Im Urlaub darf’s dann schon mal Kasachstan sein oder das ATP-Turnier in Kitzbühel. Dort war der St. Pöltner „Chief Umpire“.

In seiner Freizeit dreht sich beim Personalleiter von Kika/Leiner, Jörg Bachl, alles um die gelbe Filzkugel. Am Court hat es der 34-jährige St. Pöltner bis zum Mannschaftsmeister in der Landesliga B mit dem TC Harland (mit Alex Bilcik und dem jungen Markus Sedletzky) gebracht. Als Schiedsrichter hat er eine internationale Karriere hingelegt, die ihn unter anderem bis nach Wimbledon führte. Begonnen hat aber auch hier alles am Luggauer Weg 9 in St. Pölten/Harland. Obmann Dietmar Sedletzky suchte „hauseigene“ Schiedsrichter für das ÖTV-Turnier des TC Harland und Vereinsmitglied Bachl besuchte gleich den nächsten Kurs: „Werner Hötzinger, der damals für das internationale Schiedsrichterwesen in Österreich verantwortlich war, hat ihn selbst geleitet. Danach hat er mich und ein paar andere gefragt, ob wir nicht weitermachen wollen.“ Bachl fand sich gleich bei der internationalen Nachwuchs-Turnierserie „Springbowl“ in St. Pölten und beim internationalen Rollstuhltennis-Turnier in Groß-Siegharts auf dem Stuhl wieder.  „Dann bin ich sofort reingewachsen und die Turniere sind immer größere geworden. Da kommst du viel herum und siehst teilweise Städte, in die du als Tourist wohl nie kommen würdest, die aber durchaus auch ihre Reize haben“, strahlt Bachl.
Er absolvierte alle nationalen und internationalen Ausbildungsstufen und war bei Turnieren von allen drei Welt-Verbänden, der „International Tennis Federation“ (ITF), der „Woman’s Tennis Association“ (WTA) und der „Association of Tennis Professionals“ (ATP) tätig. Heimische Highlights als Stuhlschiedsrichter waren die Turniere in Wien, Kitzbühel, Linz und Bad Gastein, sowie Davis-Cup und Fed-Cup, international Linienrichter-Einsätze im Tennis-Mekka Wimbledon (von 2006 bis 2009). In Astana – beim Davis-Cup Kasachstan gegen Argentinien – hat es ihm am besten gefallen. „Die Stadt ist überraschend schön, die Leute dort überaus gastfreundlich und wir waren da in ein paar wirklich urigen Lokalen“, erinnert sich Bachl. Eineinhalb Jahre war Bachl, der auf der WU Betriebswirtschaft und Wirtschaftspädagogik abschloss, hauptberuflich Schiedsrichter.

Bachl gibt das Hawk-Eye frei
Heute ist Bachl im Urlaub als Oberschiedsrichter (oberste Instanz für alle Plätze) oder „Chief Umpire“ (Rekrutierung und Organisation) tätig, oder als „Review Offical“ für die korrekte Abwicklung des „Hawk-Eye“-Systems verantwortlich. „Das ist sehr spannend“, schildert Bachl begeistert, „im Vorfeld der großen Turniere bist du mit den Technikern beim Testing und Kalibrieren dabei. Dann sitzt du ganz oben am Platz in einer Kabine und bist verantwortlich dafür, dass der richtige Ball, den der Spieler noch einmal sehen will, eingespielt wird.“ Theoretisch könnte er einen völlig falschen Ballabdruck zeigen, der überall auf der Welt auch noch (live) im TV gezeigt wird. So ein Schnitzer ist Bachl allerdings noch nicht passiert. Es kann aber sehr wohl sein, dass ein Bild technisch nicht verfügbar ist: „Intern haben wir das Ergebnis aber immer.“ Dann erklärt Bachl per Funk dem Schiedsrichter, wie zu entscheiden ist.
Beim Österreichischen Tennis Verband (ÖTV) ist Bachl als Schiedsrichterreferent vornehmlich für die Koordination der Landesschiedsrichterreferenten, Aus- und Weiterbildung, die Besetzung der Turniere sowie für die Kontakte zu den internationalen Verbänden verantwortlich. Als Spieler hat Bachl heuer mit der Tennisspielgemeinschaft (TSG) St. Pölten – deren Präsident er auch ist – den Klassenerhalt in der Landesliga C geschafft, im Einzel drei von sechs Partien gewonnen und im Doppel vier von sechs. Den Sommerurlaub verbrachte er beim ATP-Turnier in Kitzbühel, wo er als „Chief Umpire“ den ersten Heim-Triumph von Dominic Thiem miterleben durfte.