MFG - St. Pölten am Stockerl
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St. Pöltens gute Seite

St. Pölten am Stockerl

Text Beate Steiner
Ausgabe 03/2022

Während der Leerstand bei Wohnungen und etwaige Maßnahmen dagegen aktuell heiß diskutiert werden, hat sich die Lage in Sachen leerstehender City-Geschäftslokale klammheimlich entspannt.

Tatsächlich wird die Anzahl der leeren Auslagen in der Innenstadt kontinuierlich kleiner. Das zeigt eine Studie von Standort + Markt aus dem Jahr 2021. Demnach hat bei den untersuchten Primär-, Sekundär- und Kleinstädten die Wiener Mariahilfer Straße den geringsten Leerstand mit 2,4 Prozent, dahinter folgen Salzburg mit 3,0 Prozent und St. Pölten mit 3,4 Prozent. Auf dem vierten Platz liegt Wels mit 3,8 Prozent Leerstand. Am Ende des Rankings stehen Wiener Neustadt (28,8 Prozent) und Krems (19,6 Prozent). Hinter den für die Landeshauptstadt positiven Zahlen steckt viel Engagement, das jetzt honoriert wird, freut sich Lukas Stefan vom städtischen Wirtschaftsservice Ecopoint. Wir plauderten mit dem Immobilienprofi über die Hintergründe.

Sie sorgen dafür, dass Geschäftsflächen in der Innenstadt genutzt werden. Wie kann man sich diesen Service der Stadt vorstellen?
Ich beschäftige mich mit den Immobiliengegebenheiten der Stadt, mit den leeren und mit den gut genutzten Flächen. Dabei suche ich aktiv den Kontakt. Ich tausche mich mit Maklern und Verwaltern aus, überlege, wo es Potenzial gibt und Partner, die unterstützen. Und ich gehe auf die Wünsche der Suchenden ein, bringe sie mit den Vermietern zusammen und hole so das Bestmögliche raus. 

Und das schaut gut aus – in der City sinkt die Leerstandsrate kontinuierlich. Wann haben wir Vollnutzung?
Vollnutzung heißt nicht null Prozent Leerstand – es gibt immer Fluktuation. Es heißt, aus jeder Immobilie das volle Potenzial rausholen. Wir sind beim Handel und dem angestrebten Mix gut unterwegs, auch, weil wir manche Konzepte neu gedacht haben.

Wie denn? 
Unsere Pop-ups, genannt Ladenfens­ter, haben sich als optimale Alternative zum Leerstand erwiesen und haben auch Dauermieter gebracht – aus einigen haben sich Geschäfte entwickelt, die geblieben sind. Die Ladenfenster bieten Gewerbetreibenden und Start-ups die Möglichkeit, relativ günstig ihr Konzept und den Standort über einen begrenzten Zeitraum zu testen. Das ist auch für größere Unternehmen interessant. Neue Ideen wie die Zonierung von Geschäftslokalen, um unterschiedliche Gewerbe in einem Lokal zu verorten, haben sich ebenfalls als erfolgreich erwiesen. Gern angenommen wird auch „Das Büro“ als kostenloses städtisches Angebot. Es bietet viele Möglichkeiten, vom ungestörten Lernen über konzentriertes Arbeiten bis hin zu Sprechstunden ist alles möglich.

Hat Corona beim Vermarkten nicht dagegengewirkt?
Die Nachfrage war davon kaum betroffen, die Unterstützung hat sich aber intensiver gestaltet. Rasches Umdenken war erforderlich und obwohl in den Erdgeschoßlokalen der Handel sehr gut vertreten ist, siedeln sich auch immer mehr Dienstleister dort an.

Was ist denn das Besondere an einer Innenstadt für den Kunden?
Online kaufe ich, wenn ich weiß, was ich will. Ich bemerke aber nicht, dass es etwas Besseres, etwas Individuelleres geben könnte und ich nur im Laden kompetente Beratung bekomme. Einkaufszentren sind immer nach dem gleichen Schema aufgebaut, bieten selten Überraschungen. In der Innenstadt gibt es immer Neues zu entdecken: die besondere Architektur, das spezielle Flair und Ambiente, den Markt und die Leute, die ich dort treffe …

Wie schaut die Zukunft der Innenstadt aus?
Ein neues Ladenfenster ist in Planung, alle bisherigen konnten dauerhaft vermietet werden. Aufgrund der hervorragenden Marktberichte häufen sich die Anfragen und bringen auch neue Geschäftsideen in die Innenstadt – es liegen vielversprechende Anfragen auf. Die Vermarktung ist ein laufender Prozess. Die Innenstadt steht nicht still. Jeder Leerstand schafft Platz für anderes, das neuen Schwung bringt. Das Innenstadtwohnen spielt dabei auch eine große Rolle. Wir schauen darauf, dass Handel und Wohnen zusammenpassen. Dabei sind die Dinge des täglichen Bedarfs gefragt. Eine gesunde Durchmischung im Angebot ist wichtig. Das Wirtschaftsservice Ecopoint achtet genau auf den Branchenmix.