MFG – Team


MFG - Das Magazin
St. Pöltens gute Seite

Roul Starka

Roul Starka
Kolumnist
Der Dichter. Plaudert gerne aus dem Nähkästchen und lotet die Untiefen der St. Pöltner Seele aus. Ist dabei – egal ob in Jesolo, Kroation oder Wien – eigentlich trotzdem immer in St. Pölten. Bringt als Chansonier die Dichtung ins MFG. Ganz starka!

Foto Ingo - stock.adobe.com

Frühling

Bevor wir alles wieder öffnen, müssen WIR uns wieder öffnen. Mit Abstand, Respekt und Demut gemeinsam atmen. Tonnen an Zynismus hab ich wütend und beleidigt in Dateien abgespeichert. Da wären schon laute Lacher dabei gewesen. Doch über allem schwebte ein: Wem nützt das?
Es bleibt ein zartes Trotzdem, ein Hauch an Zuversicht, eine behutsam weitergetragene Seifenblase mit vielen Herzklebestellen, so verzweifelt zammpickt, Regenbogen an Wünschen, abgesetzt auf den ersten Blumen. Klar  ...


Foto photoschmidt - stock.adobe.com

Ich Kolumnist kann wählen

Corona-Lockdown, Terror in Wien, Wahlen in Amerika. Jö fein. Es weihnachtet sehr. Die schöne und kluge Vizepräsidentin Kamala Harris macht mich jedoch sehr glücklich. In meinem Bauch brennen aber auch Kerzerl der Traurigkeit. Habe 20 Jahre in Wien gelebt und kenne im ersten Bezirk jeden Stein.
Die Welt ist auf Schleuderkurs, man weiß nicht mehr, was schädlicher oder sogar tödlicher ist. Die Trumpis glauben nicht, dass sie verloren haben. Die gleichen Trumpeln glauben bei uns nicht,  ...


Foto Piotr Krzeslak-stock.adobe.com

Coro na ned nana

Amerikanische Wissenschaftler haben festgestellt, dass amerikanische Wissenschaftler sehr viel feststellen. Studien wiederum belegen, dass Studien sehr viel belegen. Dies alles aus sicherer Quelle, willkommen in der Coronawelt. Und ich weiß endlich, wie Corona im Nachnamen heißt: Waunnstmifrogst. Ich höre es täglich: Corona Waunnstmifrogst. Herzig rustikales Originalzitat (!) einer älteren Dame am Ebersdorfersee, im Kreise ihrer Freunde: „Oiso mit dera Koarauna do jetzt, eh scho so vü  ...


Foto thautimages - stock.adobe.com

Corona

Wesentlich mehr als das Coronavirus geht das angebliche Bescheidwissen um dieses Virus um. Und sollte es schlimmer werden, wird der Streit, ob es nun „das“ Virus oder „der“ Virus heißt, alle Ansteckungen übertreffen. Will man ein bissl gscheit wirken, so wie ich, verwendet man das alte lateinische – sächliche – Geschlecht: das. Den ganzen Tag über aber sag ich „der“ Virus, zum Beispiel: „Do hob i ma an Virus eigfaungt oda so wos.“ Merkwürdig, im Dialekt sagt man auch:  ...


Foto entwurfsmaschine - stock.adobe.com

AUTOBUS

Die Mühsal einer Autobusfahrt. So viel möchte man jetzt denken, geradezu facespucken statt facebooken ob der vielen Zwickeinheiten, die man da verabreicht bekommt.
Und nur jetzt hab ich eine Chance: dies alles umkehren in Lächeln und Zuneigung. Schon zieht ein Schüler seine Füße nicht zurück, obwohl ich mich offensichtlich ihm gegenüber hinsetzen will, no na, er hat Schwerstarbeit am Handy. Ich verpasse ihm liebevoll ein so freundliches „Entschuldigung!“, dass ihm schwindlig  ...


Foto babsi_w - stock.adobe.com

Nachhaltig

Wenn man in St. Pölten wohnt, hat man genug Baustellen, um sich aufzuregen. Es ist zu heiß und zu kalt, man braucht ja Schlagzeilen, gleichzeitig stehen schon wieder die Lebkuchen in den Regalen. Kaum ist das Frequency vorbei, kommt auch schon Weihnachten. Praktisch. Greta segelt mit einem günstigen, fünf Millionen Euro teuren Boot nach New York, und alle Parteien, die wir am 29. September wählen können, sind die bravsten der bravsten. Ich glaub, der liebe Gott hat eine Freude mit uns.


Foto Ljupco Smokovski - stock.adobe.com

IBIZ ... UFF!

Es hieß, wir werden uns noch wundern, was alles geht. Nun haben wir gesehen und gehört, was alles geht. Jetzt könnte ich meine Kolumne mit Wortwitzen und Gehässigkeiten zupflastern. Das macht uns lachen, ändert aber nichts am Krebsgeschwür. Im Gegenteil, die angsterfüllten Menschen wandern weiter zur Angst, zum Rechtspopulismus, und der Krebs wird größer und größer. Nicht die Symp­tome, das Geschwür müssen wir behandeln.
Wir müssen diese zitternden Kinder, die ihre Angst  ...


Foto Johannes Reichl

St. Pölten

Nicht, was sollte St. Pölten tun, dass es Kulturhauptstadt wird, sondern: Was kann ich für St. Pölten tun, dass es Kulturhauptstadt wird. 
Wo St. Pölten draufsteht, ist St. Pölten drin, also: hingehen. Oder: Drinnenbleiben, wenn man schon drin ist. St. Pölten sagen, St. Pölten schreiben, singen, schreien (im Auto), was auch immer. Die gute St. Pöltner Prandtauertorte essen und bei jedem Bissen sagen: St. Pölten!
Wir St. Pöltnerinnen werden Gesetze der Energie anwenden,  ...


Foto weyo – stock.adobe.com

Winter

Und Winter der Menschheit. Es wird kalt. Klima warm, Mensch kalt. Merkwürdig. Last Christmas goes Tofu, toll wurde mega. Leise hechelt das Schneeflockerl um Anerkennung, Rechtschreibung wurde zu Plastilin, es regieren der Hass und sein grinsendes Zahnfleisch. Metoo-Schreie steigern sich paradoxerweise mit katastrophalen Aussagen eines sexistischen Präsidenten um die Wette, und ich behaupte das Grausigste an all diesen Tatsachen: Diese Art Staatsoberhäupter werden weltweit immer öfters  ...


Foto Exquisine-Fotolia.com

Nostalgie

Es kann natürlich sein, dass die heutige Themenwahl eine Alterserscheinung ist – ein Anliegen ist sie allemal. Passend schreib ich zunächst mit der Hand.
Gestern im St. Pöltner Bad: Meine Frau und ich wollen beim neuen Imbiss einen Kaffee trinken, alle Tische sind besetzt. Wir gehen zu einem Tisch, an dem zwei tüchtige, junge Männer sitzen, und fragen: „Grüß Gott, da ist alles besetzt, dürften wir uns bitte zu euch dazusetzen?“
Der Erste, sein Eis weiter laut  ...