In was für einer Stadt leben wir eigentlich ...
Ausgabe 02/2026
... in der wir es beim mfg neuerdings ein bisschen antizyklisch anlegen. Denn während landauf, landab die klassischen Printmedien immer stärker unter Druck geraten, Auflagen verkleinern, Personal entlassen oder neue Geschäftsmodelle entwickeln, die mit Journalismus in etwa so viel gemein haben wie Eishockey mit Curling, haben wir das Motto „Print ist not dead!“ ausgerufen! Und so dürfen wir, um es in den Worten des ehemaligen Bundespräsidenten Thomas Klestil zu formulieren, „mit großer Freude“ verkünden, dass wir unsere Auflage von 30.000 auf 39.000 Stück erhöht (!) haben. Dem nicht genug gehen wir ab sofort an ALLE Haushalte in St. Pölten, der bisherige Vertrieb bleibt natürlich auch bestehen. Und zum Drüberstreuen, mit über 20 Jahren ist das wieder einmal fällig, haben wir uns ein kleines Facelifting, sprich einen Soft Relaunch gegönnt. Gleich bleibt unser Bekenntnis zum Qualitätsjournalismus!
… in der Bürgermeister Matthias Stadler (SP) künftig nicht nur von zwei Vizebürgermeistern vertreten wird, sondern auch vom „Ständigen Vertreter“. Diese „neue“ Funktion gibt das Stadtrecht zwar her, war in den letzten Jahrzehnten aber offenbar völlig unnötig und darum nicht besetzt. Fix war auch: Der Zweite Vize geht an die zweitstärkste Partei, also an ÖVP-Chef Florian Krumböck. Ohne absolute Mehrheit braucht die SPÖ einen Partner und fand dafür die Grünen. Wäre nun deren Chef Walter Heimerl-Lesnik Erster Vize geworden, wäre der bisherige SPÖ-Vize Michael Kögl leer ausgegangen. Doch wo ein Wille, da ein Weg. Kögl bleibt Vize, Heimerl-Lesnik wird „Ständiger Vertreter“. Freilich nicht als Ehrenamt, sondern wie ein Vize entlohnt. Matthias Stadler beruhigte dazu in einer Pressekonferenz, das werde sich die Stadt auch noch leisten können. „Das“ sind übrigens 132.594 Euro Bruttobezug im Jahr.
… in der auch Wochen nach der Gemeinderatswahl noch immer lange Politikergesichter für Schlagzeilen sorgen. So freute sich ÖVP-Listenzweite Susanne Binder-Novak über ihre 523 Vorzugsstimmen, erfuhr aber danach, dass sie nicht als Stadträtin nominiert wird. Binder-Novak habe immer klargelegt, dass „ich eine Stadtratsfunktion als Wertschätzung meiner Arbeit, natürlich nur unter der Voraussetzung, dass das Vorzugsstimmenergebnis passt, möchte.“ Laut ÖVP-Chef Florian Krumböck habe es dazu aber keine Absprachen im Vorfeld gegeben und in geheimer Wahl habe sich die Partei für Mario Burger entschieden. Binder-Novak gehört im neuen Gemeinderat nun nicht mehr der ÖVP-Fraktion an, sondern ist „wilde“ Gemeinderätin. Man darf davon ausgehen, dass die Rechtsanwältin und studierte Politologin weiter sachlich-kritische Arbeit liefert. Womöglich nun aber auch gegen manche in der ÖVP-Fraktion.





