MFG - Das Magazin
St. Pöltens gute Seite

A room of one's own

Text Kati Waldhart
Ausgabe 04/2008

...war bereits 1929 das bescheidene Anliegen von Virginia Woolf. Obwohl sich seitdem die Situation der Frauen verbessert hat, bestehen doch nach wie vor Mängel in Sachen Chancengleichheit. Engagierte St. Pöltnerinnen haben deshalb einen Verein gegründet, um einen solchen „Raum“ zu schaffen.

Das Frauenzentrum - derzeit in Bauphase - wird sich in der Linzerstraße 16 befinden. Im Sommer soll der Probebetrieb starten, ab Herbst läuft dann der Vollbetrieb an. „Ich stehe aber bereits jetzt telefonisch oder per E-Mail für Beratungen zur Verfügung“, erklärt die fachliche Leiterin des Zentrums Ada Pochmann.
Generell ist das Frauenzentrum eine klassische Beratungsstelle von Frauen (der Verein besteht ausschließlich aus Damen) für Frauen sowie Mädchen ab 10 Jahren. Geholfen wird in allen Lebensfragen- und -lagen, egal ob es sich um familiäre, persönliche, berufliche, finanzielle oder soziale Probleme handelt. Auch psychosozialen und sozio-medizinischen Gesundheitsfragen wird großes Augenmerk geschenkt. Angeboten werden Einzel- und Gruppenberatungen, aber auch Workshops, Seminare, Impulsreferate sowie ganz allgemein Lebensorientierung. Zudem steht schlicht das Knüpfen sozialer Netze im Vordergrund. Willkommen sind Frauen aus dem Zentralraum, „aber auch Frauen aus anderen Landesteilen, die nicht selten aus Gründen der Anonymität kommen.“

Bedarf gegeben
Der Bedarf an einem Frauenzentrum bestehe jedenfalls trotz bereits vorhandenen Einrichtungen wie Mutter-Kind-Heim oder Frauenhaus, wie sich die Frauenbeauftragte der Stadt St. Pölten, Martina Eigelsreiter, und die NÖ Gleichbehandlungsbeauftragte Christine Rosenbach einig sind: „In vielen Bereichen, besonders bei der Gleichberechtigung im Beruf, kann noch einiges getan werden!“, so ihr Grundtenor. Außerdem will das Frauenzen-trum nichts anbieten, was schon existiert. „Wir füllen eher die Lücken und sind vor allem eine Clearing Stelle“, so Renate Gamsjäger, Vorsitzende des Vereins. Das heißt, man ist bemüht Frauen mit speziellen Problemen an die fachspezifischen Stellen weiterzuvermitteln. Auch Ingrid Müller vom Frauen- und Lesbenclub St. Pölten sowie Beirätin des Vereins findet die Einrichtung überfällig. „Auch wenn der Verein im Moment keine speziellen Angebote für Lesben bietet, so denke ich doch, dass er eine Verbesserung in St. Pölten mit sich bringen wird, zum Beispiel als erste Anlaufstelle für Beratungen oder durch die Unterstützung selbstbestimmter Sexualität. Dies impliziert meiner Meinung nach auch lesbische und transgender Lebensweisen.“ Der Lesben und Frauenclub schließt auch nicht aus, in naher Zukunft in Kooperation mit dem Frauenzentrum Angebote zu stellen.
Schon jetzt sei das Interesse am Verein Frauenzentrum jedenfalls groß. Etliche Interessentinnen wollen sich sowohl neben- als auch hauptberuflich einsetzen, es herrsche enge Zusammenarbeit mit der FH St. Pölten sowie den frauenorientierten Einrichtungen. Unterstützt wird der Verein von Stadt, Land, AMS, Bund sowie Spendern. A Room of one‘s own... in St. Pölten wird er für Frauen bald Realität! 

Infos zum Thema:
Verein Frauenzentrum St. Pölten
überkonfessionell – anonym – kostenlos – überparteilich
Kontakt: 0676 / 30 94 773, office@frauen-zentrum.at
Vereinskonto
Kontonummer: 01500002009
BLZ 20256, Sparkasse NÖ Mitte West AG
Spenden erbeten!   
Im europäischen Durchschnitt verdienen Frauen beim Stundenlohn 15% weniger als Männer, in Österreich sind es sogar 20%. In Niederösterreich verdienen Frauen im Durchschnitt gar 34% weniger als Männer und haben oft mit einem Karriereknick durch einen Teilzeitjob zu kämpfen (Schwangerschaft etc.).
Der EU-Gender-Bericht kommt auf ca. 29% Frauenanteil bei Spitzenjobs in Österreich, obwohl es 1991 noch ungefähr 30% waren.