Das Glitch Lab
Text
Astrid Homma
Ausgabe
02/2026
Von einer hinterlistigen Puppe durch einen verlassenen Vergnügungspark gejagt zu werden klingt nach dem Drehbuch eines Horrorfilms – oder nach einem besonders hartnäckigen Albtraum. Im neuen „Glitch Lab“ in Ratzersdorf wird aber genau dieses Szenario auf Knopfdruck zur greifbaren Realität – zumindest fast.
Auf den ersten Blick wirkt der Raum, wo man spielt, unscheinbar – bis auf die Headsets, Controller und Bodenmarkierungen ist er nämlich ziemlich leer. Doch sobald die VR-Brille sitzt, steht man mitten in einer anderen Welt. Die Realität beginnt zu verschwimmen. Was eben noch nach Fiktion klang, wird innerhalb von Sekunden zu einem hautnahen Spielerlebnis.
Doch alles der Reihe nach.
Der Weg zur VR-Arena
Zu viert betreten wir die frisch renovierten Räumlichkeiten und werden sofort herzlich von Anja und Flo empfangen. Die beiden haben die Idee zum „Glitch Lab“ innerhalb weniger Monate in die Realität umgesetzt, seit November letzten Jahres kann man jeweils von Donnerstag bis Sonntag in der VR-Arena für ein paar Stunden in eine andere Realität einzutauchen.
Ihre Begeisterung für Gaming und private Erfahrungen mit Virtual Reality setzen im Februar 2025 die Überlegungen für das heutige „Glitch Lab“ in die Gänge. „Eine VR-Arena ist genau das, was in St. Pölten noch fehlt, und wir kennen uns mit der Thematik aus – also haben wir das Projekt in Angriff genommen“, erzählen die beiden. Nachdem sie die passende Location in Ratzersdorf gefunden hatten, konnten die beiden mit Hilfe von Familie und Freunden die Renovierungsarbeiten innerhalb von nur zwei Monaten abschließen und waren startklar. „Seit Ende November haben wir jetzt geöffnet, und auch wenn wir anfangs gar nicht so davon in der Dimension ausgegangen sind – aber die ersten Monate wurden richtig gut angenommen. Wir hoffen, dass es so weitergeht.“
Kleiner Raum – große Welt
Startklar sind jetzt aber auch wir für das Abenteuer. Gästen stehen fünf Spielmöglichkeiten zur Verfügung: Tactics, Party, Battle, Zombie und Escape. Wir entscheiden uns nach einer kurzen Einführung und ein paar Runden von lustigen Partyspielen, bei denen wir das Prinzip der VR-Brillen schnell kennenlernen, für letzteres: Escape Room – Horror!
Schon sind wir mittendrin im Geschehen: Plötzlich stehen wir in einem verlassenen Vergnügungspark. Zwischen rostigen Fahrgeschäften und flackernden Lichtern lösen wir knifflige Rätsel, um der bösartigen Puppe zu entkommen. Die vielfältigen Aufgaben bringen uns ganz schön ins Schwitzen, während des Rätselns und den Diskussionen, wer die richtige Lösung gefunden hat, vergisst man glatt, dass man sich in einem Spiel befindet.
Doch auch die virtuelle Welt hat Grenzen: Im Spiel wirkt die reale Fläche von 220m² viel größer – vor allem weil man sich darauf frei bewegen kann. Wenn es aber doch einmal passiert und man sich zu nah an den Rand der Spielfläche bewegt, schaltet die VR-Brille automatisch in einen Kameramodus – das Anrennen an Wände sollte nämlich eher vermieden werden. Und auch dieser Anblick ist im Übrigen nicht ohne – denn die anderen Spieler mit den Brillen taumelnd, ganz vertieft in das Spiel, zu beobachten, stellt sich als ziemlich amüsant heraus.
Durch gute Teamarbeit und hartnäckiges Überlegen gelingt es uns schließlich den Escape Room erfolgreich zu meistern.
Danach bekommen wir noch eine Bewertung: Fragen wie „Wer hat die meisten Rätsel gelöst?“ und „Wer hat am häufigsten geschrien?“ bringen uns alle zum Lachen.
Was bleibt, wenn die Brille fällt
Mehr als eine Stunde haben wir in der virtuellen Welt verbracht – erstaunt nehmen wir die VR-Brillen wieder ab – wir alle hatten gedacht, dass weit weniger Zeit vergangen ist. Die anfängliche Spannung und Skepsis sind verflogen. Die Stimmung in der Gruppe ist locker. „Auch wenn ich die anderen davor nicht gut gekannt habe, ist man sich erstaunlich schnell nähergekommen“, schwärmt einer der Spieler.
Alle sind sich jedenfalls einig: Die Erwartungen wurden klar übertroffen. Niemand hat damit gerechnet, wie real sich eine virtuelle Welt anfühlen kann.







