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Wenn Worte fehlen

Text Andreas Reichebner
Ausgabe 02/2026

Seit 40 Jahren steht Martin Rotheneder auf der Bühne und gerade ist sein neuestes Album erschienen. Waren seine ersten Lieder in englischer Sprache, brachte er vor einigen Jahren den Dialekt ins Spiel. Jetzt lässt er die Musik in ihrer reinen Form auf uns wirken. Also Gründe genug, sein Bühnenjubiläum nebst Albumpräsentation am 14. März in der Bühne im Hof zu feiern.

Aus einem Moment heraus und im Bewusstsein, dafür keine Worte zu finden. So beschreibt Martin Rotheneder seine künstlerische Entwicklung, die er im Vorfeld zum neuen Album „Die Lösung ist nur ein paar Sekunden entfernt“ genommen hat. Ausgangspunkt sind Geschichten aus seinem persönlichen, familiären Umfeld. Im Mittelpunkt seine Großtante Gitta, die als Person mit Down-Syndrom ein hartes Los in den Phasen gesellschaftlicher Rohheit und Brutalität erleiden musste und trotzdem auf ihrem besonderen Lebensweg vieles in begleiteter Selbstbestimmung überwunden hat. „Ich habe zu Lebzeiten meiner Großtante noch nicht darüber nachgedacht, aber durch das Gedenkjahr im Vorjahr und durch viele Erzählungen meiner Großeltern, wurden diese Geschichten omnipräsent“, so der umtriebige St. Pöltner Liedermacher. Bei der musikalischen Umsetzung dieser historischen Erlebnisse kam aber er sehr bald zum Schluss, „dass es für mich keine Möglichkeit gab, dies in Worte zu fassen.“ 

Emotionales und freies Spiel
Rotheneder lässt den Sound seiner Gitarre und sein emotionales und freies, vielschichtiges Spiel mit dem Instrument sprechen. Dabei darf er sich auf eine starke Basis von der Klassik her, gepaart mit Jazzigem, und seiner Erfahrung bezüglich der Handhabung von Pop- und Rockelementen verlassen. „Es geht mir aber mehr um die klangliche Ästhetik als um Spieltechnik.“ Seit je beeindruckt ihn das musikalische und gedankliche Abtauchen in eine andere Welt. Eine zu Beginn erzeugte musikalische Reibung und die Auflösung dieser im Laufe der Stücke bildet die Basis für eine Kommunikation und Interpretation, die der Hörerin und dem Hörer eine spannende Herausforderung garantieren. Ihnen die Chance gibt, die Botschaften der Erzählungen zu räsonieren. „Ich paraphrasiere die Geschichten, dechiffriere sie mit meiner Akustikgitarre und versuche so, sie für andere erlebbar zu machen“, erzählt Rotheneder, der damit auch Lösungsbotschaften formuliert und transportiert. Ihm geht es vorderhand nicht um das Grauen, das Leid, das hinter diesen, ihm erzählten Geschichten steckt, sondern um dessen Überwindung, der Kraft des persönlichen Widerstandes, der Resilienz. „Es ist eine Art von provokantem Optimismus“, erzählt der Musiker, der auch durch die Ausstellung „Blick in den Schatten. St. Pölten und der Nationalsozialismus“ im St. Pöltner Stadtmuseum, die sich äußerst gelungen mit Gesellschaft und Politik in dieser Zeit auseinandersetzte, in seiner Projektidee gestärkt wurde. „Manche Stücke sind aus dem Moment entstanden, in kürzester Zeit, so wie Gitta, ein Leben.“ Andere mussten erst reifen, „haben Sinn, Umgebung gebraucht.“ Seine neuesten Lieder öffnen eine zu tiefste Privatheit, bleiben am Ende aber doch privat. Mit viel Sinn für starke Emotion gelingt es ihm auf eine beeindruckend musikalisch-improvisatorische Weise, uns am Gefühl der Zuversicht, an den Erzählungen der Menschen, Anteil zu nehmen. 

Martin Rotheneder „Die Lösung liegt nur ein paar Sekunden entfernt“: Konzert am 14. März um 19.30 Uhr in der Bühne im Hof: Martin Rotheneder Gitarre, Stimme, Cornelia Pesendorfer Oboe, Englischhorn, Wolfgang Köck Kontrabass und Gäste – etwa Gerald Huber, Lisa Lurger und Werner Hainitz (sein ehem. Gitarrenlehrer).